Der lange Weg zum kurzen Pieks

von Redaktion

Ein Rundgang durch das Corona-Impfzentrum auf der Loretowiese

Rosenheim – Für Stadt und Landkreis Rosenheim steht das Corona-Impfzentrum bereit. Wann dort die erste Spritze ausgepackt wird, ist aber noch offen. Denn bis jetzt erfolgen die Impfungen – aufgrund der geringen Menge des zur Verfügung stehenden Corona-Impfstoffs – nur über die mobilen Impftruppen.

Weiße Wände, steril wirkende Räume und bunte Markierungen auf dem Boden: Innerhalb von zwei Wochen hat sich die Inntalhalle auf der Loretowiese in ein Impfzentrum verwandelt. Im Eingangsbereich – dort wo zu Herbstfest-Zeiten unter anderem die Besucher sitzen –soll künftig bei den zu impfenden Personen Fieber gemessen werden. Ein paar Schritte weiter werden Mitarbeiter des Ordnungsdienstes die Impfberechtigung sowie die Personaldaten überprüfen.

Kurzes Video im
Aufklärungsbereich

Hier steht Hans Meyrl, der Leiter des Impfzentrums. Er zeigt auf den Eingangsbereich, erklärt, dass man diesen Teil bewusst so gewählt habe, damit „Kontakt vermieden werde und es keinen Gegenverkehr gibt“. Bunte Linien auf dem Boden zeigen den Bürgern den genauen Weg zum Willkommensbereich. Hier gibt es sechs Tische, hinter denen – sobald das Impfzentrum den Betrieb aufnimmt – jeweils eine Verwaltungskraft sitzt. Sie hilft den Impflingen bei der Anmeldung und holt die notwendigen Unterschriften ein. Vom Willkommensbereich geht es weiter in eine der drei Aufklärungskabinen. „Hier können wir jeweils zwischen neun und zwölf Personen unterbringen“, sagt Meyrl. Im Aufklärungsbereich stehen Stühle, ganz vorne hängt ein Fernseher. An den Wänden sind überall Lautsprecher verteilt. In diesen Räumen findet die sogenannte Impfaufklärung in Form eines Videos statt. „Außerdem hat jeder die Möglichkeit zu einer individuellen, ärztlichen Aufklärung“, sagt der Leiter des Staatlichen Gesundheitsamtes Rosenheim, Dr. Wolfgang Hierl.

Zweiter Termin
nach drei Wochen

Nach der Aufklärung geht es weiter zum Impfen. Ein Mitarbeiter des Ordnungsdienstes leitet den Personenstrom. Ist eine Kabine leer, kann der nächste Bürger nachrücken. Die Impfbereiche selbst sind spärlich eingerichtet. Es gibt einen Computer, einen Drucker, einen Stuhl und Kühlboxen, in denen künftig der Impfstoff gelagert werden soll. „Wenn alle Unterlagen komplett sind, wird geimpft“, sagt Hans Meyrl. Die Bürger könnten dann entscheiden, ob die Impfung im Sitzen oder Stehen erfolgen soll. Nach einem kurzen Pieks in den Oberarm wird der Termin für die zweite Impfung ausgemacht. Anschließend werden die Bürger in einen der drei Beobachtungsräume geschickt. „Hier können sich die Impflinge zurückziehen“, sagt Hans Meyrl. Er steht mitten im Raum. Um ihn herum stehen Stühle, ganz vorne hängt eine Uhr. Die Bürger sollen sich hier bis zu 30 Minuten Zeit nehmen, um mögliche allergische Reaktionen auf die Impfung abzuwarten. Sollte eine solche nicht auftreten, könne der Weg nach Hause angetreten werden. „Und dann treffen wir uns in drei Wochen wieder“, sagt Meyrl und lacht.

Impfstoff reicht nur
für mobile Trupps

Doch noch sind diese Abläufe im Impfzentrum nur Theorie. Denn die Türen der Inntalhalle bleiben auch in den kommenden Tagen verschlossen. „Wir können noch nicht sagen, wann es losgeht“, sagt Wirtschaftsdezernent Thomas Bugl von der Stadt Rosenheim und fügt hinzu: „Das hängt davon ab, wann die Impfstoffe in welchen Mengen zur Verfügung stehen.“ Zwar werde am heutigen Freitag die nächste Lieferung erwartet, die Dimension sei aber so klein, dass sie lediglich für die sechs mobilen Impfteams ausreiche. Die werden auch in den kommenden Tagen in den Alten- und Pflegeheimen unterwegs sein, „um die besonders vulnerablen Gruppen durchzuimpfen.“

Auf diesem Weg seien bis jetzt 2150 Impfungen in besagten Einrichtungen durchgeführt wurden. Die Impfbereitschaft sei gut, bestätigt auch Birgit Lotterer vom Malteser Hilfsdienst, die sich mit mehr als 30 Mitarbeitern um die medizinische Betreuung des Impfzentrums kümmert. Wie wichtig dieser Schritt ist, weiß auch Gesundheitsamt-Leiter Hierl. So seien in den vergangenen Monaten über 1000 Bewohner in Alten- und Pflegeheimen positiv auf das Coronavirus getestet worden. Genau deshalb appelliere er auch an die Mitarbeiter dieser Einrichtungen, sich impfen zu lassen. Die sollen in Zukunft, gemeinsam mit den Bediensteten im Rettungsdienst sowie den Kliniken mit ihren zentralen Notaufnahmen, in den Intensivstationen und den onkologischen Stationen einen Anspruch auf prioritäre Impfung haben. Dann könnte auch erstmals mit einer Inbetriebnahme des Impfzentrums geliebäugelt werden. Sobald größere Mengen des Impfstoffs verfügbar seien, werde das Gesundheitsamt die Impfberechtigten schriftlich informieren, dass sie sich impfen lassen könnten und das weitere Vorgehen erläutern, sagt Meyrl. Bis dahin sollten die Bürger davon absehen, Anfragen zu Impfterminen zu stellen. Denn laut Wirtschaftsdezernent Thomas Bugl gebe es allein in der städtischen Verwaltung zwischen 400 bis 600 Anfragen täglich. „Das kostet Personal, das wir an anderen Stellen brauchen.“

Wer eine Impfbenachrichtigung bekommt, kann sich entweder elektronisch oder telefonisch einen Termin geben lassen. Aber eben erst dann, wenn genügend Impfstoff da ist.

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