Weltoffen und heimattreu

von Redaktion

Trauer um Baron Rasso Freiherr von Cramer-Klett

Aschau – Er machte sich verdient um die Gemeinde Aschau, in der er verwurzelt war: Wenige Wochen vor seinem 80. Geburtstag ist Baron Rasso Freiherr von Cramer-Klett nach schwerer Krankheit gestorben.

Es gibt Menschen, in denen eine Gegend verkörpert zu sein scheint. Weil sie so viel Einfluss und Reichtum besitzen, oder weil sie in so vielen Vereinen tätig und auf vielfältige Weise engagiert sind, oder weil sie in besonderer Weise den Charakter dieser Gegend spiegeln.

Gutmütig, aber
auch streitbar

Auf Rasso Freiherr von Cramer-Klett traf all dies zu. „Der Baron“, so nannte man ihn so respektvoll wie griffig, war in vielen Vereinen engagiert, er war der größte Grund- und Waldbesitzer weit und breit. Und er war ein Charakterkopf, typisch für die guten Seiten der Region: gutmütig, aber auch streitbar, wenn es sein musste, ein markanter Mensch ohne verletzende Kanten, ein erster Bürger und Familienmensch, der für seine Lieben zu Weihnachten kochte; ein in vielen Vereinen Engagierter, aber kein Vereinsmeier, nachdenklich und humorvoll, bodenständig und weltoffen. Wenngleich die bayerischen Adelstitel seit 1919 abgeschafft sind, zweifelte wohl niemand daran, dass er ein Freiherr war, frei, die Umgebung der Alm höher zu schätzen als die höhere Gesellschaft; ein Mensch von der Art, die man früher „Respektsperson“ genannt hätte, allerdings nahbar.

Geboren wurde Baron Rasso Freiherr von Cramer-Klett vor bald 80 Jahren als Sohn von Benedikt Ludwig von Cramer-Klett und als Urenkel des Mannes, der das Fundament für das Wirken der Familie gelegt hatte.

Als Eigentümer der Maschinenbau Actiengesellschaft Nürnberg, heute besser bekannt als MAN, sowie Mitbegründer der Privatbank Merck und der Münchner Rückversicherungsgesellschaft hatte sich Theodor von Cramer-Klett um Bayern und das Eisenbahnwesen so verdient gemacht, dass ihn Ludwig II. adelte. Ihm verdankt die Familie auch die Verwurzelung in Aschau: Vor 145 Jahren zog der Nürnberger nach Aschau, wo er das Herrschaftsgut Hohenaschau erworben hatte.

Für den Urenkel war diese Geschichte immer ein bisschen mehr als bloße Familienhistorie. Sie war ihm auch Verpflichtung. „Die Familie Cramer-Klett verdankt ihm alles, was an Besitz und Gütern auch heute noch in unserem Eigentum ist, er erwarb das Vermögen, von dessen Früchten wir noch heute zehren, er erwarb den Namen“, sagte Rasso Freiherr von Cramer-Klett einmal.

Er zehrte nicht nur von den Früchten, er ließ die Allgemeinheit teilhaben. „Geleitet von einem großen Verständnis und einem tiefen Verantwortungsgefühl für Landschaft und Natur hat er dem Allgemeinwohl stets den absoluten Vorrang eingeräumt“, lässt sich in der Begründung für die Bayerische Staatsmedaille nachlesen, die ihm 2007 verliehen wurde. Der Baron hatte im Priental großzügig Flächen für Retentionsbecken und Gewässerausbau zur Verfügung gestellt.

Tiefe Liebe zu
Wild und Wald

Für Cramer-Klett eine Selbstverständlichkeit. Ausruhen dürfe man sich nicht, sagte er einmal. „Wir alle leben jetzt und nicht in der Vergangenheit, jeden Tag gilt es in der Gegenwart wieder neue Entscheidungen für die Zukunft zu treffen.“

Die Familie förderte stets das Trachtenwesen. Der Großvater hatte die Bewegung angeschoben, noch heute findet man auf vielen Vereinsfahnen in der Region das Wappen derer von Cramer-Klett. Besonders verbunden ist die Familie dem Trachtenverein Hohenaschau. Dessen Vorsitzender Claus Reiter äußerte sich  betroffen. Ob er Grund für Feiern zur Verfügung gestellt, er mitgeholfen oder Geld gespendet habe – „der Baron war immer da und half, wenn es ging“, sagt Reiter. So aufgeschlossen und hilfsbereit zeigte er sich auf vielen Gebieten. Wegen seines Wirkens als Gemeinderat, mehr aber noch wegen seines Engagements in Aschau und für den gesamten Chiemgau wurde er 2001 zum Ehrenbürger Aschaus ernannt.

Sein Herz
gehörte der Jagd

Sein Herz gehörte der Jagd. „Als ich zwei Jahre alt war, hat mich mein Vater mit auf den Berg getragen und ich konnte da überall auch ohne Stuhl und Bank sitzen und schon früh an der Jagd teilhaben, das prägt fürs Leben“, erzählte er einmal. Er pflegte die Jagd mit dem Augenmaß und Verständnis für größere Zusammenhänge, das ihn allgemein prägte. Auch das steht im Lob zur Staatsmedaille zu lesen.

Am Montag starb Rasso Freiherr von Cramer-Klett nach schwerer Krankheit. „Ich kann nicht einfach tun und lassen, was ich will, sonst wäre ich im Dorf sofort im Gespräch“, sagte er einmal. Sprechen über ihn wird man allemal. Der Ton wird ein guter sein.

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