Mobilfunkausbau mit Augenmaß

von Redaktion

Für die Region Rosenheim hat sich eine Bewegung gegen den unbedachten Ausbau der 5G-Mobilfunktechnologie formiert. Deren Mitglieder wollen die neue Technik nicht komplett verhindern, fordern von Netzbetreibern und Politik jedoch Augenmaß bei der Zahl der Masten.

Rosenheim – Es ist die schöne neue Welt des Mobilfunks: Der Standard 5G verspricht schnellere Datenübertragung, vor allem aber einen nahezu verzögerungsfreien Zugriff auf fremde Rechner und Maschinen. Die Wirtschaft preist die neue Technik gar als Voraussetzung für die „Industrie 4.0“, den vollständigen Sprung der Konzerne ins digitale Zeitalter.  Anwendungen, die mit dem neuen Übertragungsstandard möglich sein sollen, reichen von ferngesteuerten Maschinen bis hin zu selbstfahrenden Autos. Das sind zumindest die Visionen.

Warnung vor Gefährdungen
für die Gesundheit

Doch der 5G-Ausbau stößt naturgemäß nicht bei allen auf ungeteilte Begeisterung. Skeptiker warnen vor möglichen Gesundheitsschäden durch die Strahlenbelastung des neuen Standards. Auch in der Region Rosenheim hat sich jüngst eine Bewegung gegen den ungeprüften Ausbau des neuen Mobilfunkstandards formiert, der „Initiativkreis Brennpunkt 5G Rosenheim“. 20 Mitglieder seien derzeit lose organisiert, berichtet Simone Batek, eine Sprecherin der Gruppe. Schon im vergangenen Herbst habe der Kreis zu ersten Veranstaltungen eingeladen, derzeit liefen diese coronabedingt jedoch online in Form von Webinaren.

Die Gruppe sieht sich als Teil des bundesweiten Netzwerks „Bündnis verantwortungsvoller Mobilfunk Deutschland“, das einen „Paradigmenwechsel“ in Sachen Mobilfunk fordert.

Wohlgemerkt: Es geht den Beteiligten nicht darum, die neue Technik komplett zu verhindern. Ihre Kritik an Politik und Netzbetreibern richtet sich vielmehr dagegen, den Ausbau des Standards ungeprüft weiterlaufen zu lassen. Die Rosenheimer Initiative hat sich einem offenen Brief des Netzwerks angeschlossen und dessen Forderungen übernommen.

Mit dem Schreiben reagiert man auf eine Veranstaltung des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur vom 1. Dezember vergangenen Jahres – ein Dialogforum mit Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD), der Beauftragten der Bundesregierung für Digitalisierung, Dorothee Bär (CSU), und der Präsidentin des Bundesamts für Strahlenschutz, Inge Paulini. Der Plausch – gestreamt im Netz – sollte die Einführung von 5G möglichst transparent machen. Nach Auffassung des „Bündnisses verantwortungsvoller Mobilfunk Deutschland“  eine reine „PR-Veranstaltung“ ohne Tiefgang. „Wir erleben, dass ein sehr großer Teil der Bevölkerung wenig bis keine Kenntnisse von den möglichen gesundheitlichen Schädigungen durch Mobilfunk, WLAN und anderen Strahlungsquellen hat“, schreibt das Bündnis in seinem offenen Brief: Das Spektrum reiche von Schlaflosigkeit bis hin zu Krebs.

Auch auf die Fauna habe der ungebremste Ausbau des neuen Standards Auswirkungen: „Wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge werden auch Insekten durch Mobilfunkstrahlung geschädigt“, behauptet das Netzwerk.

Weitere Bedenken drehen sich um Datenschutzerwägungen und den steigenden Ressourcenverbrauch: sowohl für die Produktion der Sendemasten als auch im Blick auf den erhöhten Energiebedarf für deren Betrieb. Ebenso reiben sich die Mitglieder der Gruppe an anderen längst etablierten Funkstandards: Sowohl bei WLAN, DECT für Festnetzmobilteile und der Nahfunktechnik Bluetooth sehen sie die Gefahr „zellverändernder Effekte“ oder anders gesagt: von Krebsleiden. Auf der anderen Seite: „Jede neue Technologie, die hilft den Wirtschaftsstandort zu sichern oder zu verbessern, ist gut – das gilt für Rosenheim wie für ganz Deutschland“, kommentiert Rosenheims Pressesprecher und Wirtschaftsdezernent Thomas Bugl, die Bemühungen der Skeptiker, die Entwicklung in Sachen 5G zu bremsen. Bugl gibt zu bedenken, dass Wohlstand schlichtweg erwirtschaftet werden muss. Das sollten auch jene berücksichtigen, die sich gegen solch neuen Technologien wehren.

IHK fordert ein leistungsfähiges Mobilfunknetz

Auch die Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern (IHK) findet: „Damit digitales undmobiles Arbeiten sowie automatisierte mobile Lösungen von und für Unternehmen in Oberbayern auch funktionieren und fortentwickelt werden können, braucht es ein sehr leistungsfähiges, stabiles und schnelles Mobilfunknetz für Telefonie und Daten.

Dass die entsprechenden Voraussetzungen in Bayern dafür, sprich digitale Infrastruktur, noch nicht flächendeckend gegeben sind, zeigten mehrfache Umfragen unter den IHK-Mitgliedsunternehmen.“ Im Juli beschloss die IHK-Vollversammlung ein Positionspapier mit dem Titel „Überall digital – Mobilfunk für Unternehmen“. Eine Forderung: „Politik wie Wirtschaft müssen innovative Konzepte unterstützen.

Die Möglichkeit, mit dem  „Initiativkreis Brennpunkt 5G Rosenheim“ Kontakt aufzunehmen, gibt es per E-Mail an s.batek@gmx.de.

Standorte in Landkreis und Stadt Rosenheim

Der Anbieter Telefonica mit seinem Mobilfunknetz O2 betreibt in der Stadt Rosenheim zur Zeit zwei 5G-Standorte. Im Landkreis Rosenheim ist Telefonica noch nicht mit 5G vertreten, der weitere Ausbau noch in der Planungsphase.

Die Telekom (T-Mobile) ist in der Stadt Rosenheim in Sachen 5G an 19 Standorten vertreten, im Landkreis Rosenheim mit 20. Vodafone bietet in der Stadt Rosenheim derzeit an einem Standort an, im Landkreis an zwei. Grundsätzlich ist der Betrieb von 5G-Anlagen unter Beachtung der maximalen Sendeleistung an allen Standorten zulässig, an denen auch die bisherigen Mobilfunkstandards angeboten werden. In der Stadt Rosenheim sind dies 41, im Landkreis 187.

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