Blickpunkt Alkoholverbot

Zweite Welle ausgebremst

von Redaktion

Corona-Lage Sinkende Fallzahlen in der Region – Weiter Ausbrüche in Heimen

Rosenheim – Der Zuwachs bei den Corona-Fallzahlen scheint ausgebremst – seit dieser Woche geht die Zahl der Neuinfektionen in der Region Rosenheim deutlich zurück. Das spiegelt sich auch in der Sieben-Tage-Inzidenz wieder. Für heute, Samstag, wurde die 15-Kilometer-Beschränkung für die Stadt Rosenheim aufgehoben. Die Regierung von Oberbayern hatte dazu gestern bereits „grünes Licht“ gegeben.

Denn: In der kreisfreien Stadt Rosenheim ist der Inzidenzwert (Fälle pro 100000 Einwohner binnen sieben Tagen) von 200 seit vergangenen Samstag unterschritten. Aktuell liegt der Wert bei 113 (Stand 22. Januar, 24 Uhr). Auch im Landkreis zeigt sich eine abnehmende Tendenz. Hier bewegt sich der Inzidenzwert bei 133 (Vorwoche: 163).

Einrichtungen
betroffen

Mit Besorgnis beobachtet man im Staatlichen Gesundheitsamt Rosenheim, dass trotz der sinkenden Neuinfektionen weiterhin Ausbrüche in Einrichtungen wie Kliniken, Pflege- und Behindertenheimen stattfinden. Für Aufsehen sorgten in diesem Zusammenhang zuletzt Corona-Ausbrüche in einem Seniorenheim in Brannenburg (wir berichteten) sowie in der Klinik Bad Trissl in Oberaudorf (siehe Kasten).

Im Verlauf der Woche wurden dem Gesundheitsamt 429 neue Fälle für Stadt und Landkreis Rosenheim gemeldet (Vorwoche: 570). Bisher sind insgesamt 12395 Fälle von Covid-19 in Stadt und Landkreis offiziell registriert (Landkreis: 9744, Stadt: 2651).

Regionale Hotspots
liegen im Inntal

Zu den regionalen Hotspots zählen diese Woche neben der Stadt Rosenheim mit 81 gemeldeten Neuinfektionen die Gemeinde Brannenburg mit 37, Feldkirchen-Westerham mit 33 und Wasserburg mit 32 neuen Fällen. Gefolgt von: Bruckmühl mit +25, Bad Aibling und Großkarolinenfeld mit +17, Kolbermoor und Prien mit +15 und Oberaudorf sowie Bad Feilnbach mit jeweils zehn neuen Fällen. Hinzu kommen eine ganze Reihe Gemeinden mit Zuwächsen im einstelligen Bereich. Keine registrierten Neuinfektionen gab es diese Woche in Griesstätt und Vogtareuth.

Die gute Nachricht: Mittlerweile wurde bei mindestens 9527 Personen eine Genesung dokumentiert.

Weiter steigend ist die Zahl der Todesfälle, die in Zusammenhang mit Covid- 19 stehen. Bis dato sind in der Region insgesamt 430 Personen (+13 gegenüber der Vorwoche) an der Erkrankung verstorben (Landkreis: 382, Stadt: 48). Acht Verstorbene waren 80 Jahre alt oder älter, fünf Personen waren im Alter zwischen 60 und 80 Jahren.

Das Gesundheitsamt meldet sechs Personen, die seit dem jüngsten Wochenbericht verstorben sind (Differenz: Nachmeldungen aus der Vorwoche). Hiervon waren fünf Personen über oder gleich 80 Jahre und eine Person zwischen 60 und 80 Jahren. Vier dieser Verstorbenen waren in einem Heim betreut worden.

Leicht rückläufig sind die Patientenzahlen in den Kliniken der Region. Insgesamt 150 (Vorwoche: 157) Covid-19-Patienten werden laut Gesundheitsamt aktuell in Stadt und Landkreis Rosenheim stationär behandelt (Stand 21. Januar). Hiervon befinden sich 17 Patienten (Vorwoche: 20) auf einer Intensivstation.

Erstimpfungen in
51 Einrichtungen

Als Erfolg wertet die Behörde, dass in Stadt und Landkreis bereits in 51 von 68 stationären Einrichtungen (Alten- und Pflegeheime) Erstimpfungen der Bewohner durchgeführt werden konnten. Seit vergangenen Sonntag werden in diesen Einrichtungen nunmehr die Zweitimpfungen vorgenommen.

Mit der Vervollständigung des Impfschutzes besteht laut Gesundheitsamt die Aussicht und Hoffnung, dass die Zahl der Corona-Infektionen und Todesfälle abnimmt. Es zeige sich aber unverändert, dass betagte Personen sowie Patienten oder Bewohner mit Grunderkrankungen und geschwächtem Immunsystem höchst anfällig seien für Covid-19-Erkrankungen mit schweren Krankheitsverläufen, mitunter auch mit Todesfolge.

Sorgen bereitet laut Gesundheitsamt zudem die schnelle Ausbreitung von neuen Virusvarianten in Großbritannien, Irland, Südafrika und Brasilien. Auch bei den rückläufigen Infektionszahlen hierzulande müsse beachtet werden, dass diese neuen Virusvarianten von SARS-CoV-2 mittlerweile auch in Deutschland Fuß gefasst hätten. „Zwar gibt es bisher bei begrenzter Datenlage keine Hinweise auf schwerere Krankheitsverläufe bei Infektionen oder eine verringerte Wirksamkeit der Impfstoffe, doch könnte das Vorkommen dieser Virusvarianten auch hierzulande zu einer weiteren Beschleunigung der Pandemie führen“, heißt es seitens der Behörde. Mit einer zunehmenden Infektionsrate durch die neuen Virusvarianten könnten zunehmende schwere Krankheitsverläufe mit Überlastung der Krankenhäuser einhergehen. „Aus diesem Hintergrund ist das Gebot der Stunde, Kontakte so weit wie möglich zu vermeiden.“

Das Gesundheitsamt appelliert zudem weiter an alle Mitarbeiter von Pflege- und Behindertenheimen, Kliniken sowie an alle Personen mit derzeit höchster Priorität mit Anspruch auf eine Corona-Schutzimpfung, dringend das Impfangebot anzunehmen. Behördenleiter Dr. Wolfgang Hierl: „Es ist ein Gebot der Vernunft und Solidarität, sich impfen zulassen.“

Nachverfolgung
weiter möglich

Reibungslos scheint die Nachverfolgung in der Behörde zu verlaufen. Das Gesundheitsamt Rosenheim kann nach eigenen Angaben die positiv Gemeldeten weiterhin tagesaktuell telefonisch und schriftlich über ihre Infektion informieren und die erforderlichen Infektionsschutzmaßnahmen anordnen. Auch die engen Kontaktpersonen könnten zeitnah kontaktiert und ebenfalls eine häusliche Quarantäne angeordnet werden.

Stadt Rosenheim prüft, ob Bedarf vorhanden ist

Die Entscheidung des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs, das bayernweite Alkoholverbot im öffentlichen Raum zu kippen, dürfte zumindest Freunde der verzwickten Regelungen erfreuen. Denn sie hebt nicht nur ein Verbot auf, sondern lässt vorerst in Rosenheim auch keinen Raum für ein neues Verbot. Die Stadt hatte im Kampf gegen Corona in Allgemeinverordnungen  Alkoholgenuss etwa in der Fußgängerzone untersagt. Diese kommunale Regelung war mit der elften Infektionsschutzmaßnahmenverordnung des Freistaats vom 15. Dezember und ihrem Pauschalverbot außer Kraft gesetzt worden. Damit aber, so sieht es das VHG, hat der Freistaat die Grenzen des Infektionsschutzgesetzes überschritten. Darin steht zu lesen, dass Alkoholverbote nur an bestimmten öffentlichen Plätzen vorgesehen seien. Da die Staatsregierung die kommunalen Verfügungen quasi an sich gezogen hat, sie nun aber zurücknehmen muss, gibt es ein juristisches Vakuum.

Für ein erneutes Alkoholverbot bedürfe es einer staatlichen Ermächtigungsgrundlage, die aktuell nicht vorliege, sagt Thomas Bugl, Sprecher der Stadt. wei

Rosenheimer sind vom Ausflugsverbot erlöst

Die Sieben-Tage-Inzidenz der Stadt Rosenheim ist weiter auf Sinkflug und liegt aktuell bei 113. Damit kann die Stadt die 15-Kilometer-Beschränkung aufheben – pünktlich zum Wochenende. Seit heute, Samstag, 0 Uhr, sind auch für Rosenheimer Bürger wieder touristische Tagesausflüge über einen Radius von 15 Kilometern hinaus möglich. „Grünes Licht“ hatte gestern bereits die Regierung von Oberbayern signalisiert. „In den zuletzt deutlich sinkenden Inzidenzzahlen für die Stadt Rosenheim kommt letztlich die Disziplin und Eigenverantwortung unserer Bürger zum Ausdruck. Es kann allerdings auch niemand bestreiten, dass der inzwischen dreimonatige Teil-Lockdown gravierende Folgen für die heimische Wirtschaft und den Arbeitsmarkt hat. Trotzdem: Das Durchhalten zeigt beim Infektionsgeschehen Wirkung“, so Oberbürgermeister Andreas März. „Aktivitäten im Freien machen Spaß und stärken gerade jetzt im Winter unser Immunsystem. Ich freue mich, dass unsere Bürger Wintersport und Wintertourismus jetzt auch in den Bergen genießen und unsere Kinder auch dort im Schnee toben können.“ Gleichzeitig warnt er: „Wir sind noch nicht über dem Berg.“rg

Infektionsgeschehen in der Klinik Bad Trissl Oberaudorf

Nach dem Corona-Ausbruch im Seniorenheim St. Florian in Brannenburg wird eine Reihe weiterer Infektionen aus einer Einrichtung im Inntal gemeldet. Andreas Kutschker, Geschäftsführer des Klinikums Bad Trissl in Oberaudorf, bestätigte gestern sechs Patienten und vier Mitarbeiter, die positiv auf Corona getestet worden waren. Von einem „Ausbruch“ könne allerdings nicht die Rede sein, so Kutschker, das Geschehen sei unter Kontrolle, und man könne die Infektionsketten lückenlos nachverfolgen. Das Personal achte, in enger Abstimmung mit dem Gesundheitsamt in Rosenheim, auf strenge Einhaltung der Hygieneregeln und verfolge eine konsequente Teststrategie, so der Geschäftsführer weiter.

Diese sehe vor, dass ein Patient bei Aufnahme sowie ein weiteres Mal am zweiten und am dritten Tag getestet werde, bevor man schließlich auf eine wöchentliche Testroutine übergehe, sagte Kutschker auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen. Die Patientin, von der die Ansteckung mutmaßlich ausgegangen sei, sei bei ihrer Aufnahme in die Einrichtung negativ und erst am zweiten oder dritten Tag positiv getestet worden.

Was die Impfquote des Personals betrifft, liegt die auf Onkologie spezialisierte Einrichtung in der Region Rosenheim in der Spitzengruppe. Am kommenden Wochenende sollen dem Personal der Klinik 120 Dosen des Wirkstoffs injiziert werden. Damit werden 100 Mitarbeiter, gut ein Drittel der Gesamtzahl, sogar schon zum zweiten Mal gegen Corona geimpft sein.

Rund die Hälfte der Mitarbeiter wird nach Auskunft Kutschkers nach dem Wochenende die erste Impfung absolviert haben und wartet auf den nötigen zweiten Impftermin in den kommenden Wochen.Michael Weiser

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