Rosenheim – Eine Reihe von Verbänden und Organisationen aus der Region bewerten die Ergebnisse des Raumordnungsverfahrens zum Brenner-Nordzulauf für sich. Der Bauernverband Rosenheim sieht sich durch das Gutachten der Regierung von Oberbayern (wir berichteten) bestätigt, wie Geschäftsführer Josef Steingraber betont. „Unsere Stellungnahme wurde zu großen Teilen erhört, die Mühen lohnen sich langsam. Der Bauernverband Rosenheim hat auf 33 Seiten zu den geplanten Grobtrassen Stellung bezogen. Dabei bestätigt das Ergebnis des Raumordnungsverfahrens viele unüberbrückbare Kollisionspunkte mit der Landwirtschaft.“ Auch bei der häufig genannten violetten Variante müsse nachgebessert werden, etwa, was die oberirdische Streckenführung zwischen Rohrdorf und Stephanskirchen und die landwirtschaftlichen Beeinträchtigungen im Norden nach der Innquerung betreffe.
Anzeige beim Ordnungsamt
Bauern aus der Region hatten sich auch während der Vorstellung der landesplanerischen Beurteilung in der Umgebung des Kuko bemerkbar gemacht. Nach Angaben der Polizei formierten sich etwa 20 Landwirte zu einem Traktor-Zug auf Münchener und Kufsteiner Straße, um gegen die Trassenpläne zu demonstrieren. „Eine spontane Kundgebung“, sagt Polizeisprecher Martin Emig, die – weil nicht angekündigt – beim Ordnungsamt der Stadt Rosenheim angezeigt worden sei.
Als Fortschritt begrüßen die Grünen im Bayerischen Landtag die Analyse der Regierung. „Wir kommen zwar nur im langsamen Rangiertempo voran“, sagt der verkehrspolitische Sprecher der Fraktion, Dr. Markus Büchler, „aber Stück für Stück zeichnet sich ab, wie wir die internationale Verkehrsverlagerung endlich auch in Deutschland aufs Gleis bekommen.“ Wenn am Ende ein umweltverträglicher Gleisausbau stehe, gebe es „fast nur Gewinner“.
Beeinträchtigungen seien „gravierend“
Der Bund Naturschutz in Bayern sieht, anders als die Regierung, überhaupt keine raumverträgliche Trasse und fordert die Prüfung der Bestandsstrecke. Die Beeinträchtigungen seien „so gravierend“, dass ein Neubau nicht vertretbar sei, sagt der Landesvorsitzende Richard Mergner. „Die Ertüchtigung des Bestandes, mit Schutzmaßnahmen gegen Lärm und Erschütterung nach Neubaustandard muss in die Alternativen-Prüfung aufgenommen werden, und der notwendige Anschluss an den Güter-Ostkorridor Landshut-Mühldorf-Freilassing muss zwingend Berücksichtigung finden.“
Den Abschluss des Raumordnungsverfahrens für die Bahn-Neubaustrecke von München nach Tirol sieht der Landesverband Bayern des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) positiv. „Sowohl die schnelle Erarbeitung der Stellungnahme durch die Regierung von Oberbayern wie auch deren Inhalte freuen uns sehr“, sagt Landesvorsitzender Dr. Christian Loos. „Auch wir haben für einen hohen Tunnelanteil plädiert. Wir sind uns sicher, dass er es einfacher macht, eine Vorzugstrasse zu finden, die breite Zustimmung findet.“Michael WEiser