Ramerberg – Wenn die Kripo anruft, klingeln die Alarmglocken: So auch beim Sportverein (SV) Ramerberg, der sich zu Unrecht ins Visier von polizeilichen Ermittlungen gedrängt fühlt. Vorstandsmitglieder haben Anrufe vom Staatsschutz bei der Kriminalpolizei erhalten. Hintergrund: „Satirebladl“, die im vergangenen Jahr im Dorf ausgelegt wurden.
Strafbare
Inhalte verbreitet
Die Schmähschriften verunglimpfen Bürgermeister Manfred Reithmeier und seine Stellvertreter und widmen sich dem Streitthema Nummer eins: dem vom SV geplanten und kontrovers diskutierten Neubau des Sportplatzes in Zellerreit. Reithmeier hatte nach wiederholtem Auftauchen der Pamphlete und zuletzt eskalierender Wortwahl in den Schreiben Anzeige bei der Polizei erstattet. Die Kripo übernahm die Ermittlungen. Laut Stefan Sonntag, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, „gibt es noch keine richtig heiße Spur“. Der Staatsschutz sei mit der Aufklärung beauftragt worden. Dass strafbare Inhalte wie Beleidigungen und Verleumdungen in den Pamphleten verbreitet worden seien, sei unstrittig.
Dass sich die Kripo in diesem Zusammenhang ein Bild vor Ort mache und mit vielen Auskunftspersonen und Zeugen spreche, „ist gängige Arbeit der Ermittler und lässt sich nicht vermeiden“, sagt Sonntag. In der Tat ist seit Langem bekannt, dass Ramerberg über den geplanten Neubau des Sportplatzes zerstritten ist. Zwei Lager stehen sich unerbittlich gegenüber: der Sportverein, der gerne in Zellerreit bauen möchte, und Gegner, zu denen Anlieger sowie um das Landschaftsbild besorgte Bürger gehören. Auch der Gemeinderat ist zu diesem Thema gespalten. Reithmeier sucht derzeit nach Alternativen für den vom Sportverein gewünschten Standort.
Diese Thematik greifen die Schmähbriefe auf. Auch der SV Ramerberg erhielt im Rahmen der Ermittlungen deshalb Anrufe der Polizei. Vorsitzender Andreas Baumgartner sagt, das Gespräch sei sehr höflich verlaufen, „alles okay“. Doch der Vorstand schreibt in einem Brief, der am Wochenende an alle Haushalte verteilt wurde: „Laut der Kriminalpolizei wurden die Ermittlungen in Richtung des SV Ramerberg durch Aussagen des Bürgermeisters gelenkt. Konkret soll Herr Reithmeier gegenüber der Kriminalpolizei geäußert haben, dass der SV Ramerberg die Gemeinde spalte“. Durch diese Aussagen seien Amtsträger des Vereins ins Visier der Ermittlungen geraten. Der SV Ramerberg habe weder Satireschriften verfasst, noch verteilt oder veröffentlicht, wehrt sich der Vorstand. „Wir empfinden es als Unverschämtheit, mit diesem Thema in Verbindung gebracht zu werden.“
Reithmeier betont auf Anfrage der Wasserburger Zeitung, er habe keine Aussage mit dem Tenor, der SV Ramerberg würde die Gemeinde spalten, bei der Polizei gemacht. Gegen diesen Vorwurf verwehre er sich. Er habe den Ermittlern lediglich berichtet, „was so läuft in der Gemeinde, ganz neutral, ohne jemanden zu beschuldigen. Denn herauszufinden, wer die Schriften verfasst hat, ist Aufgabe der Polizei.“ Für Hinweise, die zur Ermittlung des Unbekannten führen, hat Reithmeier eine Belohnung von 2000 Euro ausgesetzt.
Einen Anruf von der Polizei erhielt auch sein Vorgänger im Amt, Georg Gäch, der bei der Kommunalwahl im März knapp unterlegen war und als Befürworter eines neuen Sportplatzes in Zellerreit gilt. Gäch hat nach eigenen Angaben nach einem Telefonat mit der Kripo auf eigenen Wunsch „eineinhalb Stunden lang beim Staatsschutz gesessen“ und sich zur Sachlage geäußert. Auch er sagt trotz der Tatsache, dass er im Dorf sehr gut vernetzt sei: „Ich weiß nicht, wer hinter den Schmähschriften steckt.“
Nach wie vor
Unruhe im Dorf
Gäch verurteilt die Pamphlete. Trotzdem könne er den Wirbel nicht nachvollziehen. Konkrete Drohungen gegen seinen Nachfolger seien aus den Schreiben nicht heraus zu interpretieren. „Wer austeilt, muss auch einstecken können“, wirft Gäch seinem Nachfolger vor, die schlechte Stimmung im Dorf gefördert zu haben. Reithmeier schießt den Ball zurück. Er sei „sehr enttäuscht“ darüber, dass der SV Ramerberg ihn mit dem Schreiben öffentlich angegriffen habe. „So kriegen wir nie Ruhe im Dorf“, findet der Bürgermeister. Er und der Gemeinderat seien dran an einer Lösung für den Sportplatz. Dieses Bemühen werde untergraben.