Rosenheim/Bad Feilnbach – Moore speichern Wasser, verbessern die Wasserqualität und schützen vor Überschwemmungen. Der Landkreis Rosenheim setzt sich laut Landrat Otto Lederer schon seit über 20 Jahren für den Schutz und die Renaturierung der heimischen Moore ein. Nun sind die Rosenheimer Stammbeckenmoore als „Feuchtgebiet von internationaler Bedeutung“ ausgewiesen worden.
Einer der größten Moorkomplexe Süddeutschlands
Das Gebiet sei Teil eines der größten Moorkomplexe Süddeutschlands und beherberge gefährdete Arten des Sonnentaus und vom Aussterben bedrohte Libellen-, Schmetterlings- und Heuschreckenarten sowie Schwarz-, Braun-, Blau- und Rotkehlchen. Deswegen wird es auch das „Vierkehlchenland“ genannt, teilt das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit mit. Intakte Moore leisten zudem einen wichtigen Beitrag zum Schutz des Klimas.
Mit der Ausweisung im Rahmen der Internationalen Feuchtgebietskonvention (Ramsar-Konvention) verpflichtet sich Deutschland, dieses Feuchtgebiet dauerhaft zu erhalten und zu fördern. Die Unterzeichnung der Ramsar-Konvention jährt sich nun zum 50. Mal. Die Rosenheimer Stammbeckenmoore sind das 35. deutsche Ramsar-Feuchtgebiet.
Landrat Otto Lederer freut sich „außerordentlich“, dass gerade am 50. Jahrestag der Unterzeichnung der Ramsar-Konvention die Stammbeckenmoore als das 35. deutsche Ramsar-Gebiet in die Riege der international bedeutsamen Feuchtgebiete aufgenommen wurden. „Mit dem Chiemsee gibt es nun in der Region zwei Ramsar-Gebiete.“
Bundesumweltministerin Svenja Schulze sieht Moorschutz als zentralen Baustein für Klimaschutz und den Erhalt der Artenvielfalt an: „Die Rosenheimer Stammbeckenmoore sind ein weiteres gutes Beispiel, wie Moore in ihren natürlichen Zustand gebracht und damit als wichtige Lebensräume für seltene Arten wiedergewonnen werden können. Diese Moore gehören damit nun zur Riege der international bedeutsamen Feuchtgebiete – neben der französischen Camargue, dem einzigartigen Donaudelta in Rumänien und vielen mehr. Dadurch wird die Bedeutung dieses Alpenvorlandmoores gestärkt. Die langjährigen Bemühungen vieler Akteure vor Ort, die Ökosystemleistungen dieses Moores zu verbessern, haben sich ausgezahlt.“
Auch Anton Wallner, Bürgermeister von Bad Feilnbach, und Olaf Kalsperger, Rathauschef von Raubling, sind stolz auf die Auszeichnung der Stammbeckenmoore: Durch die erfolgreiche Umsetzung der Renaturierung der Moore leiste man einen „wichtigen Beitrag“ zum Klimaschutz, findet Wallner. Der Erhalt der Moore sei für Bad Feilnbach eine große Errungenschaft: „Man merkt auch an den vielen Besuchern bei den Sterntaler Filzen, dass unsere Moore sehr geschätzt werden.“
Sie bieten vielen Pflanzen und Tieren wichtigen Lebensraum, sagt Kalsperger: „Das zeigt nur, dass wir bisher auf dem richtigen Weg waren mit der Renaturierung der Nicklheimer Filzen. Durch diese Auszeichnung wird diese Erfolgsgeschichte nochmals untermauert.“
Insbesondere vor dem Hintergrund der Klimaerwärmung habe die Wiederherstellung von Mooren in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen, sagt Professor Dr.Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz: „Mehr als 90 Prozent der Moorböden in Deutschland sind heute entwässert und werden land- oder forstwirtschaftlich genutzt.
Lebendige, naturnahe Hochmoore sind in Deutschland auf circa ein Prozent ihrer ursprünglichen Ausdehnung zurückgedrängt worden. Umso erfreulicher ist es, dass es in Bayern gelungen ist, großflächig Hochmoorflächen der Rosenheimer Stammbeckenmoore wieder zu vernässen und das Gebiet zu renaturieren.“
Peter Kasperczyk, Vorsitzender der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe Rosenheim, berichtet auf Nachfrage, dass der Bund Naturschutz in den 90er-Jahren mit Unterstützung gegen den Frästorf-Abbau protestiert habe: „Ein geschütztes Moor leistet einen intensiven Beitrag zum Klimaschutz, denn ein Hektar Moor speichert etwa sechsmal so viel CO2 wie ein Hektar Wald.“ Umso mehr freut es den Vorsitzenden, dass die Stammbeckenmoore nun internationalen Stellenwert erreicht haben.
Gemeinden Raubling und Bad Feilnbach waren eingebunden
Noch bis 2005 sei in den Rosenheimer Stammbeckenmooren großflächig Torf für Blumenerde abgebaut worden, teilt das Bundesumweltministerium mit. Seitdem werde nur auf kleinen Flächen, in Übereinstimmung mit den Naturschutzzielen, Torf für Heilzwecke abgebaut.
Außerdem habe es Projekte gegeben, zum Teil auf europäischer Ebene, mit dem Ziel, die Hochmoorflächen zu renaturieren. An der Ausweisung seien die Gemeinden von Anfang an beteiligt gewesen. Während die bayerischen Behörden und das Bundesamt für Naturschutz fachliche Unterstützung leisteten, habe das Bundesumweltministerium den Ausweisungsprozess gefördert.