Digitaler Wohlstand

von Redaktion

Das Internat Schloss Neubeuern blickt auf ein Jahr Distanzunterricht zurück

Rosenheim Überlastete Server, Verbindungsabbrüche und überforderte Lehrkräfte. Für den Distanzunterricht auf Schloss Neubeuern sind das offenbar Fremdwörter. Das staatliche, international ausgerichtete Gymnasium ist führend im Bereich der digitalen Infrastruktur und konnte deshalb bereits seit Beginn der Corona-Krise in den Distanzunterricht wechseln. Beim mittlerweile zum neunten Mal veranstalteten „Kongress Digitale Didaktik“ will sich die internationale Schule nun mit anderen austauschen und ihre Erfahrungen weitergeben.

Alle Fächer konnten
unterrichtet werden

„Wir konnten von Anfang an nach unserem Schulplan unterrichten“, freut sich der Schulleiter Carlo Ribeca und blickt mit Stolz auf das vergangene Jahr im Schloss Neubeuern zurück. Als Partnerschule eines großen IT-Unternehmens konnte man die Kommunikation mit den rund 140 Schülern des noblen Internats problemlos aufrechterhalten und einen reibungslosen Ablauf garantieren. Mit einer Mischung aus Arbeitsaufträgen und Online-Sitzungen blieb der Schulalltag auch ohne Präsenz erhalten, egal ob in Mathematik, Kunst oder sogar Sport.

Eine besondere Herausforderung war es, im ersten Lockdown die internationalen Schüler zu unterrichten, die nach China oder die USA zurückreisten (wir berichteten). Dank eines guten Hygienekonzepts war es allerdings im Sommer möglich, die Jugendlichen wieder ins Internat zurückzuholen. Auch jetzt sind die Schüler noch auf dem Schlossgelände und werden von den Lehrkräften aus sicherer Entfernung betreut. Der Unterricht findet von den eigenen Zimmern aus statt und auch die mündlichen Prüfungen laufen über den Computer. Einzig die schriftlichen Leistungsnachweise sind aufgrund staatlicher Vorgaben weiterhin ausgesetzt, auch wenn es die technischen Mittel zweifelsohne zulassen würden. Jeder der Schüler hat auf Leihbasis einen Laptop und könnte sich damit zu den Prüfungen einwählen. Eine Herausforderung wäre es aber laut Ribeca, die Schüler dabei vom „Spicken“ abzuhalten, wenn nicht vor Ort kontrolliert werde.

Im Zeichen der besonderen Herausforderungen steht auch der Kongress Digitale Didaktik, der diese Woche stattfinden wird und bei der neunten Ausgabe wie der Unterricht in eine Online-Ausgabe umgewandelt wurde. „Wir wollen unser etabliertes Event dieses Jahr von der Pandemie unabhängig absichern“, betont Susanne Schörghuber. Sie ist Lehrerin im Schloss und musste als Mitglied der Schulleitung das traditionelle Projekt von Grund auf umstrukturieren. Zwar könne man die Vorträge digital gut organisieren. Die einzelnen Aktionsstände und der Event-Charakter gingen bei dieser Variante allerdings verloren. Mithilfe einer virtuellen „Mittags-Launch“, bei der sich alle Teilnehmer gemeinsam einwählen können, soll die Vernetzung untereinander zumindest ein wenig ersetzt werden.

„Das Interesse an unserem Konzept und dem Kongress ist riesig“, stellt Schulleiter Ribeca fest. Das merke man bereits an der Zahl der Anmeldungen. Während das Teilnehmerlimit aus Platzgründen auf dem Schloss normalerweise auf 200 Leute beschränkt ist, haben sich für die Online-Version bereits knapp 300 Interessenten angemeldet. „Darunter sind auch viele Lehrer von anderen Schulen, die sich natürlich für die Umsetzung von unserem Distanzunterricht interessieren“, meint Schörghuber. Ein großes Problem, das viele staatlichen Lehrer haben, ist ihrer Meinung nach ein fehlendes einheitliches System. Die viel diskutierte Schulplattform „mebis“ sei eben ursprünglich nicht für eine Ausnahmesituation geschaffen worden, weshalb es ständig zu Serverproblemen kommt.

Unterstützung
für andere Schulen

Susanne Schörghuber ist daher froh, mit einem so reibungslosen System arbeiten zu können und will nun auch anderen dabei helfen, die Situation zu verbessern. Im Internat ist man sich sicher, dass man nur gemeinsam durch die schwierige Situation kommt und daher in Zukunft auf eine gute digitale Infrastruktur bauen sollte. Dass der Distanzunterricht eine Schulform ist, mit der man jederzeit rechnen muss, hat das letzte Jahr jedenfalls eindeutig gezeigt, sind sich Schörghuber und Ribeca einig.

Artikel 1 von 11