Redner erhält Platzverweis

von Redaktion

Friedliche Kundgebung gegen Corona-Maßnahmen – 600 Teilnehmer

Rosenheim – Knapp 600 Teilnehmer haben am Samstag im Mangfallpark Süd gegen die „überzogenen Maßnahmen der Staatsregierung“ im Hinblick auf die Corona-Pandemie demonstriert. Während sich ein Großteil der Besucher an Maskenpflicht und Abstandsregeln hielt, durfte Ex-Polizist Karl Hilz – der als Redner eingeladen war – das Gelände gar nicht erst betreten.

Netzwerk-Aktion
zum Kennenlernen

Der Widerstand gegen die Corona-Einschränkungen treibt viele Menschen auf die Straße. Auch in Rosenheim. Mit selbst gebastelten Schildern, Kostümen und Thermosflaschen haben sich am Wochenende Hunderte von Menschen zur ersten Demonstration im neuen Jahr versammelt. Und das trotz eisiger Temperaturen. „Wir wollen, dass die Leute wissen, dass wir weiterhin da sind“, sagt Organisatorin Cornelia Strobl. Sie selbst sei bereits im Mai 2020 mit Schildern unterwegs gewesen und habe sich dafür eingesetzt, „ihre Freiheit zurückzuhaben“. Seitdem hat sie nicht nur an zahlreichen Kundgebungen teilgenommen, sondern einen Großteil davon auch selbst organisiert. Während sie einen Teil ihrer Geschichte erzählt, zeigt sie auf die fünf rot-weißen Regionsschilder, die auf dem gesamten Gelände verteilt sind. „Wir haben eine Netzwerk-Aktion gestartet, bei der die Leute miteinander in Kontakt kommen können“, sagt sie. Die Idee sei, sich an den Schildern zu treffen, Adressen auszutauschen und miteinander in Kontakt zu kommen. So habe man die Möglichkeit, gemeinsam aktiv zu werden, sich auf Spaziergänge zu treffen, Mahnwachen zu organisieren und „aus der Niedergeschlagenheit rauszukommen“. „Gerade in Zeiten, in denen viele Menschen verunsichert und allein sind, ist das unheimlich wichtig“, sagt Strobl.

Nach einem kurzen Hinweis darauf, auf den Mindestabstand zu achten und sich während der Veranstaltung an die Maskenpflicht zu halten, übergibt sie das Wort an Thorsten Schulte.

Schulte selbst stellt sich als Autor vor, als jemand, der im April 2017 noch bei der ARD saß und jetzt als „durchgeknallter Verschwörungstheoretiker“ bezeichnet wird. Er spricht über die Wichtigkeit von Grundrechten, darüber, dass die Fremdbestimmung ein Ende haben muss und die Liebe zum Frieden die Menschen vereine. Dick eingepackt und mit einem Kopfhörer im Ohr erzählt er den Anwesenden davon, dass er Jens Spahn persönlich kenne und kritisiert den Gesundheitsminister für dessen Villa-Kauf, in einer Zeit, „wo viele Existenzängste haben“.

Zehn Minuten später verlässt er die Bühne. Während er Hände schüttelt und für Fotos posiert, kommt es zu einem kleinen Tumult. Denn der nächste Redner – der ehemalige Polizist Karl Hilz (63) – hat von der Rosenheimer Polizei einen Platzverweis erhalten und darf nicht auf die Bühne. „Er hat sich geweigert, seine Maske aufzusetzen und hatte auch kein Attest dabei. Daraufhin haben wir ihm den Zutritt verweigert“, heißt es vonseiten der Rosenheimer Polizei. Die Veranstalter selbst sprechen von einer „vorbereiteten Aktion“. „Das war einfach unverhältnismäßig“, sagt Cornelia Strobl nach der Veranstaltung.

Doch auch ein Platzverweis konnte Karl Hilz nicht davon abhalten, seine Meinung kundzutun. Telefonisch und über Lautsprecher meldet er sich bei den Anwesenden. Er kritisiert die Polizisten für ihr Vorgehen, sagt, dass der verlängerte Lockdown und das Ausgehverbot mehr Leben kosten als alle Krankheiten und ein „Verbrechen an der gesamten Menschheit“ sei.

Als nächster Redner tritt Nino Kornhass auf die Bühne. Der 33-Jährige leitet eine Kampfsport-Schule und hatte sich im Januar einen Namen gemacht, als er, wie berichtet, seine Studios in Kolbermoor und Bruckmühl trotz Corona-Lockdown öffnete. Zu Beginn seiner Rede spricht er über seinen Vater, der das erste Studio vor über 35 Jahren eröffnet hat und ein „Vorreiter des Kampfsports“ war. „In all dieser Zeit hatten wir nie länger als vier Wochen am Stück kein Training“, sagt Kornhass. Im Gegensatz zum vergangenen Jahr. 2020 seien seine Studios ein Drittel des ganzen Jahres geschlossen gewesen. „Viele Kinder konnten nur sehr eingeschränkt ihre Grundbedürfnisse ausleben“, sagt Kornhass.

Nächste Demo
in Wasserburg

Nach knapp zehn Minuten ist auch sein Redebeitrag beendet und ein Großteil der Menschen macht sich auf den Nachhauseweg. „Wir sind zufrieden. Auch mit der Anzahl der Teilnehmer“, sagt Cornelia Strobl. Und auch die Polizei zieht ein positives Fazit. Es sei eine friedliche Kundgebung gewesen, mit lediglich kleineren Verstößen. Insgesamt waren laut Polizei 200 Beamte im Einsatz.

Die nächste Kundgebung ist am Sonntag, 21. Februar, in Wasserburg geplant.

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