Die Gefahr der dritten Welle

von Redaktion

Corona-Lage Sinkende Zahlen – Aber Mutationen wohl auch in der Region

Rosenheim – Sie könnten die befürchtete dritte Welle der Corona-Pandemie auslösen. Die ansteckenderen Varianten des Coronavirus, vor allem die so genannte britische Variante (B.1.1.7) breiten sich weiter aus. Laut Robert-Koch-Institut (RKI) ist mittlerweile jede fünfte Ansteckung auf diese erstmals in England festgestellte Variante zurückzuführen. Tendenz: steigend.

Damit stehen auch die erfreulichen Zahlen, die das Staatliche Gesundheitsamt am gestrigen Freitag in seinem Wochenbericht veröffentlichte, unter einem Vorbehalt. In seinem Bericht hatte Gesundheitsamtsleiter Wolfgang Hierl vom Anhalten eines robusten Abwärtstrends berichtet. Die Stadt lag – Stand Donnerstag – nahe an dem durch die Ministerpräsidentenkonferenz festgelegten Grenzwert einer Sieben-Tage-Inzidenz von 35. Im Landkreis steht die Sieben-Tage-Inzidenz bei 51,7, nachdem sie vergangenes Wochenende bereits auf 42,9 gefallen war.

Was den Verantwortlichen in Rosenheim nach den Worten Hierls „große Sorgen“ bereitet, sind die Mutationen. „Sie können den Verlauf der Pandemie verschlimmern, zu einer schnelleren Verbreitung der Infektionen, zu schwereren Verläufen und zu einer Überlastung der Intensivstationen führen“, sagte Hierl. Unklar sei, ob von einzelnen Varianten auch die Schutzwirkung der Impfung verschlechtert werden könne.

Offiziell weiter
nur ein Fall

Dabei scheint sich die Region Rosenheim in puncto Virus-Mutationen als Insel der Seligen zu halten. Während zum Beispiel im benachbarten Landkreis Altötting zuletzt elf Fälle der britischen Variante gemeldet wurden, vermerkt das Gesundheitsamt Rosenheim weiterhin lediglich einen Fall einer Infektion. Dabei handelt es sich um den bereits im Januar festgestellten Reiserückkehrer, der sich, wie berichtet, mit der südafrikanischen Variante angesteckt hatte.

Des Rätsels Lösung liegt womöglich im Begriff „bestätigte Fälle“. Während das Landratsamt Altötting offenbar positive Ergebnisse nach variantenspezifischen PCR-Tests – dem sogenannten Vor-Screening – meldete, beharrt das Gesundheitsamt in Rosenheim auf der offiziellen Sprachregelung. Und die sieht Fälle mit Varianten erst dann als erwiesen an, wenn sie etwa vom Landesamt für Gesundheit in Erlangen (LGL) per Genom-Sequenzierung bestätigt wurden. Positive Ergebnisse bei variantenspezifischen PCR-Tests gibt es offenbar bereits in der Region. Ein gutes Dutzend Fälle mit der britischen Variante habe man in den vergangenen Tage in seiner Einrichtung festgestellt, sagt etwa Dr. Thomas Schulzki, Laborleiter und Geschäftsführer des Medizinischen Labors Rosenheim. Diese Proben aber wurden bislang noch nicht sequenziert. Allerdings wurde nach den Zahlen des Robert-Koch-Instituts so gut wie jeder positive variantenspezifische Test auch im Genom-Scan bestätigt.

Schulzki weiß auch von „Rosenheimer Variationen“ zu berichten. Man habe einige Mutationen bei Proben aus der Region festgestellt, „die gehörten nicht zu den geläufigen“. Es sei typisch für ein Virus, dass er mutiere. Entscheidend sei, ob er dadurch aggressiver oder übertragbarer werde. Das scheint bei den Rosenheim-Viren nicht der Fall zu sein: Es seien keine unüblichen oder schlimmeren Verläufe aufgetreten, so Schulzki.

Weitere Fortschritte sind beim Impfen zu verzeichnen. Bislang meldet man im Impfzentrum an der Loretowiese 18700 Impfungen, davon sind 6848 Zweitimpfungen. Mit seinen Impfquoten von 3,7 Prozent Erstgeimpften unter den Einwohnern von Stadt und Landkreis bewegt sich die Region im deutschen Durchschnitt, ebenso mit einen 2,1 Prozent Zweitgeimpften. Was die Erstimpfungen betrifft, liegt die Region allerdings deutlich hinter der Bayern-Quote von 4,0 Prozent. Was vor allem am Nachschub liegt. Hierl stellte aber eine Intensivierung der Impfkampagne in Aussicht: „Erfreulicherweise sind nun auch größere Mengen an Impfstoff angekündigt.“

Hierl appelliert an die Bürger der Region, weiterhin jede Impfmöglichkeit zu nutzen. Die teilweise in der Öffentlichkeit geäußerten Vorbehalte gegen eine Impfung mit der Vakzine der Firma Astrazeneca sehe er als „sehr bedenklich“ an. Der Impfstoff sei im Zulassungsverfahren als sicher und wirkungsvoll getestet worden. Reaktionen nach der Impfung entsprechen nach Aussagen des Paul-Ehrlich-Instituts den Erwartungen, wie zum Beispiel Kopf- und Gliederschmerzen, Schwindel und Fieber. Vorbehalte gegen Impfstoffe könne er nicht nachvollziehen, sagt Hierl. „Die Vorteile der Impfung überwiegen nach Studienlage bei weitem mögliche Nebenwirkungen.“

Statistik belegt leichte Entspannung

Sinkende Fallzahlen, ein an oder mit Covid-19 verstorbener Mensch: Die Zahlen des Gesundheitsamts Rosenheim der vergangenen Woche belegen eine gewisse Entspannung. Täglich wurden zwischen drei und 37 neue Fälle gemeldet. Seit dem Wochenbericht vom 12. Februar wurden dem Gesundheitsamt 158 neue Fälle (12. Februar: 162) für Stadt und Landkreis Rosenheim gemeldet. Bisher sind 13212 Fälle von Covid-19 in Stadt und Landkreis aufgetreten (Landkreis: 10390, Stadt: 2822). Mittlerweile wurde bei mindestens 12165 Personen eine Genesung dokumentiert. 472 Personen sind mit oder an Corona verstorben. (Landkreis: 420, Stadt: 52). 99 (am 12. Februar: 124) Covid-19-Patienten werden in Stadt und Landkreis Rosenheim stationär behandelt. Hiervon befinden sich 15 Patienten (Vorwoche: 17) auf einer Intensivstation.

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