Rosenheim – Auf Distanz, vor dem Bildschirm, in Präsenz oder im Wechsel: Der Unterricht an den Schulen im Landkreis Rosenheim muss sich immer wieder neu an den geltenden Corona-Maßnahmen orientieren. Für Sabine Stelzer, Lehrerin an der Grundschule Oberaudorf, bedeutet das viel zusätzliche Arbeit. Während sie sich jetzt auf den kommenden Wechselunterricht vorbereitet, sorgt die Halbierung von Klassen an anderen Schulen der Region weiterhin für Probleme. Mit einer flexiblen Umsetzung der Faschingsferienzeit, in der heuer eben keine Ferien sind (siehe Kasten), wird daher versucht, sowohl Lehrer als auch Schüler zu entlasten.
Grundschüler
kommen zurück
„Es ist eine tierische Freude, die Kinder nächste Woche endlich wieder im echten Leben begrüßen zu dürfen“, sagt Stelzer und blickt auf die außergewöhnliche Zeit während des Distanzunterrichts zurück. Die Klassenleiterin der 4a hat, zusammen mit ihrer Kollegin Uschi Staudt, viel investiert, um das vorgegebene Homeschooling bestmöglich umzusetzen.
Mit Hunderten von Sprachnachrichten, Einzelgesprächen und Arbeitsaufträgen entwickelte sie ein Konzept, bei dem der Lernstoff möglichst flexibel an die Kinder übermittelt wurde, ohne die spielerischen Aspekte aus den Augen zu verlieren. „Wir haben es sogar geschafft, regelmäßig mit unseren Kindern zu singen und zu tanzen“, berichtet die Oberaudorferin stolz.
In guter Zusammenarbeit mit der Leitung der Grundschule Oberaudorf sei man so der Herausforderung entgegengetreten, die auch an den anderen Schulen in der Region immer wieder zu Schwierigkeiten führe: die Schaffung einer digitalen Infrastruktur. Das WLAN auf dem Schulgelände war laut Stelzer häufig so instabil, dass an dauerhafte Videokonferenzen kaum zu denken war. Und auch die Textnachrichten konnten nur zu bestimmten Zeiten an die Schüler versendet werden. Eine hohe Belastung für Lehrer, Schüler und Eltern war damit unvermeidlich.
Die technische Umsetzung ist auch am Gymnasium Bruckmühl nach wie vor ein Problem. Der Schulleiter und Vorsitzende der Direktorenvereinigung der bayerischen Gymnasien, Walter Baier, wirbt seit Beginn des Wechselunterrichts dafür, das Prinzip nicht weiter auszuweiten, da es das mittlerweile eingespielte System mehr belastet als unterstützt. Er begrüßt daher die Möglichkeit, ab der kommenden Woche die zwölften Klassen wieder in voller Stärke vor Ort unterrichten zu können, auch wenn nur 15 Schüler gleichzeitig in einem Klassenzimmer zugelassen sind. Gleichzeitig glaubt er allerdings nicht daran, die anderen Jahrgangsstufen noch vor Ostern wiederzusehen.
Wie es genau für die Grund- und Mittelschulen weitergeht, kann auch der der Rosenheimer Schulamtsdirektor Edgar Müller noch nicht sagen, da sich die aktuellen Vorgaben jede Woche ändern. Er geht jedoch davon aus, dass zumindest in der laufenden Woche der bisherige Distanzunterricht fortgeführt wird, zumal er nichts Gegenteiliges von den Schulen gehört habe.
Eltern klagen über
hohe Belastung
Aufseiten der Eltern wünscht man sich eine möglichst schnelle Lösung, die dafür sorgt, dass ihre Kinder wieder zur Schule gehen können, wie Martin Löwe, der Landesvorsitzende des Bayerischen Elternverbandes, verdeutlicht: „Die Rolle des Ersatzlehrers führt teilweise schon zur Verzweiflung bei den Eltern.“ Je älter die Kinder sind, desto reibungsloser liefe es zwar. Doch mit normalem Unterricht sei dies eben einfach nicht zu vergleichen.
Aus diesem Grund ist auch Stelzer froh, dass die Grundschüler wenigstens wechselweise wieder in die Schule kommen. Auch wenn das weitere logistische Planungen mit sich bringt. „Mit hoher Disziplin können wir das schon schaffen“, ist sie sich sicher. „Rumjammern hilft in jedem Fall auch nichts.“