Streit um die Reihenfolge

von Redaktion

Haben sich Bergwacht-Mitglieder bei Corona-Impfung vorgedrängelt?

Rosenheim – Viele wollen sich impfen lassen, für längst nicht alle ist Impfstoff vorhanden. Der Stoff gegen Corona schafft Begehrlichkeiten. Und der Mangel sät Zwist. Hat sich etwa die Rosenheimer Bergwacht vorgedrängelt? Einige nichtaktive Mitglieder auf jeden Fall, sagt der Rosenheimer Arzt Dr. Josef Stein. Ungerechtfertigte Vorwürfe, sagen Bergwacht-Bezirkschef Florian Lotter und die Stadt Rosenheim übereinstimmend.

Josef Stein ist ein streitbarer Mediziner. Ein Arzt, der auch schon mal die Corona-Politik von Bund und Freistaat mit deutlichen Worten kritisiert. Ihn bringen die Verzögerungen beim Impfen in Rage. Sein Kritikpunkt: Am Impfzentrum werden „Gefälligkeitsimpfungen“ verabreicht, während höchst verwundbare Patienten auf ihren Impfschutz warten müssen.

69 Jahre alt und
noch aktiv?

Konkret geht es um Mitglieder der Rosenheimer Bergwacht. Da seien einige außerhalb der Reihe geimpft worden, und zwar nicht aktive Mitglieder, wie Josef Stein meint. Dem Impfpass habe er sogar entnehmen können, dass ein 69-jähriger Bergwachtler die erste Impfung bereits zuvor erhalten habe und nun also zur finalen zweiten Impfung anstand.

Der Rosenheimer Bergwachtchef Josef Hunter zeigt sich gegenüber den OVB-Heimatzeitungen von den Vorwürfen überrascht. „Ich habe eine Liste der Leute, die gemeldet haben. Und da sind über 60-Jährige darunter, aber die machen Dienst.“ Bergwacht-Bezirksleiter Florian Lotter bestätigt: „Bei der Bergwacht haben wir keine Altersgrenze.“ Mit den Männern, die Termine beim Impfzentrum gehabt haben, habe alles seine Ordnung. „Dafür verbürge ich mich mit meinem Namen“, sagte Lotter auf Anfragen der OVB-Heimatzeitungen. Auch Wasserwacht-Helfer nahmen offenbar die Überholspur in Anspruch. Von der Leitung des Impfzentrums sei eine Liste von sogenannten „Einspringern“ gefordert worden, „Bei diesen „Einspringern“ handelt es sich ebenfalls nur um berechtigte Mitarbeiter und Mitglieder“, sagt Matthias Baumann vom Kreisverband Rosenheim des Roten Kreuzes.

Ob der Augsburger Bischof, Landräte und Bürgermeister oder Polizeibeamte: Impfungen von Menschen, die nicht zur Gruppe der obersten Priorität gehören, schlagen aktuell allenthalben Wellen. Dabei handelt es sich bei diesen „Joker“- oder „Adhoc“-Impfungen genau genommen um eine Notlösung. Immer wieder kommt es vor, dass Menschen zwar einen Termin zugeteilt bekommen, ihn aber nicht wahrnehmen.

Die Stadt Rosenheim spricht vom Versuch des „Skandalisierens“ und beschreibt die Praxis des Einspringens wie folgt: Bei einem Ausfall oder Absage einer geplanten Impfung greift die Nachrückerliste. Darauf seien gemäß der aktuellen Corona-Impfverordnung Menschen vermerkt, die Schutzimpfungen mit höchster Priorität erhalten dürfen. „Aufgrund dieses Vorgehens sind im gemeinsamen Impfzentrum von Stadt und Landkreis Rosenheim noch keine Impfdosen verloren gegangen“, betont Sprecher Christian Schwalm. Es gelte, angesichts der Knappheit der Impfstoffe jede einzelne verfügbare Impfdosis zu nutzen und zu verhindern, dass durch unnötige Vernichtung von Impfstoffen weitere wertvolle Zeit bei der Durchimpfung verloren geht.

Knappheit des Impfstoffs, Vermeidung von Verschwendung: Das liegt auch ganz im Sinne von Mediziner Stein. Er spricht von absolutem Impfstoffmangel, fürchtet, dass die rettende Spritze für manche seiner Tumorpatienten zu spät kommen könnte. Dabei könnten die sich jetzt schützen lassen. Alle bislang nicht priorisierten Patienten mit einer onkologischen oder hämatologischer Erkrankung können sich dazu in die sogenannte Gruppe 2 setzen lassen. Aufgrund der neuen Impfverordnung vom 8. Februar könnten sie damit einen früheren Termin als bislang erwartet erhalten.

Allerdings: Wer bereits registriert sei, womöglich mit fehlerhaft ausgefülltem Online-Formular, dem könne es passieren, dass er das entsprechende Formular erst beim ihm zugewiesenen Termin nachreichen könne, sagt Stein, womöglich also viel später, als es nach der neuen Impfverordnung für sie möglich gewesen wäre. „Insgesamt viel zu umständlich“, sagt Josef Stein, der bei der Impfstrategie ohnehin gerne die Hausärzte im Boot hätte.

Dem gegenüber gibt Christian Schwalm als Sprecher der Stadt Rosenheim auf Nachfragen Entwarnung. Wer bei seiner Registrierung seine Vorerkrankungen angegeben habe, werde quasi automatisch schneller zum Impfen eingeteilt. Das besagte Formular sei dann nur als Bestätigung mitzubringen.

Impfzentrum bekommt Zweigstelle

Der Landkreis Traunstein erweitert sein Impfangebot um eine Zweigstelle in Traunstein an der Jahnstraße. Zunächst wird dort ab 1. März in einem zweiwöchigen Probebetrieb Pflegepersonal aus der ersten Priorisierungsgruppe geimpft. Ab 15.März beginnt dann der reguläre Impfbetrieb für Bürger, die einen Termin vereinbart haben. Der Standort in Traunstein steht für Impfungen von Landkreisbürgern aus Traunstein, Surberg, Vachendorf, Siegsdorf, Bergen, Ruhpolding, Inzell, Reit im Winkl, Unterwössen und Schleching zur Verfügung, wie das Landratsamt Traunstein mitteilte.

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