Rosenheim – Als „Impf-Pionier“ wird er innerhalb der Familie betitelt. Er ist schließlich der Erste von der ganzen Verwandtschaft. Josef Mischi (84) aus Prien und zugleich mein Vater hat seine erste Corona-Impfung erhalten. Nebenwirkungen nach den ersten vier Tagen: 0 – „nur a bissl habe ich den Injektions-Arm am ersten Abend gespürt“, beschreibt er.
Seit der Impfung geht es dafür bei uns am Telefon rund. Freunde und Bekannte wollen wissen, wie es war, wie der Ablauf ist und wie es „dem Sepp“ geht. Die Neugierde auf das Abenteuer „Corona-Impfung“ ist groß. Die OVB-Heimatzeitungen haben Josef Mischi bei seiner Impfung begleitet und einen exklusiven Einblick erhalten.
Von Parkplatz
bis Fiebermessen
Keiner muss unnötig lange vorher da sein und eine nervenraubende Parkplatzsuche befürchten. Für „Impflinge“ gibt ein abgesperrtes Parkplatz-Areal (im linken Bereich vor dem Zentrum). Ein Ordner überprüft die Parkberechtigung. Von dort geht es zur Stirnseite der Inntalhalle. Dort stehen – unser Termin ist um 11.15 Uhr – die Ersten bereits Schlange. Circa sieben weitere Personen und ihre Begleitungen warten in jeweils eineinhalb Meter Abstand zueinander auf Einlass. Dieser erfolgt je Impf-Kandidat separat, und man rückt quasi im Minutentakt vor. Als sich die Tür für Josef Mischi öffnet, schallt ihm gleich ein „Herzliches Grüß Gott“ vom Ordner entgegen.
Lebkuchenherzen
sorgen für Wiesnflair
Zunächst steht „Hände desinfizieren“ im Vorraum an. Fünf bis sechs Schritte weiter muss sich jeder im Türrahmen zur Halle auf die Bodenmarkierung, ein silbernes Kreuz, stellen: Es wird via Kamera Fieber gemessen. Ab 38 Grad wird man wieder nach Hause geschickt. Ist alles in Ordnung, weist einem der nächste Mitarbeiter im Zentrum den Weg zur Anmeldestraße. Sechs Stück gibt es davon, abgeteilt durch Sperrgitter. Der Besucherstrom wird so das erste Mal kanalisiert. Der Blick schweift durch den Raum: „Schau, da hängen an den Lüstern noch die Lebkuchenherzen vom Herbstfest“, meint mein Vater.
750 Personen werden aktuell pro Tag im Rosenheimer Impfzentrum geimpft. Dafür sind 30 Leute an sieben Tagen die Woche jeweils von 8 bis 16 Uhr im Einsatz. Das ist eine logistische Herausforderung. „Anmeldung 5“, die grüne Markierung, ist für meinen Vater der richtige Weg. Dort nimmt ihn hinter einer Plexiglasscheibe samt Durchreiche Lorenz Hamberger von den Maltesern in Empfang. Impftermin, Personalien (Ausweis oder Pass sind mitzubringen), Vorerkrankungen et cetera werden noch einmal abgeklärt. Zwei Blätter später – Impfbogen und dazugehörige Dokumentation – geht es auch schon weiter. Der nächste Helfer weist einem den Weg durch die in der Inntalhalle mit Holzkonstruktion errichtete Stationenstraße.
Es geht zur Aufklärung. Immer neun Personen sitzen dort rechts und links mit entsprechendem Abstand. Jeder Sitzplatz ist mit einem Lautsprecher ausgestattet, vorne ist ein großer Fernsehmonitor. Wenn ein Raum voll ist, startet der Aufklärungsfilm. Ansonsten wird gewartet, bis der neunte Stuhl besetzt ist. „Das dauert aber nicht lange“, so Mischi. „Fünf Minuten oder so.“
Auswählen kann man seinen Impfstoff nicht. Die entsprechenden Dosen werden 24 Stunden am Tag bewacht und für die Verarbeitung fristgerecht vorbereitet.
Es menschelt
in der Inntalhalle
An diesem Tag wird der Impfstoff Biontech verwendet. Entsprechend dafür erfolgen die Informationen über die Wirkungsweise, die Entstehung mit mRNA, potenzielle Nebenwirkungen, Wirksamkeit et cetera. Ist der Film zu Ende, wird der Impf-Kandidat abgeholt und zur Impfstation gebracht. In diesem Raum sind drei Personen. Die erste Helferin nimmt die Papiere und Aufklärungsschreiben entgegen. Der Arzt, bei uns Dr. Steffen Hennen, führt noch einmal ein Aufklärungsgespräch durch, fragt Medikamente und allergische Reaktionen ab. Derweil richtet Cäzilia Rott als medizinische Fachangestellte bereits alles her und desinfiziert den Arm von Josef Mischi. Der 84-Jährige hat sich für den linken Arm entschieden. Auch das wird vermerkt. Und sitzen will er, wenn der Piks kommt.
„Wir impfen im Stehen, im Sitzen und sogar im Liegen wäre es möglich“, betont Ernst Schütz, Leiter der Malteser Rettungswache Rosenheim, und aktuell Medizinischer Leiter für das Impfzentrum Rosenheim. Denn eines haben er und seine Einsatzkräfte bereits festgestellt. Es ist nicht die Furcht vor der Corona-Impfung, sondern oftmals die Angst vor der Spritze, die den Blutdruck in die Höhe treibt. „Sie spritzen aber gut“, bescheinigt Josef Mischi Cäzilia Rott. Und überhaupt: Es menschelt sehr in der Inntalhalle. „Alle sind freundlich und gut gelaunt. Man fühlt sich aufgehoben“, betont Mischi.
Akt an sich nur
ein kurzer Moment
Und nach all dem Vorlauf ist die Impfung binnen weniger Augenblicke vorbei. Dann heißt es noch zehn bis 15 Minuten im nächsten Raum sitzen und warten. Dies geschieht vorsorglich. Schocks oder allergische Reaktion könnten so im Notfall sofort behandelt werden. Sechs Ärzte sind in der Halle vor Ort.
Dann heißt es für meinen Vater Jacke an, Kappe auf, und es geht Richtung Ausgang. Jetzt ist es 12.17 Uhr. Eine Stunde Zeit wird pro Impftermin angesetzt. Nahezu eine Punktlandung. Am 13. März steht die zweite Dosis an.