Bernau – Einen würdigen und fürsorglichen Raum zum Sterben und Abschiednehmen bietet das Chiemseeshospiz Bernau für unheilbare Menschen und ihre Angehörigen. Seit Anfang November ist das Haus in Betrieb, Vorstand Stefan Scheck und Pflegedienstleiterin Ruth Wiedemann sind nach den Erfahrungen der ersten Monate zufrieden, obwohl Corona auch hier manche Erschwernisse bringt.
Kommunen und
Spenden finanzieren das Chiemseehospiz
„Die Bauphase ist noch nicht ganz abgeschlossen“, erklärten Wiedemann und Scheck im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung. An der Außenfassade und innerhalb des Hauses seien noch kleinere Nachtragsarbeiten und Umbauten im Gange, letztere hätten sich im Arbeitsalltag ergeben. Ende März, so hofft Scheck, sollte aber alles fertig sein. Von den 16 Planstellen sind seit November zehn besetzt, Ende März sollten es 13 sein, erklärt Wiedemann.
Das Chiemseehospiz befindet sich damit im Vollbetrieb, das Angebot wird angenommen, die Bettenkapazität mit zehn Zimmern und zwei Gästezimmern reiche bislang aus. „Wir haben Stoßzeiten mit vielen Anfragen, es gibt aber auch Lücken“, erklärt Wiedemann. „Einige Anfragen werden sicherheitshalber gestellt.“
Die Menschen, die da sind, leiden ihrer Aussage nach oft unter einer „hohen Symptomlast“ und Schmerzen, seien unruhig oder verwirrt. „In enger Abstimmung mit dem Hausarzt und der Spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV) kümmern wir uns um lindernde Maßnahmen.“ Der tägliche Betrieb laufe gut, die Rückmeldungen bestätigen das Konzept. „Man darf sich dem Thema nicht versperren, Sterben gehört zum Leben dazu“, so Wiedemann zu der Tatsache, dass die Mitarbeiter täglich mit dem Leid und dem Lebensende von Menschen konfrontiert sind. Scheck ergänzt: „Für die Arbeit braucht man Talent im Umgang mit schwerkranken Menschen.“
Die Atmosphäre des Hauses sei geprägt von Trauer, aber auch von Freude. „Beides liegt eng beieinander, das ist wichtig“, sagt Scheck. „Man bekommt von den Menschen viel zurück, gerade am Lebensende.“ Das Haus selbst wirke familiär, sei warm und lichtdurchflutet gestaltet mit viel Holz. „Die Mitarbeiter, die sich bei uns beworben haben, setzen sich mit dem Thema auseinander und haben zum Teil vorher entsprechende Fortbildungen gemacht“, so Wiedemann. „Wichtig sind der natürliche Umgang mit den Menschen und Herzenswärme.“ Scheck dazu: „Menschen, die zu uns kommen wissen, dass das ihre letzte Reise ist und wir wissen das auch. Manchmal ist das beschwerlich, aber das verschafft auch Klarheit.“ Die coronabedingten Hygienemaßnahmen führten zwangsläufig zu einer gewissen Distanz im Kollegenkreis. Der Umgang mit den Patienten ist durch Masken erschwert, weil geschwächte Menschen oft schlecht hörten. Und sie sähen die Mimik in den Gesichtern der Pflegekräfte nicht. Corona-Infizierte müssten isoliert untergebracht werden, eine Aufnahme ins Chiemseehospiz sei trotzdem grundsätzlich möglich.
Etwa 100 ehrenamtliche Hospizhelfer aus allen drei Landkreisen stünden für die Begleitung Sterbender zur Verfügung. Die Bedürfnisse der Patienten und ihrer Angehöriger sind laut Wiedemann: „Sicherheit, Versorgung und Menschen um sich.“
Schwierigere
Wahrnehmung
durch die Masken
Schwerkranke Menschen hätten oft das Bedürfnis, darüber zu sprechen, was sie bewegt, sie dürften weinen und ihren Gefühlen freien Lauf lassen. „Ein großer Anteil unserer professionellen Arbeit ist es, die Angehörigen mitzunehmen auf diesem Weg“, erklärt Scheck. „Der Druck auf die Familien ist daheim oft sehr groß.“
Wenn sich herausstellt, dass die Zeit zum Sterben doch noch nicht gekommen ist, wird fast jeder dritte Patient wieder in die Obhut der Angehörigen oder eines professionellen Pflegeheims übergeben. Der weitaus größere Teil aber bleibt und muss hier seinen letzten Weg nicht alleine gehen.