Traunstein/Bergen/Oberösterreich – Im Prozess gegen einen 61-jährigen gebürtigen Traunsteiner wegen Mords an einer 59-Jährigen in Bergen wird das Schwurgericht Traunstein mit Vorsitzendem Richter Erich Fuchs insgesamt fast 20 Zeugen anhören. Allein gestern kamen beim Prozessauftakt sechs Polizeibeamte zu Wort, darunter der 50-jährige Sachbearbeiter der Kripo Traunstein. Er berichtete über die aufwendigen und langwierigen Ermittlungen über die Grenze zu Österreich hinweg unter Zusammenarbeit der unterschiedlichsten Dienststellen. So schilderte er das Auffinden der Leichenteile, nachdem der 61-Jährige das Versteck preisgegeben hatte. Jedes Teil des Körpers sei sorgsam abgetrennt und separat verpackt gewesen.
Zahlreiche
Sachverständige werden gehört
Staatsanwalt Markus Andrä und Staatsanwältin Karin Hahn vertreten die Anklage. Zahlreiche Sachverständige werden zu den verschiedensten Themen über ihre Erkenntnisse berichten, darunter ein Psychiater, ein Professor für Rechtsmedizin, ein Biomechaniker und eine Biologin mit Schwerpunkt DNA-Spuren. Als Verteidiger wirkt Harald Baumgärtl aus Rosenheim. Die weiteren Verhandlungstermine des Schwurgerichts finden am 15., 22., 23., 25. und 26. März, jeweils um 9 Uhr, im großen Schwurgerichtssaal statt.
Ein verpfuschtes Leben schilderte ein 61-jähriger gebürtiger Traunsteiner vor dem Schwurgericht Traunstein, der am 9. Januar 2020 eine 59-jährige Bekannte in deren Wohnung in Bergen ermordet und ihre Leiche zerstückelt haben soll. Insgesamt verbrachte der 61-Jährige etwa 20 Jahre hinter Gefängnismauern. Zweimal – 2016 und 2018 –verhängte das Landesgericht Salzburg Freiheitsstrafen wegen Betrugs, Einbruchs und Diebstahls. Von 2014 bis einige Monate vor der Tat in Bergen arbeitete der Angeklagte in Salzburg in einer Tischlerei. Dreimal heiratete er, davon einmal während eines Gefängnisaufenthalts. Mit der dritten Ehefrau zog er 2009 für einen „Neuanfang“ nach Pöndorf in Oberösterreich. Sie verdiente gut, alles funktionierte einige Zeit. Im Mai 2019 trennte sie sich von dem 61-Jährigen und zog aus. Finanzielle und gesundheitliche Probleme durch einen Bandscheibenvorfall standen im Vorfeld der angeklagten Tat.
In mehreren Internet-Portalen suchte der Mann 2019 Frauenbekanntschaften, oberflächliche Kontakte entstanden. Die 59-Jährige war die fünfte Frau, die er so kennenlernte. „Ich wollte nicht allein sein“, begründete der 61-Jährige seine Aktivitäten im Netz. Er habe Partnerschaften und Sex gesucht, aber kein Geld, erwiderte er auf Nachhaken von Vorsitzendem Richter Erich Fuchs.
In einem Portal stieß er auf Manuela K., das spätere Opfer, das Musik aus den 70er-Jahren liebte. Der Angeklagte berichtete, die Frau habe ihn wegen früherer schlechter Erfahrungen mit einem Mann in Graz nicht in Pöndorf besuchen wollen. Zeitgleich hatte er noch Kontakte zu anderen Frauen. Ende Dezember 2019 tauchte er erstmals bei Manuela K. in Bergen auf. Der 61-Jährige wörtlich: „Wir haben uns sehr gut verstanden. Wir hörten viel Musik. Sie war bodenständig und sehr lieb, hat mir beim ersten Mal eine Massage gegen meine Rückenschmerzen gegeben.“ In den nächsten Tagen sei man sich näher gekommen, sei auch spazieren gegangen. Für den 61-Jährigen war klar, dass er nicht zurück nach Deutschland wollte. Eine Entscheidung, ob die 59-Jährige nach Österreich zu ziehen, bereit war, fiel nicht. Seine miese finanzielle Situation wollte der Angeklagte mit Krankengeld und Einbrüchen aufbessern, wie er gestern meinte.
Am Morgen des Tattags hatte das Paar angeblich „heftigen Sex“. Er habe keine Luft mehr bekommen und die Frau von sich „runtergeschoben“. Der 61-Jährige weiter: „Sie fing an zu schreien, was das soll. Sie war so sauer. Ich wusste nicht, was das soll. Später wurde mir klar, dass sie auf die Bettkante gefallen sein musste. Sie hatte mal eine Schädel-Operation. Ich hatte Angst, ihr ist was passiert.“
In absoluter Stille vor – soweit es Corona zuließ – relativ großer Zuschauerkulisse schilderte der 61-Jährige das weitere Geschehen. Die 59-Jährige habe ihn mit der Rückhand ins Gesicht geschlagen, mit der Ferse in den Rücken getreten. Dabei schrie sie: „Hau ab“ und „Lass mich in Ruhe“. Nach dem Tritt habe er selber mit der Faust ins Gesicht der Frau geschlagen: „Ich war auf einmal so zornig. So etwas ist mir nie im Leben passiert.“
Die 59-Jährige habe nach einer goldenen Figur hinter dem Bett gegriffen: „Ich habe ihr die Figur weggenommen und sie dann irgendwann von hinten mit dem Arm gewürgt – 30 Sekunden, 60 Sekunden, ich weiß es nicht. Ich wollte einfach, dass Ruhe ist. Ich habe aufgehört, als ich das Gefühl hatte, dass sich nichts mehr bewegt.“ Heute sei er „traurig, der Frau das Leben genommen zu haben“.
„Ich wollte
einfach nur
Ruhe haben“
Der 61-Jährige bestätigte den weiteren Inhalt der Anklage gestern in allen schrecklichen Einzelheiten und in ganz ruhigen Worten, darunter das Zerstückeln der Leiche. „Was denkt man sich dabei?“ Auf diese Frage von Vorsitzendem Richter Erich Fuchs antwortete der Angeklagte: „Der Gedanke war, nicht entdeckt zu werden, das vertuschen zu können. Ich hatte mich zu der Zeit mit Retalin vollgepumpt. Ich dachte, ich muss das machen, ich muss das machen. Normale Gedanken habe ich ausschalten können.“ Das in der Wohnung von Manuela K. gefundene Geld gab der 61-Jährige sofort mit vollen Händen aus – für einen BMW, für eine Sitzgarnitur für ein neues Handy, Boxen, einen Tuner. Er ließ sein altes Auto reparieren und beglich die Mietschulden.