Inzidenz reißt Marke von 200

von Redaktion

Stadt Rosenheim verschärft die Maßnahmen – Frühlingsmarkt fällt aus

Rosenheim – Drei Wochen lang stiegen die Werte der Sieben-Tage-Inzidenz stetig. Übers Wochenende aber explodierte der auf 100000 Einwohner hochgerechnete Wert in der kreisfreien Stadt Rosenheim: Von 138,5 auf 206,1, so lautete die Schockzahl.

Die Stadt prüft nach Auskunft des Rathauses nun Einschnitte. Ein erstes Opfer ist der für kommenden Sonntag geplante Frühlingsmarkt. Er werde gemäß den Auflagen der Staatsregierung abgesagt. Auch der damit verbundene verkaufsoffene Sonntag könne nicht stattfinden. „Unter den jetzigen Verhältnissen wäre es weder verantwortungsvoll noch rechtlich zulässig, den Frühlingsmarkt mit verkaufsoffenem Sonntag durchzuführen“, sagt Ordnungsamtsleiter Oliver Horner.

Neue Regeln werden
bis morgen verkündet

Zu den Regeln, deren Verschärfung die Stadt diskutiert, gehört auch die Maskenpflicht. Die Fußgängerzone wird voraussichtlich komplett zum Masken-Gebiet, mit Bahnhofs- und Äußerer Münchener Straße zusätzlich zum Max-Josefs-Platz. Geprüft wird auch die Möglichkeit, Demonstrationen einzuschränken. Nach Auskunft von Sprecher und Wirtschaftsdezernent Thomas Bugl droht auch die Schließung von Einrichtungen wie der Stadtbibliothek. Genaueres wird nach Auskunft der Stadt in einer Allgemeinverordnung am heutigen Dienstag oder Mittwoch verkündet, die Regelungen treten dann ab 0 Uhr am folgenden Tag in Kraft.

Hart bleiben die Einschränkungen für Schüler: In Rosenheim selbst gibt es für die meisten weiterhin Distanzunterricht. Lediglich die Schüler der Abschlussklassen genießen Präsenzunterricht. Anders ist die Lage im Landkreis, der in den vergangenen Tagen Inzidenz-Werte um die 80 hatte. Dort gibt es Präsenzunterricht oder, wenn der Eineinhalbmeter-Abstand zwischen den Schülern nicht gewahrt werden kann, Wechselunterricht.

Öffnen oder nicht öffnen, das ist die Frage, die für die Schulen jede Woche aufs Neue gestellt wird. „Entscheidend ist der vom Robert-Koch-Institut am Freitag veröffentlichte Wert“, sagt Rosenheims Schulamtsdirektor Edgar Müller. „Der gibt den Ausschlag für den Unterricht in der kommenden Woche.“

Die Gründe für den jähen Sprung jenseits der Marke von 200 innerhalb der Stadt sind schwer zu fassen. Dr. Wolfgang Hierl, Leiter des Staatlichen Gesundheitsamts Rosenheim, sieht einen Großteil der Neuinfektionen im privaten Umfeld verortet. Demnach haben sich drei von vier neu Infizierten innerhalb von Familie oder im Kontakt mit einem Freund angesteckt. Es gebe lokale Häufungen von Ausbrüchen. Wo sich diese Häufungen befinden, in welchem Bezirk der Stadt, ließ das Amt offen. Auch an Schulen und an Kitas waren in den vergangenen Tagen etliche Ansteckungen festgestellt worden, 25 Fälle allein in den sieben Tagen zwischen 5. und 11. März.

Auch wenn in Rosenheim und an anderen Hotspots die Klassenzimmer überwiegend leer bleiben, wolle man generell so viel Präsenzunterricht wie möglich, heißt es aus dem Bayerischen Kultusministerium. Nach den Zahlen, die das Ministerium auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen nannte, scheint das Infektionsgeschehen an Schulen außerhalb Rosenheims überschaubar zu sein, lediglich 0,08 Prozent der Schüler und 0,11 Prozent der Lehrkräfte fehlten bayernweit derzeit wegen eines positiven Tests im Unterricht. Über den jähen Anstieg der Inzidenz und die damit verbundenen schärferen Auflagen äußert man sich in Rosenheim bestürzt. Man müsse weg von der Fixierung auf die Inzidenzzahl, sagt Wirtschaftsdezernent Thomas Bugl. Er plädiere dafür, angesichts des „zwar unzureichenden, aber immerhin gegebenen Fortschritts des Impfgeschehens“ das Öffnungsmodell zu übernehmen, das der Einzelhandel vorgeschlagen hat. Dieses Modell sieht vor, neben der Inzidenzzahl auch die Auslastung der Kliniken zu beobachten. Nach Bugls Worten ist in Rosenheim mittlerweile fast die Hälfte der Menschen der ersten Priorität durchgeimpft, damit sei absehbar, dass man mehr Möglichkeiten bekomme.

OB März sieht in den unterschiedlichen Regeln für Stadt und Land eine „unsägliche Differenzierung“. Die Verflechtungen in vielen Bereichen seien so stark, dass das Willkürliche dieser Trennung offensichtlich sei. Auch er sieht Freiraum für Öffnungen: „Die Zahl der Covid-19-Patienten auf der Intensivstation unseres Klinikums ist überschaubar.“ Aktuell befinden sich in den Romed-Kliniken 35 Covid-19-Patienten in stationärerer Behandlung, davon drei auf der Intensivstation.

Astrazeneca: Termine abgesagt

Aufgrund einer Empfehlung des Paul-Ehrlich-Instituts setzt das Impfzentrum von Stadt und Landkreis Rosenheim die Impfungen mit Astrazeneca bis auf Weiteres aus. Die Termine für eine Erstimpfung mit diesem Impfstoff am Dienstag, 16. März, sowie am Freitag, 19. März, sind daher abgesagt. Auch werden bis auf Weiteres keine neuen Termine für eine Erst- oder Zweitimpfung mit Astrazeneca vereinbart. Die Termine am 17./ 18. März erfolgen mit einem anderen Impfstoff.

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