Schweige und höre

von Redaktion

Zwischen Himmel und Erde

„Haben Sie mal ein Ohr für mich?“, fragt mich eine unbekannte Anruferin im Pfarrhaus. „Ja, ich habe sogar zwei“, ist meine Antwort. Aber ich verstehe, was sie meint, und vereinbare für sehr bald einen Termin.

Die Grundlage jeder seelsorgerlichen Begleitung, aber auch eines guten Gesprächs unter Freunden ist „ein Ohr“ zu haben. Erst einmal nur hören, was Heilung braucht. Tief in unserem Inneren stecken viele alte Verletzungen, verweigerte Liebe, menschliche Enttäuschungen und Missverständnisse, die nie ausgeräumt wurden. Dazu kommt Druck, der auf uns ausgeübt wurde und Fehler, die uns immer wieder vorgehalten werden. All das vergiftet unser Herz und ist oft der Anfang gesundheitlicher Beschwerden.

Im Gespräch habe ich für all das keine schnelle Lösung, sondern zunächst nur „ein Ohr“. Das ist aber gar nicht so wenig, denn es geht um ein „Hören mit Ohren, die mit dem Herzen verbunden sind“, wie es Martin Buber beschrieben hat. Den sprichwörtlichen „Seelenklempner“ gibt es jedenfalls nicht, denn die alten Verkrustungen unserer Seele sind nicht von einem aktiven Gegenüber mit der Rohrzange zu lösen.

In den Heilungsgeschichten der Bibel passieren auf Anhieb keine Wunder. Jesus hört und sieht. Er urteilt nicht und weigert sich, vorschnell Schuld zu verteilen. Es geht um die Chance innerer Heilung und eines neuen Anfangs. Wenn Menschen dann selbst zur Klarheit finden, aus der eigenen Mitte heraus negativen Ballast ablegen und Mut haben, Gott und seiner Größe zu vertrauen, ereignet sich Erlösung. Auch heute im wirklichen Leben.

Die Kolumnen von Hannelore Maurer sind nun als Buch erschienen. „Ein Jahr zwischen Himmel und Erde“ ist erhältlich in allen Geschäftsstellen der OVB-Heimatzeitungen.

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