Rosenheim – Warteschlangen vor dem Rosenheimer Impfzentrum, Kritik an der Terminvereinbarung – mit diesen Vorwürfen sahen sich die Verantwortlichen zuletzt konfrontiert. Bei Impfkoordinator Hans Meyrl laufen seit November die Fäden zusammen. Seit die Pforten des Zentrums geöffnet haben, hat es bereits mehrere Optimierungen und Änderungen bei den Abläufen gegeben.
Reagiert haben die Organisatoren unter anderem auf die teils langen Warteschlangen, die sich, wie berichtet, im Februar an manchen Tagen vor dem Impfzentrum gebildet hatten: Statt 750 Personen werden pro Tag aktuell nun nur noch 650 Personen über sechs Impfstraßen geimpft. „Wir haben diese Reduzierung als Konsequenz eingeführt. Damals waren Impf-Kandidaten bis zu zwei Stunden zu früh da. Andere wiederum eine halbe Stunde zu spät. So kam es zu der Bündelung und den Wartezeiten. Jetzt haben wir mit größeren Zeitfenstern eine flexiblere Handhabung, um auf derlei Verschiebungen reagieren zu können“, erklärt Meyrl.
Abweisungen wegen
fehlender Dokumente
Der Koordinator betont zudem, dass jeder vor Ort sein Bestes gebe. Sieben Tage die Woche sind er und sein Team sowie die Malteser seit Wochen nahezu im Dauereinsatz. Für Problemfelder, für die man nichts könne, ärgere man sich furchtbar. Meyrl appelliert deshalb an alle Impfkandidaten, ihre Termine fristgerecht wahrzunehmen und auch alle erforderlichen Unterlagen dabei zu haben. „Gegebenenfalls müssen wir Personen abweisen, wenn wir nicht die gesetzlichen Vorgaben erfüllen können.“
Falls der Impfausweis vergessen sein sollte, gibt es eine Ersatzbescheinigung. Aber der Personalausweis, etwaige Atteste oder die Arbeitgeberbescheinigung bei einem Mitarbeiter eines Altenheims müssten mitgebracht werden, betont der Koordinator. Wer ohne Termin erscheine, werde abgewiesen. „Das versteht sich von selbst, führt aber durchaus zu Diskussionen.“
Da es das erklärte Ziel sei, mehr Menschen zu impfen, setzt Meyrl zudem auf das neu errichtete Zelt neben der Inntalhalle, wo weitere Impfstraßen eingerichtet werden sollen. Kapazität: zwischen sieben und neun „Spuren“. Damit könnten bis zu 850 weitere Impfungen pro Tag gestemmt werden. Auch wenn aktuell auf die zweite Säule Impfung durch Hausärzte gesetzt werde, die Erweiterung des Impfzentrums sieht Meyrl dennoch als unerlässlich an.
Um baldmöglichst startklar zu sein, liefen die Vorbereitungsarbeiten weiter auf Hochtouren. Ab Mitte April soll die Einheit in Betrieb genommen werden. „Wir freuen uns, wenn auch die Hausärzte impfen dürfen und wir so die Schlagzahl erhöhen können“, so Meyrl. Eines ist für den Betrieb in den Praxen und im dann ausgebauten Impfzentrum aber unerlässlich: „Der Impfstoff muss deutlich mehr fließen. Die Zuteilungen des Vakzins müssen höher sein“, so Meyrl. Er rechnet damit ab 29. März.
Nach wie vor ist ein mobiles Impfteam in den Altenheimen und auch in Behinderteneinrichtungen unterwegs. „In letztgenannten müssen die Einheiten zusammen mit den Betreuern die Aufklärung zur Impfung sensibel angehen. Deshalb können weniger Personen pro Tag eine Spritze bekommen“, erklärt Meyrl.
In den Altenheimen sei man indes auf einem guten Weg. Hier würden aktuell neue Bewohner oder solche, die zunächst die Impfung verweigert hätten, geimpft. Zudem: Altenheime mit Corona-Ausbrüchen hätten eine Sperrfrist von sechs Monaten und kämen dann erst an die Reihe.
Was Lehrer und Kindergartenpersonal betrifft, haben sich das Landratsamt Rosenheim sowie die Stadt Rosenheim auf eine einheitliche Schiene gemäß Priorisierung geeinigt. Andere Landkreise gingen hier nach Schulen vor. „Wir halten uns hier eins zu eins an die bayerische Verordnung“, betont Meyrl.
Aktuell darf, wie berichtet, der Impfstoff von Astrazeneca nicht verimpft werden. Generell gelte aber, dass pro Tag nur ein Impfstoff im Zentrum verwendet wird. Welcher, an welchem Tag dran ist, ist neuerdings bei der Terminauswahl ersichtlich.
Dass es immer wieder zu Schwierigkeiten bei der Anmeldung oder Terminvereinbarung kommt, weiß auch der Impfkoordinator. So bekommen Bürger teils die Aufforderung, einen Termin zu vereinbaren, und online erhielten sie dann die Mitteilung, dass kein Impfstoff verfügbar oder kein Termin möglich sei. „Das ist leider so“, bedauert Meyrl.
Kein Termin: Das
sind die Gründe
Denn: Die Terminvergabe hänge von den Impfstoff-Kapazitäten ab und zudem liefe parallel die Anmeldung via Hotline. „Da kann es zu Überschneidungen kommen.“ Hier seien dem Impfzentrum die Hände gebunden. Es würde – gebündelt – eine Vielzahl von Einladungen rausgeschickt und dann nach Anmeldung die freien Kapazitäten – abzüglich der Zuteilung in den Krankenhäusern – vergeben. Eine enge Zusammenarbeit mit den Institutionen und übergeordneten Behörden sei zudem enorm wichtig.
Abschließend ist der Impf-Chef weiter optimistisch: „Es läuft gut und doch manchmal wie auf hoher See aufgrund der zahlreichen und kurzfristigen Änderungen“, schildert „Kapitän“ Meyrl.