Corona fegt die Schule leer

von Redaktion

Rosenheimer Gymnasium schickt kompletten Jahrgang nach Hause

Rosenheim – Nur die erste Schulstunde fand gestern für die zwölften Klassen am Rosenheimer Ignaz-Günther-Gymnasium noch vor Ort statt. Dann musste der komplette Abiturjahrgang zurück in den Distanzunterricht – und wird vor den Osterferien am 29. März auch nicht wiederkommen. Grund ist ein positiver Corona-Test einer Abiturientin, der Schulleiter Dieter Friedel dazu zwang, schnell zu reagieren.

Dass man den positiven Fall so schnell erkannt habe, lag unter anderem am Schulleiter selbst. „Ich habe gleich zu Beginn der Präsenzzeit für die Abschlussklassen eine Durchsage gemacht und dazu aufgerufen, sich bitte zweimal die Woche auf der Loretowiese testen zu lassen“, betont Friedel. Die Abiturientin hatte sich daher am Mittwoch in das Testzentrum begeben und bekam am Donnerstagmorgen das positive Testergebnis. Als der Schulleiter des Gymnasiums davon erfuhr, reagierte er sofort und informierte sich beim Gesundheitsamt über das weitere Vorgehen.

41 Abiturienten
sind in Quarantäne

Das Ergebnis: Jeder, der am Vortag mindestens eine Doppelstunde mit der Schülerin in einem Raum verbracht hatte, muss für zwei Wochen in Quarantäne. „Da das auf 41 Schüler zutrifft und das ein Drittel der ganzen Stufe ausmacht, haben wir uns entschieden, den kompletten Jahrgang nach Hause zu schicken, um das Risiko zu minimieren“, sagt der Rosenheimer Schulleiter.

Zusammen mit Stellvertreter Henner Voß ging er gestern nach der ersten Stunde in die Klassenräume, um die Schüler über die neue Situation aufzuklären.

Dass jeder Schüler der Q12 sich derzeit noch eigenständig testen lassen muss, liegt laut Michael Fischer, Pressesprecher des Landratsamts Rosenheim, daran, dass die eigentlich dafür vorgesehenen Schnelltests bei den Schülern noch gar nicht angekommen sind. Zwar sei die erste Lieferung von 58000 Tests an insgesamt rund 350 Einrichtungen im Landkreis verteilt worden. Diese würden jedoch noch nicht ausreichen, um alle Schüler zu versorgen. Demnach habe man bereits eine neue Lieferung beim Bayerischen Gesundheitsministerium angemeldet. Wann diese kommt, sei allerdings noch ungewiss.

Die aktuell betroffenen Schüler am Ignaz-Günther-Gymnasium waren über die Rückkehr ins Homeschooling alles andere als erfreut, wie Jahrgangsstufensprecher Simon Wilz berichtet: „Es ist das erste Mal, dass wir so direkt mit einer Quarantäne betroffen sind. Das ist sicher für viele nicht einfach.“ Der Rosenheimer ist selbst keine Kontaktperson der ersten Kategorie, spürt aber die Verunsicherung bei seinen Mitschülern. Der Distanzunterricht wäre für die meisten grundsätzlich kein Problem. Da aber dadurch zwei Klausuren in Mathematik und Deutsch ausfallen, die erst nach den Ferien nachgeholt werden können, steigt der Druck in Richtung Abitur.

Unabhängig von dem aktuellen Corona-Fall machen sich einige daher bereits „große Sorgen“, den nötigen Stoff bis zu den Abschlussprüfungen ab 4. Mai zu bewältigen. Trotz Homeschooling ist Schulleiter Friedel guter Dinge, dass eine gute Vorbereitung gelingen kann. Er habe an der Rückmeldung der Schüler und Lehrer gemerkt, dass der Distanzunterricht gut klappt und sogar besser funktioniert, als wenn die Hälfte der Schüler wechselweise in die Schule kommt.

Distanzunterricht
wird zur Gewohnheit

Obwohl Friedel gehofft hatte, noch „bis zu den Osterferien durchzukommen“, konnte man nun zumindest frühzeitig auf den positiven Fall reagieren. Zur vierten Schulstunde saßen die Schüler gestern bereits wieder vor dem heimischen Computer und setzten den Unterricht fort.

Auch Jahrgangssprecher Wilz lobt das professionelle Vorgehen und hofft, dass man irgendwann wieder ohne Ansteckungsrisiko zur Schule gehen kann.

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