Rosenheim – Mittelschüler aus Stadt und Landkreis Rosenheim schreiben gemeinsam mit Mittelschülern aus ganz Oberbayern ein Buch über Rassismus, verbale Gewalt und Vorurteile. Ein Gespräch mit Myrta Feldmeier (34), die Lehrerin an der Grund- und Mittelschule Fürstätt ist und das Projekt zusammen mit ihrer Kollegin Christina Erdl von der Mittelschule am Luitpoldpark koordiniert.
Welche Geschichten sind von den Rosenheimer Schülern geplant?
Das Besondere an diesem Buch soll sein, dass es von den Schülern selbst entwickelt wird. Da jede Schule und jede Klasse sehr unterschiedlich ist, wollen wir keine zentralen Vorgaben machen. Wir geben ihnen lediglich ein paar Anregungen und hoffen auf kreative Ideen der Schüler und Kollegen. Das Thema Rassismus kann in Form eines Kunstprojekts, aber auch im Sozialkunde- oder Deutschunterricht behandelt werden. So können Schüler mit Migrationshintergrund zum Beispiel ihre Geschichte aufschreiben, von ihrem Heimatland berichten oder einfach ihr Lieblingsrezept notieren. Schüler ohne Migrationshintergrund könnten Interviews führen und künstlerisch etwas gestalten. Oder sie machen sich Gedanken darüber, was sie als Nicht-Betroffene tun können, um rassistischem oder allgemein fremdenfeindlichem Gedankengut entgegenzuwirken.
Warum ist es so wichtig, dieses Thema in Schulen zu behandeln?
Leider ist auch in unserer heutigen Gesellschaft das Thema Rassismus allgemein noch immer ein sehr wichtiges. In den Schulen erreicht man sozusagen die nächste Generation sehr flächendeckend. Zudem ist das Jugendalter wohl die Zeit, in der sich die Persönlichkeit, die Einstellung und die Weltanschauung entwickeln. Die Aufgabe der Schulen ist es nicht nur Deutsch, Mathe und Englisch zu unterrichten, sondern auch ein Wertesystem zu vermitteln und ausgrenzenden und undemokratischen Einstellungen entgegenzuwirken. Wir leben in Deutschland mittlerweile in einer sehr pluralistischen Gesellschaft. Das spiegelt sich besonders auch in unseren Mittelschulen wieder. Dennoch begegnen Menschen mit Migrationshintergrund noch immer sehr häufig Rassismus und Fremdenhass in ihrem Alltag.
Wie soll das Projekt diesem Problem entgegenwirken?
Wir sind der Meinung, dass nur das Kennenlernen des vermeintlich Fremden dazu führt, der Ausgrenzung ein Ende zu machen und die Menschen nicht mehr anhand ihrer Herkunft oder Hautfarbe zu beurteilen. Mit diesem Projekt wollen wir es möglich machen, anderen Kulturen in Deutschland zu begegnen.
Wie soll das Buch präsentiert werden?
Die Schulen sammeln die Werke an ihren Schulen. Dort können sie diese vor Ort virtuell oder analog ausstellen. Ein „Best-of“ wird dann online veröffentlicht, zum Beispiel auf der Homepage der Schulämter, und in Buchform gedruckt werden. Dieses Buch wird dann Abschlussschülern und Gästen der jeweiligen Schulen geschenkt. Interview: Alexandra Schöne