Hausbewohner sagen aus

von Redaktion

Prozess um Anschläge in Waldkraiburg fortgesetzt

Waldkraiburg/München – Eigentlich hätten sie die Feuernacht im April vergangenen Jahres gerne vergessen. Doch der Prozess gegen einen IS-Anhänger aus Waldkraiburg (wir berichteten) wühlte alles noch einmal auf. Am Montag wurden vor dem Staatsschutz-Senat am Oberlandesgericht (OLG) München weitere Geschädigte vernommen. Eine 64-Jährige verglich den Anschlag des 26-Jährigen auf den Gemüseladen mit dem Wiesn-Attentat von 1980.

„Es war wie eine Bombe“, beschrieb die ältere Dame die Explosion. Die Detonation habe sie am ganzen Körper gespürt, wie damals in München. Ihre beiden Ziervögel seien völlig durcheinander gewesen, sie habe die Tiere erst einmal beruhigen müssen. Die 64-Jährige kam mit einer Rauchgasvergiftung davon, die Tiere blieben unverletzt.

Als gezeichnet vom Anschlag beschrieb sich eine 60-Jährige. Die äußerlich robust wirkende Frau schilderte massive psychische Probleme. Sie könne nicht mehr schlafen, leide unter Anfällen von Hyperventilation. „Wenn die Sonne untergeht, werde ich unruhig“, sagte sie und fügte hinzu: „Beim Einschlafen steht mein Körper wieder auf. Ich zittere und atme schwer, als hätte ich einen 100-Meter-Lauf hinter mir.“

In der Nacht, in der sie vom Knall geweckt worden war, hatte sie sich noch geistesgegenwärtig angezogen. „Ich habe mich zur Ruhe gezwungen“, erinnerte sie sich vor Gericht. Vor zwei Jahren, bei einem Schwelbrand im Haus, sei sie Hals über Kopf ins Freie gelaufen und hätte draußen frierend gestanden. Dieses Mal schaute sie sogar nach ihren Katzen, die vor Schreck unter dem Bett verschwunden waren. Die 60-Jährige konnte sie hervorlocken, verfrachtete sie in die Katzenkörbe und wartete auf die Retter. Der Prozess dauert an. ANGELA WALSER

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