München/Waldkraiburg – Am sechsten von 44 Verhandlungstagen gegen den mutmaßlichen „Bombenleger von Waldkraiburg“ Muharrem D. (26) am Oberlandesgericht München stand erneut der Angriff auf einen Gemüseladen im Fokus. Es war der dritte von insgesamt vier Anschlägen auf türkische Läden in Waldkraiburg im Frühjahr 2020 (wir berichteten), für die sich der 26-Jährige unter anderem wegen versuchten Mordes verantworten muss.
Ziel des Brandanschlages vor fast einem Jahr war der Gemüseladen eines türkischen Besitzers am Sartrouville-Platz, doch mit dem Angriff gefährdete Muharrem D. auch viele Bewohner oberhalb des Geschäftes. Die Ereignisse verfolgen die Betroffenen noch heute, wie sie bei der Verhandlung am gestrigen Donnerstag aussagten. Mit dem Kopf nach unten gesenkt und überwiegend regungslos lauschte der Angeklagte den Ausführungen der Geschädigten.
„Ich kann ihnen nicht verzeihen. Sie haben so viel finanziellen und psychischen Schaden hinterlassen. Sie haben mehrere Leben auf das Spiel gesetzt“, sprach eine Rentnerin, die über dem Laden wohnt, dem Angeklagten an. Sie hätte heute noch Schlafstörungen. Nur drei oder vier Nächte habe sie seither durchgeschlafen.
„Die Flammen waren drei Meter hoch“, schildert eine zweifache Mutter, die mit ihren Kleinkindern aus dem dritten Stock noch rechtzeitig das Gebäude verlassen konnte. Sie selbst hätte es erst nach einigen Tagen realisiert, was da vorgefallen ist. Sie habe ihr zweijährige Tochter aus dem Schlaf gerissen und sei über die Tiefgarage geflüchtet. Im ganzen Gebäude wäre schon Rauch gewesen, je tiefer desto dichter.
Noch heute leide sie unter Schlafstörungen und Angstzuständen. „Wenn es dunkel wird, habe ich ein ungutes Gefühl“, erklärt die Mutter. Auch an ihren Kindern, damals zwei und fünf Jahre alt, sei der Anschlag nicht spurlos vorübergegangen.
Der Prozess gegen Muharrem D. wird bereits am heutigen Freitag in München fortgesetzt.