Neubeuern – Über zwei Monate lang ein neues Land kennenzulernen, ohne den Landkreis zu verlassen – dieser Aufgabe stellten sich 13 Schüler der neunten und zehnten Jahrgangsstufe aus dem Internat Schloss Neubeuern. Im Rahmen des Pilotprojektes „Global Citizen“ nahmen sie an einem – coronabedingt – digitalen Schüleraustausch teil, bei dem sie zusammen mit Schulen aus Brasilien und El Salvador an gemeinsamen Konzepten arbeiteten. Die gesamte Kommunikation erfolgte dabei ausschließlich über eine Online-Plattform.
Drei Länder
ein Gedanke
„Was die Schüler geleistet haben, hat mich teilweise wirklich sprachlos gemacht,“ freut sich Daniela Wirth, wenn sie an den ungewöhnlichen Austausch zurückdenkt. Die Deutsch- und Englischlehrerin hatte die Projektleitung inne. Das Konzept hatten vier Studenten aus München zusammen mit dem Schulexperten von „Microsoft Teams“, Marcelo Rauscher, auf die Beine gestellt. Mit der Partnerschule in Neubeuern durchlief es nun die erste Testphase. Die Idee: „Ein interkultureller Austausch, bei dem die Schülerinnen und Schüler die komplette Federführung innehaben“, erklärt Rauscher.
Nach einer Einführungsveranstaltung im Januar trafen sich alle Beteiligten in „Online-Räumen“, um über gemeinsame Projekte zu beratschlagen. „Natürlich haben wir als Leiter vorher überlegt, in welche Richtung die Themen gehen können“, merkt die Schulentwicklungsleiterin Wirth an. Doch für die detaillierte Umsetzung hatten die insgesamt 43 Teilnehmer freie Hand. Auf Englisch diskutierten die in gemischte Kleingruppen aufgeteilten Schüler, wie man die Oberbegriffe wie zum Beispiel kulturelle Gemeinsamkeiten, Fake News oder Klimawandel darstellen kann.
„Die besondere Herausforderung war für uns nicht nur, über die Distanz hinweg zu arbeiten, sondern auch zu unterschiedlichen Zeiten“, erläutert Jule Pflaum, Schülerin der neunten Klasse. Die Zeitverschiebung zwischen El Salvador und Neubeuern beträgt acht Stunden, die nach Brasilien fünf. Zudem fand der normale Unterricht weiterhin wie gewohnt statt, weshalb die Gruppen sich immer wieder neu organisieren mussten. „Einige haben es dann so gelöst, dass ein Teil der Gruppe schon etwas vorbereitet hat, an dem die anderen später weiterarbeiten konnten,“ erklärt Wirth. Viele Schüler, wie Pflaum, brauchten jedoch auch die Interaktion, weshalb sie gemeinsame Treffen am Abend vereinbarten, die trotz zeitlicher Differenz für jeden zu schaffen waren.
Um die Fortschritte zu überprüfen, gab es zudem jeden Mittwoch eine „Feedback-Runde“, bei der sich die Austauschschüler an die Organisatoren wenden konnten, wenn es Probleme gab. „Das war wirklich eine super Lösung und hat uns immer wieder enorm motiviert“, schwärmt die Zehntklässlerin Alisha Khawaja.
Nach zwei Monaten Austausch präsentierten die Gruppen kürzlich ihre Ergebnisse. Von aufwendigen Power-Point-Präsentationen über eine eigene Webseite bis hin zu einem selbst entworfenen Kleid war alles vertreten. Viel wichtiger jedoch fand Wirth die Souveränität, mit der die Schüler auftraten und wie sie sich untereinander innerhalb von wenigen Wochen arrangiert hatten. Auch das Verständnis für die jeweiligen Länder sei enorm gewachsen, ohne einen Fuß auf den anderen Kontinent gesetzt zu haben. „Ich habe viele neue Kontakte geknüpft und sogar erste Freundschaften geschlossen“, berichtet die 14-jährige Jule Pflaum.
Neue Freunde im
Ausland gefunden
Sobald es wieder möglich ist, steht für Alisha Khawaja bereits fest, dass sie nach El Salvador oder Brasilien fliegen wird. Nachdem sie sich nun so intensiv mit den Regionen auseinandergesetzt hat, will sie dort „unbedingt auch einmal hin“.
Seitens der Schule Schloss Neubeuern ist hingegen noch kein direkter Austausch geplant. Dafür denkt man darüber nach, das Online-Konzept in Zukunft beizubehalten. „Es hat technisch alles so gut funktioniert“, resümiert Wirth, „da ist so ein Projekt gerade in den Zeiten von Corona eine tolle Alternative.“