Rosenheim – Die Zahl der Corona-Neuinfektionen in der Stadt und im Landkreis Rosenheim ist seit der vergangenen Woche weitestgehend konstant geblieben. Das meldet das Gesundheitsamt des Kreises.
Dennoch gebe es noch keinen Grund zur Entwarnung, wie dessen Leiter Dr. Wolfgang Hierl findet: „Die Werte der Sieben-Tage-Inzidenz liegen zwar derzeit unter dem Bundesdurchschnitt, bewegen sich aber weiter auf hohem Niveau“, schildert Hierl.
Während die Inzidenz im Bund bei 134,2 lag, meldet das Gesundheitsamt (Stand 1. April, 24 Uhr) für die Stadt Rosenheim eine Inzidenz von 121,16 (Vorwoche: 119,6), für den Landkreis von 99,9 (Vorwoche: 99,9). Täglich erreichen die Behörde zwischen 14 und 85 Meldungen über neue Infektionen. Insgesamt sind in der Stadt Rosenheim 3290 Infektionsfälle gemeldet, im Landkreis 11817.
Die britische
Variante des
Virus dominiert
Unter den Neuinfektionen dominiert nach wie vor die „britische Variante“ des Coronavirus. Hier waren dem Gesundheitsamt bis Donnerstag 1153 Fälle bekannt, hinzu kommt eine Infektion mit der „südafrikanischen Variante“. An der Spitze mit der Zahl bekannter Infektionen stehen (Stand 31. März) die Landkreis-Kommunen Bad Aibling (968 Fälle), Kolbermoor (890 Fälle) und Bruckmühl (683 Fälle). Vor allem Ausbrüche in Pflegeeinrichtungen könne die Zahl an Neuinfektionen in einzelnen Kommunen deutlich nach oben treiben, schildert das Gesundheitsamt. Im Rahmen von Reihenuntersuchungen würden dort Fälle entdeckt, die in anderen Gebieten nicht ans Tageslicht kämen, „sodass die Fallzahlen kein Abbild in der Bevölkerung darstellen.“ Wobei die Behörde gerade hier inzwischen ein eher geringes Infektionsrisiko von zwei Prozent ausmacht. Auch das Testverhalten könne zu regionalen Unterschieden bei den Zahlen führen.
Während die Zahl an Covid-Erkrankten in den Hospitälern von Stadt und Landkreis um acht Fälle auf nun 99 zurückgegangen ist, stieg die jener Patienten, die von diesen auf der Intensivstation liegen, von 13 auf 18 Fälle.
Fast die Hälfte der
Infektionen durch
private Treffen
Unter den Infektionstreibern macht das Gesundheitsamt vor allem private Treffen aus: 48 Prozent der Infektionen rührten hierher. Auch der Arbeitsplatz gehöre zu jenen Orten, an denen eine Ansteckung mit dem Virus besonders wahrscheinlich ist. Zwölf Prozent der Neuinfektionen kämen dort zustande. Als besondere Schwachstellen identifiziert das Gesundheitsamt dort Großraumbüros, unzuverlässiges Maskentragen und Verstöße gegen das Abstandsgebot. „Wenn solche Ansteckungsmöglichkeiten geboten werden, kann sich die britische Variante leicht ausbreiten, mit der Folge, dass zum Teil ganze Betriebsbereiche aufgrund notwendiger Quarantäne-Anordnungen stillgelegt werden müssen“, mahnt Mediziner Hierl.
Einen „Höchststand“ vermeldet das gemeinsame Impfzentrum von Stadt und Landkreis Rosenheim. In der vergangenen Woche haben die Ärzte dort 7748 Dosen verabreicht. Für die nächste Woche stehen 10000 weitere zur Verfügung. Die Anzahl der Erstimpfungen in Stadt und Landkreis Rosenheim liegt Stand 31. März bei 30135, das entspricht einer Erst-Impfquote von 9,4 Prozent bezogen auf die Gesamtbevölkerung von Stadt und Landkreis Rosenheim. 19016 Zweitimpfungen wurden ausgeführt. Das entspricht einer Impfquote von 5,9 Prozent. In der Prioritätengruppe I (unter anderem über 80-Jährige) sind inzwischen alle registrierten Menschen mindestens einmal geimpft. Auch die Impfungen der zweiten Prioritätengruppe (darunter Personen über 70 Jahren) schritten gut voran. 65000 Bewohner von Stadt und Landkreis sind derzeit für eine Impfung gegen das Coronavirus vorgemerkt.
Hierl: Wir
sind inmitten
der dritten Welle
Ab kommenden Mittwoch sollen auch Hausärzte regulär impfen können. (wir berichteten). Dies gilt allerdings nur für die Haus- und teilweise auch für Facharztpraxen, die sich hierfür beworben haben. Diese sollen kommende Woche 18 bis 50 Dosen Impfstoff der Marke Biontech pro Tag erhalten.
„Nach wie vor befindet sich die Region Rosenheim inmitten der dritten Welle“, resümiert Gesundheitsamtschef Hierl zur Lage. Die Infektionen breiteten sich ungehindert aus, sodass auch weitere Lockerungen nur „vorsichtig und schrittweise“ erfolgen sollten. „Wir dürfen nicht riskieren, dass durch Unachtsamkeit und Unvernunft die Infektionszahlen durch die Decke gehen und so schweren Erkrankungen den Weg bereiten.“