Rosenheim/Traunstein/Mühldorf – Aufgeschoben heißt nicht aufgehoben. Noch nicht. Im Rennen um die Rolle als oberbayerische Modellstadt mit vorsichtigen Lockerungen der Corona-Regelungen rechnet sich die kreisfreie Stadt Rosenheim weiter theoretische Chancen aus, ebenso wie die Landkreise Traunstein und Mühldorf. Man habe sich fristgerecht bei der Regierung von Oberbayern beworben, sagte Sprecher Thomas Bugl.
„Auch wir hoffen weiterhin, ausgewählt zu werden“, sagte eine Sprecherin des Landratsamtes Traunstein, „das wäre eine Chance für die Menschen und Betriebe im Landkreis.“ Die Zuversicht Bugls scheint die Verschiebung allerdings gedämpft zu haben. „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, sagte er, „auch wenn sich der Grund für die Verschiebung nicht wirklich aus der Entwicklung der Infektionszahlen und der Inzidenz herleiten lässt.“
Nicht die Zeit
für Experimente
Eigentlich hatte die Entscheidung über die Modellregionen gestern im Anschluss an die Sitzung des bayerischen Kabinetts verkündet werden sollen. Angesichts der Pandemie-Lage erteilte Ministerpräsident Markus Söder Hoffnungen auf Lockerungen eine Abfuhr: „Es ist nicht die Zeit für Experimente.“ Öffnungen würden verschoben, sie passten nicht in die Zeit. „Wir glauben, dass es besser ist, noch zwei Wochen zu warten.“
Verschoben werden nach den Worten des Ministerpräsidenten auch die Entscheidungen über die Modellregionen. Insgesamt sollen acht Kommunen vorgestellt werden, eine pro Bezirk, beziehungsweise zwei im bevölkerungsstarken Oberbayern. Sie sollen als Testbezirke dienen, in denen nach dem „Tübinger Modell“ auf der Grundlage intensiver Tests Bereiche wie die Außengastronomie trotz einer Inzidenzzahl von 100 oder mehr vorsichtig geöffnet werden. Eine Bedingung ist die Bereitstellung von Schnelltests für zehn Prozent der Einwohner. In Rosenheim wären das 6400 pro Tag. „Diese Herausforderung nehmen wir sportlich an“, sagte Bugl.
In der Stadt Rosenheim lag die Sieben-Tage-Inzidenz gestern laut Robert-Koch-Institut bei 102,3, im Landkreis Rosenheim bei 80,7 (Stand 7. April, 0 Uhr). Damit lag die Region insgesamt unter dem Wert von Bayern (120,6) und der Bundesrepublik (110,1). Anders der Landkreis Traunstein, der eine Inzidenz von 157,3 aufwies. Der Landkreis Mühldorf lag bei 138,9.Michael Weiser