Rosenheim/Großkarolinenfeld – Registrieren, Termin auswählen, impfen lassen – so einfach soll es theoretisch ablaufen, um im Impfzentrum von Stadt und Landkreis auf der Loretowiese in Rosenheim eine Corona-Impfung zu erhalten. Für Martin Neuhold (49) aus Großkarolinenfeld verlief es jedoch anders. Als Mitarbeiter einer Kindertagesstätte bekam er über das bayerische Registrierungsportal gleich zweimal – fälschlicherweise – einen Termin mit dem Stoff Astrazeneca zugewiesen. Vor Ort wurde er deshalb unverrichteter Dinge wieder weggeschickt. Auf Nachfrage bei der Stadt Rosenheim, die das Impfzentrum koordiniert, wird klar: Neuhold ist kein Einzelfall.
Hoffnung wurde
im Keim erstickt
„Da kommt wieder einer, der heute nicht geimpft wird.“ Mit diesen Worten ist Martin Neuhold im Impfzentrum auf der Loretowiese empfangen worden, wie er sich erinnert. Er hatte als Kita-Mitarbeiter mit Priorität 2 einen Termin für den 6. April erhalten – für eine Impfung mit Astrazeneca. Er selbst sei bereits skeptisch gewesen, ob das wirklich funktionieren würde. Denn laut dem Bayerischen Gesundheitsministerium war zu diesem Zeitpunkt bereits das Vakzin Astrazeneca aufgrund von vereinzelt aufgetretenen Fällen von Thrombose für Menschen unter 60 Jahren ausgesetzt. Bei der Registrierung war für den 49-Jährigen jedoch genau dieser Impfstoff eingetragen.
„Ein paar Tage vorher habe ich dann auch prompt eine Absage bekommen“, berichtet Neuhold. Für den sodann vorgeschlagenen Ersatztermin, der sogar zwei Tage vorher stattfinden sollte, war allerdings nach wie vor der falsche Impfstoff im System hinterlegt. Da er nicht extra von Großkarolinenfeld in die Rosenheimer Innenstadt fahren wollte, versuchte der Kita-Betreuer, das Problem über die Hotline zu klären. Dort war allerdings „absolut kein Durchkommen.“
Dementsprechend nahm Neuhold den verbindlichen Termin wahr und bekam von der zuständigen Ärztin das zu hören, was er selbst bereits befürchtet hatte: kein Astrazeneca für unter 60-Jährige.
Doch das war nicht das einzige Problem. Denn solange der fehlgeschlagene Termin im System stand, war es für den Großkarolinenfelder nicht möglich, sich erneut registrieren zu lassen. Für den 49-Jährigen ein „sehr ärgerlicher Umstand“, zumal er bereits mitbekommen hatte, dass es einer Kollegin einen Tag vorher genauso erging. Auch die Ärztin, die ihn nicht impfen durfte, sprach laut Neuhold von rund 100 Menschen, die genau deswegen wieder weggeschickt werden mussten.
Auch die Stadt Rosenheim kennt diese falschen Terminvergaben des bayerischen Registrierungsportals und hat laut Pressesprecherin Sabine Lemm bereits reagiert: Seit Ostermontag habe das Impfzentrum Rosenheim die Anmeldungen gefiltert und die Einladungsliste bereinigt. Dadurch seien noch circa 60 Personen mit dem falschen Impfstoff erkannt und telefonisch benachrichtigt worden, um einen Ersatztermin zu vereinbaren. Mehrere Hundert Leute pro Tag sind laut Lemm aber nicht betroffen. Ein bestehendes Problem sei allerdings die Hotline, bekennt die Sprecherin, die „regelrecht mit Fragen überschwemmt wurde“, wodurch nicht alle Anfragen beantwortet werden konnten.
Um einen neuen, richtigen Termin zu bekommen, sei es außerdem notwendig, den alten nochmals selbst im Portal zu stornieren, auch wenn bereits vermerkt sei, dass keine Impfung stattgefunden hat, erklärt die Stadt-Sprecherin das Procedere. Erst dann könne eine neue Einladung erstellt werden, die auf die aktuelle Situation angepasst sei.
Der nun überschüssige Astrazeneca-Impfstoff wird laut Lemm nun im Impfzentrum gelagert, da aktuell noch geprüft werde, ob das Vakzin in Zukunft noch einmal vermehrt gebraucht werde.
Neues Datum,
neues Glück
Für Martin Neuhold sind das erfreuliche Nachrichten. Nachdem er, nach zahlreichen Anläufen, endlich bei der Impf-Hotline durchkam, konnte er seinen alten Termin stornieren lassen und hat ein neues Impfdatum erhalten. Zu seiner Freude ist diesmal auch der richtige Impfstoff eingetragen.