Bei Erstimpfung im Hintertreffen

von Redaktion

Stadt Rosenheim hat keine Erklärung – 70000 bereits mit Vollschutz

Rosenheim – Sie kommt auf Touren, die Impfkampagne gegen die Corona-Pandemie. Zumindest, was die Impfzentren betrifft. 10500 weitere Impfdosen werden alleine in dieser Woche im Impfzentrum von Stadt und Landkreis Rosenheim auf der Loretowiese in Rosenheim verimpft worden sein. Die Gesamtzahl der Menschen mit erster oder gar zweiter Impfung liegt über 70000 – und dennoch hinkt die Region Rosenheim bei der Erstimpfung hinterher.

Beim zweiten Termin
über Durchschnitt

Denn: Das Impfzentrum Rosenheim weist vergleichsweise wenig Erstgeimpfte aus. 14,5 Prozent oder gut 47100 Menschen haben ihren ersten Termin in der Inntalhalle absolviert. 17,8 Prozent haben dagegen in Deutschland die erste Impfung erhalten, gar 18,0 sind es in Bayern. Die Unterschiede zwischen den Bundesländern sind groß: Das kleine Saarland hat mit 20,2 Prozent das mittelgroße Schlusslicht Hessen (16,2 Prozent) abgehängt.

Gut liegt die Region indes bei der Quote der Zweitimpfungen im Rennen: Für gestern Abend lag die Prognose des Impfzentrums bei acht Prozent der Einwohner von Stadt und Landkreis, also gut 26000 von 324881 Menschen. Damit liegt Rosenheim deutlich über dem bayerischen Niveau von 6,7 Prozent, die vom Robert-Koch-Institut für gestern ausgewiesen wurden, und erst recht dem Schnitt von 6,3 Prozent in Deutschland.

Viele Studien legen die Feststellung nahe, dass schon die erste Impfung einen gewissen Schutz zumindest vor einem schweren klinischen Verlauf bietet. „Die erste Impfung ist von daher gesehen absolut wichtig“, sagt zum Beispiel Dr. Florian Bonke, Hausarzt mit Corona-Schwerpunkt-Praxis im Inntal.

Terminvergabe erfolgt
von zentraler Stelle

Die Suche nach den Ursachen für das Gefälle gestaltet sich schwierig, die Stadt hält sich mit Erklärungen zurück. Sprecher Thomas Bugl weist auf statistische Schwankungen hin. „Innerhalb der Landkreise und kreisfreien Städte im Freistaat sind die Unterschiede groß“, vermutet er. Belastbare Zahlen vom bayerischen Gesundheitsministerium aus anderen Kommunen waren bis zum Redaktionsschluss nicht zu erhalten.

Jedenfalls konzentriere sich das Impfzentrum nicht etwa aufs Durchimpfen mit der zweiten, sondern folge den Empfehlungen der Experten, etwa der Ständigen Impfkommission oder des RKI sowie Vorgaben der Bundes- oder Staatsregierung, heißt es seitens der Stadt.

Zu diesen Vorgaben gehört, dass auch im Impfzentrum Rosenheim die Intervalle zwischen den Impfungen auf sechs Wochen ausgedehnt wurden, sodass zunächst mehr Menschen die erste Dosis erhalten. Auch die Terminvergabe erfolgt nach Auskunft der Stadt nicht vom Impfzentrum aus, sondern von zentraler Stelle – dem Bayerischen Impfzentrum. Und zwar gemäß der vorgegebenen Priorisierung.

Erst mit wachsendem Engagement der Hausärzte beginnt dieses System der Impfreihenfolge aufzuweichen. Weil die Hausärzte über den Zustand ihrer Patienten besser Bescheid wissen als noch der sorgfältigst ausgetüftelte Algorithmus in einem zentralen Vergabesystem. Wenn man einen 50-jährigen Mann mit Lungenkrebs vor sich habe, gebe man dem eher Impfstoff als dem fitten 79-Jährigen, sagt Bonke.

Mehr Nachfrage
als Impfstoff-Angebot

An der Impfmüdigkeit der Rosenheimer liegt die niedrigere Zahl bei den Erstimpfungen nicht. Die Nachfrage sei immer noch höher als das Angebot, heißt es von Seiten der Stadt, es seien derzeit rund 70000 Menschen registriert. Das Angebot wiederum könne man nicht beeinflussen: „Der Impfstoff wird zugeteilt, nicht bestellt“, sagt Bugl.

Wie sehr die Menschen in der Region auf die Spritze als wichtigster Waffe gegen die Corona-Pandemie setzen, werde aus den vorerst letzten Impf-Terminen mit Astrazeneca deutlich. Der noch vorhandene Anteil von 4600 Astrazeneca-Impfdosen werde bis Sonntag „problemlos“ verimpft, sagt Bugl. Die Zielgruppe: Menschen ab 60.

„Wir werden impfen, was geht“, sagt Bugl. Nächste Woche sollen 9400 Impfdosen angeliefert werden, erhebliche Anstiege sind nach April zu erwarten. Bei 11000 Impfungen pro Woche enden die Kapazitäten des Impfzentrums, trotz einer mittlerweile zweiten Halle, trotz insgesamt 15 Impfstraßen. Bereits in der laufenden Woche habe man knapp vorm Anschlag geimpft.

Weitere Zentren sind nicht geplant, mehr Impfungen könnten dann nur über die Hausärzte erfolgen.

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