Rosenheim – Sie wollen deutlich machen, was den Menschen in der Region aus ihrer Sicht droht. Und gleichzeitig Geschlossenheit dokumentieren: Mit einer „Protestwelle“ entlang der violetten Vorzugstrasse demonstrieren die Bürgerinitiativen der Region am Samstag, 24. April, ab 14 Uhr gegen die Bahn-Planungen zum Brenner-Nordzulauf. Und zwar lautstark: Mit Trillerpfeifen, Pauken, Kuhglocken oder Sirenen, kurz: mit allem, was Lärm macht, soll eine Lärmwelle bis hinunter ins Inntal geschickt werden.
Federführung
hat Kolbermoor
„Die Bürgerinitiativen ziehen an einem Strang“, heißt es seitens der Dachorganisation Brennerdialog. Das sei auch wörtlich gemeint, sagt Ralf Exler, der die Initiative „Nordzulauf Kolbermoor“ gegründet hat. Mit Flatterbändern und Seilen sollen die Teilnehmer an der Kundgebung Verbindung halten.
Zwischen Langenpfunzen und Stephanskirchen gilt es den Inn zu überqueren. Kajakfahrer werden die Lärmwelle weiterführen. Eine fordernde Aufgabe. Exler: „Das machen schon Leute, die das richtig können.“ Die Sportler brauchen ihr Seil nicht nur symbolisch – über den Fluss gespannt, dient es sozusagen als Ankerplatz.
Exler berichtet, dass er die Protest-Welle vorgeschlagen habe und das Puzzle am Ende zusammenbaue. Im Detail aber kümmern sich die Bürgerinitiativen vor Ort um die Organisation. Der Aufwand ist immens. In acht Teilabschnitte haben Exler und Mitstreiter die 39 Kilometer lange Strecke unterteilt, von Ostermünchen im Norden bis Oberaudorf im Süden. Und für jeden Abschnitt sind Infopunkte ausgewiesen: Stetten, Sportplatz, Brettschleipfen und Aubenhausen für Ostermünchen; Hilperting, Haslau, Mühlbach, Ried, Ödenhub und Mintzberg für Großkarolinenfeld; Deutelhausen, Pfaffenhofen und Langenpfunzen für Rosenheim-Nord/Schechen; Innleiten, Fussen, Högering, Schömering, Scheiberloh und Eitzing für Stephanskirchen; Ried, Obermoosen, Gögging für Riedering; Immelberg und Lauterbach für Rohrdorf; das Schwimmbad in Nußdorf sowie Kirnstein, Niederaudorf und Reisach für Oberaudorf. Die Initiativen haben Parkplätze ausgewiesen, sie stellen an den Infopunkten „Lotsen“, die Besucher einweisen und an den Schauplatz der Demo führen.
„Hoit ma z’samm“ lautet das Motto. Es muss einiges wirklich gut ineinandergreifen, weiß Exler. Ab 13 Uhr fahren von Kolbermoor zwei Autokorsos mit 20 bis 30 Fahrzeugen nach Großkarolinenfeld und Ostermünchen, wohin es geht, teilt sich den Fahrern aus Karten mit, die ihnen durchs Fenster gereicht werden. Ab 14 Uhr sucht das Gros der Teilnehmer die Infopunkte auf. Die Veranstalter wollen Menschenansammlungen vermeiden, bei der Demo selbst gilt: zehn Meter Abstand. „Um die Menschen vor Corona zu schützen“, wie Exler sagt. Außerdem wolle man „Strecke machen“, gibt er zu, es gilt, 39 Kilometer zwischen Ostermünchen und Kloster Reisach zu besetzen. Sollten mehr als die rechnerisch notwendigen 3900 Teilnehmer kommen, stelle man sich im Zickzack auf -– Hauptsache, der Abstand bleibt gewahrt. Ansonsten, etwa an den Info-Punkten, seien FFP2-Masken Pflicht, betont Exler.
Wie La Ola,
nur mit Lärm
Punkt 15 Uhr geht‘s los. Nicht alle auf einmal, sondern wie bei La Ola, als es noch Menschen in Fußball-Stadien gab. Mit Start in Ostermünchen. Es werden Plakate verteilt, die beim Herannahen der Welle gehoben werden – so soll die Aktion sichtbar und für Fotografen dokumentierbar werden. Außerdem stehen an jedem Abschnitt „Dirigenten“, die das Nahen der Welle signalisieren. Wo die Sicht schwierig sei, hielten die Gruppen über Mobiltelefon Verbindung, sagt Exler. 230 Stundenkilometer soll diese Schallwelle erreichen – so schnell sollen auch die Züge fahren. Wenn alles nach Plan läuft, ist der Protest um 15.10 Uhr erstmals am Kloster Reisach zu vernehmen. Im Abstand von fünf Minuten folgen weitere Wellen. Viel Lärm. Aber nicht um nichts. Bettina Lang war eine der Vertreterinnen Samerbergs im Dialog mit der Bahn. Aufgeben kommt nicht in Frage. „Man muss es versucht haben“, sagt sie. Und sei es, um Mindestforderungen wie nach dem Nachweis des Bedarfs nach einer neuen Trasse Nachdruck zu verleihen.