Jetzt ist Staatsregierung gefragt

von Redaktion

War der Landtagsabgeordnete Klaus Stöttner (CSU) beim Abschluss der Bauleistungs- und der Feuerrohbauversicherung für den Klinikneubau in Wasserburg eingebunden? Der AfD-Landtagsabgeordnete Andreas Winhart hat dazu Fragen an die Staatsregierung.

Rosenheim/Wasserburg – „Ich verstehe nicht, warum sich Klaus Stöttner nicht äußert“. Stellvertretende Landrätin Andrea Rosner (Bündnis 90/Die Grünen) steht mit dieser Aussage nicht alleine da. Wie berichtet, hat der Romed-Klinikverbund den Abschluss der beiden Versicherungen für den Neubau bestätigt, den er zusammen mit der kbo-Inn-Salzach-Klinikum gGmbH errichtet. Zu den Versicherungssummen, die für das Projekt mit geschätzten Gesamtkosten von rund 250 Millionen Euro im Raum stehen, schwieg er sich jedoch aus. Ebenso zu der Frage, ob und in welcher Form die Allianz Generalvertretung Teicher & Co. OHG in Prien bei der Vermittlung des Geschäftes involviert war. Einer der Teilhaber der Agentur ist der CSU-Landtagsabgeordnete Klaus Stöttner. Er bestätigte auf eine schriftliche Anfrage der OVB-Heimatzeitungen eine Beteiligung der Agentur nicht, dementierte sie aber auch nicht.

Druck auf
Stöttner wächst

Der Druck auf ihn, sich zur Rolle besagter Agentur klar zu äußern, wächst mittlerweile weiter – nicht nur, seit Kreisrat Josef Baumann (Freie Wähler) aus Wasserburg gegenüber dem Bayerischen Rundfunk den Versicherungsabschlüssen ein „Gerücherl“ attestierte. Schließlich gehe es um hohe Summen.

Der Landtagsabgeordnete Andreas Winhart will das Schweigen nicht einfach so hinnehmen und bittet die Staatsregierung um Aufklärung. In seiner Anfrage beschränkt er sich nicht auf die beiden Versicherungsabschlüsse. „Haben die Stadt Rosenheim, der Landkreis Rosenheim oder deren Eigen- und Regiebetrieb sowie Beteiligungsgesellschaften (z. B. Romed-Kliniken), der Bezirk Oberbayern oder der Freistaat Bayern Verträge mit der Versicherungsagentur Allianz Versicherung Teicher & Co. OHG Generalvertretung aus Prien am Chiemsee geschlossen?“ Falls ja, möchte Winhart wissen, wann diese Verträge abgeschlossen wurden und wer sie vermittelt hat.

Andrea Rosner hat nach eigenen Angaben durch den Artikel in den OVB-Heimatzeitungen von der Angelegenheit erfahren und setzt darauf, dass Landrat Otto Lederer das Zustandekommen der Versicherungsabschlüsse im Kreistag erläutert und die Angelegenheit auch Thema im Aufsichtsrat der Romed-Kliniken wird. „Ich denke, wir Kreisräte haben ein Anrecht darauf, nicht nur über die Presse informiert zu werden.“ Es sei sinnvoll, den Ablauf des Verfahrens genau zu erklären.

Aufklärung durch den Landrat gehört für Sepp Lausch, Fraktionssprecher der Freien Wähler im Kreistag, zur „politischen Hygiene“. Aus seiner Sicht muss sich auch Klaus Stöttner erklären. „Er muss doch an Aufklärung selber größtes Interesse haben. Sonst bleibt mit Recht etwas an ihm hängen“, so Lausch. Der Kreisrat lässt aber keinen Zweifel daran, dass selbstverständlich erst einmal die Unschuldsvermutung für Stöttner gelte. Der derzeitige Umgang mit dem Thema schade aber der Demokratie insgesamt.

Da befindet er sich in Einklang mit Dieter Kannengießer, dem Fraktionssprecher der Parteiunabhängigen im Kreistag. Er spricht sich ebenfalls für eine öffentliche Aufklärung im Kreistag aus. „Wer meint, er müsse alles unter der Decke halten, der tut sich selber nichts Gutes“, ist Kannengießer überzeugt.

Stellungnahme
des Landrats

Stellvertretender Landrat Sepp Hofer (Freie Wähler), der für seine Partei auch im Bezirkstag sitzt, verlangt, dass alle Fakten auf den Tisch kommen. Sollte die Vergabe korrekt ausgeschrieben worden sein und das günstigste Angebot den Zuschlag erhalten haben, dann sei das „alles nicht so tragisch“, meint Hofer. Wäre Stöttners Agentur, der zum Zeitpunkt der Vertragsabschlüsse im Aufsichtsrat des Romed-Klinikverbundes saß, in die Versicherungsgeschäfte involviert, stelle sich allerdings die Frage, ob das klug gewesen sei. „Als Aufsichtsrat sollte man sich überlegen, ob die Agentur in diesem Fall überhaupt ein Angebot abgeben soll.“

Alexandra Burgmaier, Fraktionssprecherin der SPD, geht davon aus, dass der Landrat aufgrund der medialen Aufmerksamkeit für die erforderliche Information der Kreisräte sorgen wird. An Spekulationen will sie sich nicht beteiligen.

Landrat Otto Lederer hat sich in einer schriftlichen Stellungnahme mittlerweile kurz zu dem Vorgang geäußert. „Wenn die gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden, wie Ausschreibungsverfahren oder Compliance-Regeln, dann besteht aus meiner Sicht keine Veranlassung, Aufsichtsratsmitglieder schlechter zu stellen als andere Bewerber.“

Das bayerische Gesundheitsministerium antwortete auf OVB-Anfrage zu dem Vorgang, keinen Einblick in das Rechtsverhältnis einer Klinik mit Dritten zu haben.

Romed hat „Transparenzproblem“

Führen die beiden Versicherungsabschlüsse für den Klinikneubau zu einem Vorstoß der AfD im Kreistag? „Die Romed-Kliniken haben definitiv ein Transparenzproblem“, sagt Kreisrat Andreas Winhart. Das merke man daran, dass fast alle Angelegenheiten, die den Klinikbereich beträfen, nichtöffentlich besprochen würden. Die AfD-Kreistagsfraktion überlege deshalb, einen Antrag zur Änderung der Geschäftsordnung des Kreistages zu stellen. Zielsetzung: mehr Öffentlichkeit als bisher bei der Diskussion über Themen herstellen, die den Klinikverbund betreffen.tt

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