Rosenheim – Wegen der Corona-Pandemie müssen die Feiern am Samstag ausfallen, die Maibäume bleiben in den meisten Gemeinden einfach stehen. Dr. Martin Illner ist Professor für Holzbau und Ausbau an der Technischen Hochschule Rosenheim. Im Interview spricht Deutschlands „Maibaum-Papst“ über seine Kontrollen der traditionellen Stämme, Pilzbefall und das richtige Holz.
Professor Dr. Illner, wie viele Jahre stand der älteste Maibaum schon, den Sie jemals kontrolliert haben?
15 Jahre war der alt. Das war aber eine Lärche. In Oberbayern sind Maibäume meistens aus Fichten gemacht. Auf alle Fälle ist es immer ein Nadelbaum, wegen der Struktur.
Wer kontrolliert denn überhaupt Maibäume?
Es gibt kein Gesetz, das vorschreibt, dass sie geprüft werden müssen. Die Versicherungskammer Bayern macht aber bestimmte Vorgaben. Zwei Jahre nach dem Aufstellen soll der Baum von jemandem geprüft werden, der das Seminar „Holz im kommunalen Raum“ der Kammer besucht hat. Im dritten Jahr soll ein öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger den Maibaum begutachten. Vereine, Kommunen und Bauhöfe können ihn beauftragen. Das heißt aber nicht automatisch, dass alle Bäume, die älter als drei Jahre sind, abgebaut werden müssen. Da gibt es keine Obergrenze.
Wann muss ein Maibaum denn dann weichen?
Kritisch sind beim Maibaum die Schmucktafeln. Ein Waldbaum ist elastisch und schwingt hin und her, wird aber durch seine Wurzeln im Boden gehalten. Ein Maibaum steht statisch in seinem Metallkorsett. Wenn er dann von einem Pilz befallen ist, kann er bei einem Sturm über dem Stahlgestell abbrechen. Auch die traditionell meist weiß-blaue Farbe ist für den Baum eher kontraproduktiv. Denn wenn durch seine natürlichen Trocknungsrisse Regenwasser in das Innere eindringt, kann es wegen der Farbe neben den Rissen nicht mehr austrocknen. Dann wird der Baum innen immer nasser und die Pilze können das Holz zerstören.
Wie finden Sie heraus, ob ein Pilz einen Maibaum befallen hat?
Wenn der Pilz außen wächst, sieht man ihn. Für die, die innen wachsen, gibt es ein spezielles Bohrgerät. Mit dem bohre ich den Baum an. Dabei misst das Gerät, wie viel Strom es dafür braucht. Ist das Holz gesund, brauche es viel. Ist es krank, geht der Bohrer leicht rein. So kann man mit einer zwei Millimeter langen Bohrnadel die Holzfestigkeit im Inneren beurteilen. Interview: Alexandra Schöne