Hinfallen, Aufstehen, Krone richten, Weitergehen“, steht auf der Rückseite einer Postkarte, die ich mir aufhebe, denn der Spruch ist irgendwie eine Ermutigung. Er bringt zum Ausdruck, dass wir uns nach jeder Bruchlandung im Leben und aus jeder uns zugefügten Verletzung wieder erheben und neu beginnen können. Trotzdem stimmt der Spruch nicht ganz. Aus Krisen gehen wir zwar meist gereift, aber selten ohne Blessuren und nicht immer erhobenen Hauptes hervor. Die „Krone wieder gerade richten“ bedeutet dann nicht trotzig so zu tun, als wäre nichts gewesen. Es ist die Erinnerung an unsere ureigene, von Gott geschenkte menschliche Würde, die uns nichts und niemand nehmen kann. Im Monat Mai gedenken wir in unseren Gottesdiensten in besonderer Weise Maria, der Mutter Jesu. Sie wird auf vielen Bildern als gekrönte Königin dargestellt, obwohl die Bibel ein ganz anderes Bild von ihr zeichnet.
Dort ist von einem jungen Mädchen Maria die Rede, das sein Leben ganz in Gottes Hände hineingibt. Im Vertrauen auf seine Begleitung nimmt sie die Aufgabe ihres Lebens an und geht ihren Weg, ohne genau zu wissen, wohin dieser sie führen wird. Dass der moderne Mensch mit dem Bild der „gekrönten Himmelskönigin“ vielfach nichts mehr anfangen kann, liegt in der Natur der Sache. Wir sind oft nicht mehr bereit, hinter diese tiefen Bilder zu schauen. Der Weg Marias führt nicht an ein Ende, sondern zur Krone der Vollendung an ein großes Ziel. Deshalb ist „die gekrönte Maria“ mir sogar noch mehr Ermutigung als der Spruch auf der Postkarte.