Rosenheim – Hotels in der Region dürfen ab dem 21. Mai bei einem stabilen Inzidenzwert unter 100 wieder öffnen. Das gab Ministerpräsident Markus Söder nach der Kabinettssitzung am Dienstag bekannt (wir berichteten). Für die Betreiber in der Region ist das eine gute Nachricht, die allerdings mit Unsicherheit verbunden ist. Auch wenn noch nicht klar ist, ab wann ein Wert als „stabil“ gilt und wie die genauen Vorgaben aussehen, bereitet sich die Tourismusbranche auf eine mögliche Öffnung vor.
Perspektive mit
Fragezeichen
„Es ist endlich mal wieder eine Perspektive“, berichtet Christina Pfaffinger, Geschäftsführerin des Chiemsee-Alpenland Tourismus (CAT). Sie begrüßt die Aussicht auf eine baldige Wiedereröffnung, gibt aber zu bedenken, dass noch lange nicht alle Bedingungen dafür geklärt sind. So soll erst in der kommenden Woche feststehen, ob eine Übernachtung nur mit negativem Coronatest möglich ist, ob es Sonderrechte für geimpfte Gäste gibt und was passiert, wenn die Inzidenz wieder über 100 steigt. Solange diese und weitere Fragen nicht geklärt seien, bliebe für viele Unterkünfte nur eins: abwarten.
Für Jost Deitmar, Inhaber des Bad Aiblinger Romantikhotels Lindner, bedeutet das allerdings bereits jetzt eine intensive Vorbereitung. „Wir brauchen 14 Tage, um alles herzurichten und haben daher jetzt schon damit angefangen.“ Der Geschäftsführer möchte den Betrieb so früh wie möglich in vollem Umfang wieder aufnehmen. Dafür geht er auch das Risiko ein, erst ein oder zwei Wochen später öffnen zu können, sollten die Zahlen es zunächst noch nicht zulassen. Auch im Achental Resort Grassau sind bereits wieder alle Mitarbeiter reaktiviert, um sich auf ein volles Haus vorzubereiten. Denn schon vor einer möglichen Wiedereröffnung residieren dort zwischen dem 12. und 22. Mai die Fußballprofis des FC Bayern München im Rahmen ihres Trainingslagers. „Wir sind bereits dabei eine Grundreinigung durchzuführen, die Pools herzurichten und die Technik zu überprüfen“, berichtet Manager Patrick Schmidt. Inwieweit man danach auch für alle Gäste öffnet, ist aktuell noch nicht sicher. Wenn allerdings die Nutzung der Golfanlagen und Fitnessräume sowie die Handhabung der Bewirtung geklärt sind, wäre man bereit, wieder Urlauber zu empfangen.
Der Anfragen nach Übernachtungsmöglichkeiten sind in jedem Fall gestiegen, wie Claudia Kreier, Sprecherin des Chiemgau-Tourismus feststellt. Das Verlangen nach Urlaub ist zwar „ nicht ganz so hysterisch wie schon gehabt“. Dennoch wollen viele Einwohner im Landkreis die in Aussicht gestellte Reisemöglichkeit nutzen. Laut CAT-Leiterin Pfaffinger ist der Ansturm gerade für das Pfingstwochenende enorm. Eine gewisse Sorge um den wirtschaftlichen Aspekt plagt Theresa Albrecht, Rosenheimer Kreisvorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga). Sie ist sicher, dass es sich „für kaum jemanden rentiert aufzusperren“, da es dazu einiges an Vorbereitung braucht. Albrecht wünscht sich daher, die Öffnung nicht nur an den Inzidenzwert zu koppeln.
Ähnlich sieht es der Tourismuspolitische Sprecher Klaus Stöttner (CSU). Der Landtagsabgeordnete ist froh über den Lichtblick zu Pfingsten, ist aber mit der konkreten Umsetzung noch nicht glücklich. Er möchte das System mehr auf das sogenannte 3G-Prinzip, also auf Getestete, Geimpfte und Genesene auslegen, um von der Schwankung um die Zahl von 100 wegzukommen.
Betriebe halten
sich bereit
Nichtsdestotrotz ist man sich in der Tourismusbranche einig, auf dem richtigen Weg zu sein. Auch wenn die Details noch nicht geklärt sind, rüsten sich die Betreiber für den Wiederbeginn, wie Lindner-Hotel-Inhaber Jost Dietmar betont: „Auch wenn es sich wirtschaftlich noch nicht lohnt, emotional tut es das auf jeden Fall.“