Banger Blick auf steigende Zahlen

von Redaktion

Während sich der Inzidenzwert im Landkreis Rosenheim weitestgehend um die 100 bewegt, zeigt der Trend für die Stadt nach oben. Ein Mittelwert aus Stadt und Land ist nicht zulässig. Damit schwinden die Chancen auf mehr Präsenzunterricht.

Rosenheim – Betroffen von der steigenden Inzidenz sind zuvorderst die Grundschüler in Rosenheim. Bis zu einem Wert von 165 hätten die Jahrgänge eins bis drei ab Montag wieder zum Präsenzunterricht zurückkehren dürfen. Stichtag ist der heutige Freitag. Bleibt der Inzidenzwert über 165, hätte die Stadt diesen über drei Tage in Folge gerissen. Präsenzunterricht gäbe es dann weiterhin nur für die vierten Klassen.

„Wir müssen jetzt abwarten“, sagt die stellvertretende Leiterin des Staatlichen Schulamts Rosenheim, Angelika Elsner. „Wir würden uns freuen, wenn wir den Grenzwert morgen unterschreiten, aber das sind nun mal die gültigen Vorgaben“, sagt sie über eine mögliche Öffnung der Grundschulen für alle Jahrgänge.

Auch einpendelnde
Schüler betroffen

Auswirkungen hat die Entwicklung der Inzidenz in der Stadt aber im weitesten Sinn auch auf Schüler der städtischen Gymnasien und Realschulen, die aus dem Landkreis einpendeln.

Ihre Schulen müssen beim Distanzunterricht bleiben, wenngleich die Inzidenz im Landkreis sich seit Ende April um die 100 eingependelt hat. Rund 2100 Schüler sind davon betroffen. Hinzu kommen die Schüler der Fachoberschulen. Hier pendeln 662 der 1048 Schüler aus dem Landkreis nach Rosenheim.

Der Trend bei der Inzidenz für die Stadt Rosenheim geht derweil weiter nach oben. Diese ist vom 3. auf den 6. Mai (Stand 0 Uhr) um rund 31 Punkte auf nunmehr rund 173 angestiegen. Die Gründe hierfür bleiben unklar. „Die Entwicklung der Infektionsfälle im Stadtgebiet bewegt sich im normalen Schwankungsbereich“, sagt der Sprecher des Gesundheitsamts, Michael Fischer, auf Anfrage. Ausbrüche seien der Behörde nicht bekannt. Derweil ist die Inzidenz in vergleichbaren Städten wie Passau merklich gesunken und inzwischen weit unter der Marke von 100 bei 34 angelangt. Weshalb in der Stadt Rosenheim die Zahlen wieder ansteigen, darüber schweigt sich Oberbürgermeister Andreas März aus. Auf Nachfrage der OVB- Heimatzeitungen war keine Erklärung zu erhalten. Nur so viel: Er wolle sich an Spekulationen nicht beteiligen.

Forderung nach
gemeinsamem Wert

Wobei die Aussagekraft des Inzidenzwertes für die Stadt Rosenheim durchaus verzerrt ist: Jeder neue Infektionsfall schlägt sich naturgemäß stärker auf diese Zahl nieder als im Landkreis mit seiner größeren Einwohnerzahl.

Nicht zuletzt deswegen hatte März wiederholt gefordert, einen gemeinsamen Inzidenzwert für Stadt und Landkreis zu bilden. Unterstützung für diesen Vorschlag erhielt er zuletzt vom Rosenheimer Regionalausschuss der IHK München und Oberbayern. Auf der anderen Seite bricht der Inzidenzwert die Zahl der Ansteckungen pro Woche für jede Kommune auf 100000 Einwohner herunter.

Stadt und Kreis sind
rechtlich gebunden

Gleichwohl sieht die Stadt rechtlich keine Möglichkeit, einen gemeinsamen Wert bei den Inzidenzzahlen zu bilden, insbesondere beim Blick auf die Schulen. „Infektionsschutzrechtlich ist klar geregelt, dass die Inzidenz am jeweiligen Schulstandort maßgeblich ist. Hier haben Stadt und Landkreis keinerlei Regelungsmöglichkeiten“, sagt die Verwaltung auf Anfrage unserer Zeitung.

Damit wäre der Gesetzgeber gefragt. Das Kultusministerium des Freistaats jedoch scheint sich zur Frage, wie man mit Einpendlern aus Landkreisen an Schulen in kreisfreie Städte umgeht, noch keine Gedanken gemacht zu haben. Auf Anfrage verweist der stellvertretende Pressesprecher dort auf das Gesundheitsministerium. Eine Stellungnahme von diesem blieb bis Redaktionsschluss aus.

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