Rosenheim – Gerd Teschner ist sauer. Der 65-Jährige aus Rosenheim leidet unter starkem Asthma und der Darmerkrankung Morbus Crohn. Was ihm bislang fehlt: eine Impfung gegen das Corona virus. Teschner ist nur einer von vielen Lesern, die sich an die OVB Heimatzeitungen gewandt haben, weil sie nicht mehr wirklich verstehen, nach welchen Kriterien die Impftermine für die Zentren in Bayern vergeben werden. Denn: Während inzwischen viele junge Menschen einen Termin bekommen haben, warten ältere und mitunter vorerkrankte noch immer.
Vordringliches
Kriterium: Alter
Die Frage, wer wann eine Impfung erhält, hat mit den neuerlichen Beschlüssen in Bayern, aber auch im Bund, zur Lockerung von Beschränkungen für Geimpfte eine neue Qualität erlangt. Auch für jene, die nicht ob ihrer Gesundheit bangen müssen, sich noch eine Corona-Infektion zuzuziehen. Sondern auch für die, welche sich nach mehr Freiheit sehnen.
Dabei gibt es eine vorgegebene Reihenfolge, besser bekannt als Priorisierung. Die Empfehlung der Ständigen Impfkommission beim Bund ist Grundlage für die verbindliche Corona-Impfverordnung. Die Priorisierung unterscheidet dabei in erster Linie nach Alter. Zur Gruppe eins gehören alle, die das 80. Lebensjahr vollendet haben. Es folgen die Personen ab 70 und 60 Jahren in den Gruppen zwei und drei. Ebenso mit ein fließen Faktoren wie Beruf, Unterbringung, aber auch Vorerkrankungen.
Aus diesem Gesamtbild sollen idealerweise jene zuerst geimpft werden, die besonders gefährdet sind. „Die in Bayern eingesetzte Software BayIMCO richtet sich exakt nach dieser Verordnung. Die Priorisierung erfolgt automatisiert durch das Programm BayIMCO“, antwortet das bayerische Gesundheitsministerium auf Nachfrage der OVB Heimatzeitungen, warum augenscheinlich weniger gefährdete Personen vor gesundheitlich angeschlagenen bereits ein Terminangebot erhalten haben. Die Behörde verweist auf ein „Scoring“, also auf einen Wert, der sich aus der gewichteten Gesamtschau aller Faktoren ergibt.
Dieser bestimmt letztendlich, in welcher Priosierungsgruppe die Impfwilligen landen. Den exakten Algorithmus, der für die Ermittlung dieses „Scores“ Verwendung findet, will das Ministerium jedoch nicht weiter erläutern, „um Missbrauch zu verhindern“. Ohnehin tun sich die Behörden schwer damit, überhaupt den Überblick behalten zu können, welche Priorisierungsgruppen bereits eine Injektion erhalten haben. „Die konkreten Zahlen zu den Geimpften der einzelnen Priorisierungsgruppen lassen sich nicht ermitteln, da die Daten nach der Impfung aus Datenschutzgründen nicht mehr einsehbar sind. Darüber hinaus wird die Priorisierungsgruppe bei den in den Arztpraxen durchgeführten Impfungen nicht erfasst“, sagt ein Ministeriumssprecher.
Entsprechend kann auch die Stadt Rosenheim, die das gemeinsame Impfzentrum mit dem Landkreis leitet, ihre Impfstatistik nicht nach Alterskohorten aufschlüsseln: „Für die Dokumentation der Impfdaten wird eine landesweit einheitliche Software namens „BayIMCO“ verwendet.
Daraus können leider keinerlei Daten exportiert werden“, antwortet die Stadt auf Anfrage. Die Auswertung erfolge nur überregional über das Robert-Koch-Institut. Dort wiederum beziehen sich die Zahlen auf einzelne Bundesländer, nicht jedoch auf Regionen, Landkreise und Gemeinden.
Kein Überblick
über Altersgruppen
Das Rosenheimer Impfzentrum hingegen könne nur wöchentliche Fallzahlen zu Erst- und Zweitimpfungen im Impfzentrum, den Alten- und Pflegeheimen sowie den Krankenhäusern liefern. Nach dieser haben im Impfzentrum 30,06 Prozent der Einwohner in Stadt und Landkreis die erste Dosis erhalten, bei der zweiten beträgt der Wert rund 8,14 Prozent (Stand 9.Mai, 0 Uhr). Dabei wurden bislang 70980 Dosen des Wirkstoffs von Biontech/Pfizer verimpft, 15750 Dosen des Herstellers Astrazeneca und 8600 Dosen von Moderna.
Insgesamt liegt Rosenheim derzeit unter dem bayernweiten Schnitt. Im Freistaat haben bislang rund 32,1 Prozent eine Erstimpfung erhalten, rund neun Prozent die Zweitimpfung.