Brenner-Trasse: Bürger mit vielen Fragen

von Redaktion

Deutsche Bahn und Experten standen im Webcast Rede und Antwort

Rosenheim – Die Deutsche Bahn und die Österreichischen Bundesbahnen standen kürzlich Rede und Antwort zur Auswahltrasse für den Brenner-Nordzulauf. In einem Webcast hatten die Bürger die Gelegenheit, live Fragen zu stellen, die die Bahnexperten dann beantworteten.

Die Vorzugstrasse für den Brenner-Nordzulauf ist, wie berichtet, gefunden: mit einer Variante östlich des Inns („violette Trasse“). Gesamtprojektleiter Matthias Neumaier, sein Team und Fachplaner stellten sich nun virtuell in einem Webcast den Fragen der Bürger. Diese drehten sich um allerlei Themen wie Planfeststellungsverfahren, Trinkwasser, Tunnelbauweise, Flächenverbrauch, Fernverkehr, Überholgleise und Verknüpfungsstellen, Ertüchtigung der Bestandsstrecke und der Anschlüsse, Kosten und vielem mehr.

Vorstellung und
Auswahlverfahren

In der zweistündigen Online-Veranstaltung konnten Bürger ihre Fragen zwischen 18 und 20 Uhr in ein Textfeld eingeben, die die Experten dann beantworteten. Durch die Veranstaltung führte Moderator Ralf Eggert. Vom Planungsteam mit dabei waren neben Gesamtprojektleiter Matthias Neumaier Projektleiter Peter Kölbach, Gesamtprojektleiter der ÖBB, Christian Tradler, Teilprojektleiter, und Martin Eckert von der Planungsgruppe IBM.

Per Video zugeschaltet waren überdies Manuel Gotthalmseder und Wieland Steiger.

Am Anfang der Veranstaltung stellte das Projektteam komprimiert auf etwa 30 Minuten die Planungsschritte vor, die zur Entscheidung für die violette Trasse geführt hatten.

„Der Nahverkehr profitiert von der Neubaustrecke, denn er entlastet die Bestandsstrecke. Neue Gleise machen die Schiene wettbewerbsfähiger und wir ermöglichen neue Angebote im Fernverkehr“, sagte Gesamtprojektleiter Neumaier. Vier Gleise bedeuten laut Neumaier mehr Flexibilität. „Mit der Neubaustrecke leisten wir einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Bei vier der fünf Grobtrassen sind Vorschläge aus der Bevölkerung eingeflossen.“ Die Trasse Violett schneidet laut Gesamtprojektleiter in den Bereichen Raumverträglichkeit und Umwelt am besten ab. „Das große Ziel, gemeinsam mit der Region eine verträgliche Trasse zu finden, wird damit erreicht.“ Etwa 60 Kilometer der Strecke verliefen unterirdisch.

Seeton lässt westliche
Trassen ausscheiden

Erste Frage des Abends aus der Bevölkerung war: Warum bestehen bei den westlichen Trassen Realisierungs- und Genehmigungsrisiken? Projektleiter Christian Tradler erklärte, dass die westlichen Trassen den Zentralbereich des Rosenheimer Seetonbeckens queren. „In diesem Bereich besteht Seeton in breiiger Konsistenz bis in mehrere 100 Meter Tiefe. Unsere Berechnungen haben ergeben, dass Seeton für den Bau von Eisenbahnstrecken nicht geeignet ist.“

Dann folgten mehrere Fragen zum Bedarf und Planungsauftrag: Warum wird eine Neubaustrecke für schnelle Züge gebaut, wenn 80 Prozent der Züge Güterverkehrszüge sind? Welche Bedeutung hat der Bedarfsnachweis für die Planung? Welche Rolle spielt die Szenarienstudie? „Wir haben Grundlagen gegeben, wie wir im Bereich Österreich, Italien und Deutschland planen wollen, und für den deutschen Anteil ist die Planung im Bundesverkehrswegeplan geregelt. Unser Auftrag ist es, eine Mischverkehrsstrecke zu planen“, so Neumaier.

Die Überprüfung, inwieweit der Bedarf gegeben ist, werde in den weiteren Jahren erfolgen. „Wenn wir die Trasse ausreichend tief beplant haben, wird sich der Bedarf nach unserer Sichtweise ergeben. Die Bahn wird das Projekt mit ihren Berichten im Jahr 2025 dem Bundestag vorlegen. Dort wird dann entschieden, ob das Ergebnis der Planungen weitergeführt wird.“

Zur Frage nach den Gesamtkosten für das Projekt erläuterte der Gesamtprojektleiter, dass man sich in einer Bandbreite von 6,7 bis 7,2 Milliarden Euro bewege. „Die Wirtschaftlichkeitsprüfung wird durch das Ministerium erfolgen. Ergebnisse sind bis Ende des Jahres 2023 zu erwarten“, so Neumaier.

Christian Tradler ging auf Fragen nach der Ertüchtigung der Bestandsstrecke ein. Diese werde bis Ende der 2020er-Jahre mit dem europaweiten ECTS-System ausgebaut. Infrastrukturelle Arbeiten an der Bestandsstrecke seien nicht vorgesehen.

Wird Rosenheim
abgeschnitten?

Eine weitere konkretere Frage zu den Planungen war: Bleibt Rosenheim noch in Zukunft am Fernverkehr ausreichend angeschlossen? Matthias Neumaier sagte hierzu: „Ja. Die Grundlage dafür bildet der dritte Grundlagenentwurf des Deutschlandpaktes. Es ist aktuell und auch in Zukunft eine zweistündige Anbindung an Rosenheim vorgesehen.“

Weitere Fragen waren: Bekommen die Landwirte eine Ausgleichsfläche? Wie viel wird den Landwirten als Ausgleich pro Quadratmeter gezahlt? Können Grundstücke zwangsenteignet werden? Wie hoch sind die Entschädigungen für Landwirte? Was ist mit existenzgefährdeten Landwirten? Neumaier sagte hierzu: „Wir wissen jetzt, welche Trasse wir haben, diese Fragen werden erst im weiteren Verlauf erläutert.“ Es werde aber natürlich ein Gesprächsangebot für die Landwirte geben.

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