Rosenheim – Die dritte Welle scheint ausgebremst, die Corona-Fallzahlen in Stadt und Landkreis Rosenheim pendeln sich ein – wenn auch in einer „Plateauphase“, wie es das Staatliche Gesundheitsamt Rosenheim in seinem aktuellen Lagebericht beschreibt. Die Sieben-Tage-Inzidenz für den Landkreis bewegte sich gestern bei 102,6. Die Stadt Rosenheim lag bei 171,5.
Für die gesamte Region bedeutet das: Die Schwelle 100 ist nach wie vor überschritten, Lockerungen, wie das Öffnen von Biergärten und der Außengastronomie, sind damit weiterhin nicht machbar. In anderen Regionen mit einer Inzidenz unter 100 wird ein Biergartenbesuch indes ab Montag, 10. Mai, möglich sein.
Hierl: „Infektionen
breiten sich aus“
Dennoch entspannt sich insbesondere im Landkreis die Lage, tageweise wurde vergangene Woche bereits die Marke 100 unterschritten. Anders in der Stadt Rosenheim: Dort stiegen die Zahlen zuletzt an. Hier wird aktuell auch die Marke 165 gerissen, die zumindest Schulöffnungen ermöglichen würde. Gesundheitsamtsleiter Dr. Wolfgang Hierl dazu: „In der Stadt Rosenheim sehen wir insgesamt einen leicht ansteigenden Trend. Die Infektionen breiten sich dort noch ungehindert aus. Insgesamt ist es also zu früh, um für die Region Entwarnung zu geben.“
Die gute Nachricht für den Landkreis: Dort werden am Montag alle Grundschüler in den Unterricht (Präsenz- oder Wechselunterricht) zurückkehren können – in der Stadt Rosenheim muss dazu die Inzidenz erst unter 165 sinken.
Die aktuelle Lage in der Region: Im Verlauf der Woche wurden dem Gesundheitsamt Rosenheim täglich zwischen 18 und 90 neue Fälle (insgesamt 437 Neumeldungen) gemeldet (28. April: 309).
Seit Beginn der Pandemie sind insgesamt 17012 Fälle von Covid-19 in Stadt und Landkreis aufgetreten (Landkreis: 13253, Stadt: 3759). 75 Prozent der seit 1. April positiv Getesteten liegen im Altersbereich zwischen 15 und 59 Jahren. Nur zwei Prozent fallen auf die Senioren ab 80 Jahren. Mittlerweile wurde bei mindestens 15376 Personen offiziell eine Genesung dokumentiert.
509 Personen (+5 gegenüber der Vorwoche) sind bis zu diesem Zeitpunkt an der Erkrankung gestorben (Landkreis: 450, Stadt: 59), drei dieser Verstorbenen waren zwischen 60 und 80 Jahre, zwei über oder gleich 80 Jahre. Einer dieser Verstorbenen war in einem Heim betreut worden.
70 Prozent der Fälle
eine Virusvariante
Bislang wurden dem Gesundheitsamt 2487 Fälle (Landkreis 1868, Stadt 619) einer bestätigten besorgniserregenden Variante gemeldet (im Mai: 70 Prozent aller Fälle). In einem Fall handelt es sich um die südafrikanische Variante (B1.351), über den bereits berichtet wurde, in drei Fällen (ein neuer Fall, familiäre Häufung im Landkreisgebiet) um die brasilianische Variante (P.1) und in allen anderen Fällen um die britische (B.1.1.7).
Dr. Michael Städtler, Ärztlicher Leiter Krankenhauskoordinierung für den Rettungsdienstbereich Rosenheim, erläutert zur Lage in den Kliniken: „Stand gestern waren 21 Prozent der Intensivbetten mit Covid-19 belegt sowie ein Prozent aller Normalbetten. Auf den Intensivstationen in Stadt und Landkreis Rosenheim werden derzeit 21 Patienten mit oder wegen Covid-19 behandelt, verteilt auf das Romed-Klinikum Rosenheim, die Romed-Klinik Wasserburg sowie die Schön Kliniken in Bad Aibling und Vogtareuth. „Die Situation hier ist angespannt, aber beherrschbar.“ Auf den Normalstationen wurden zuletzt 52 Patienten behandelt.
Über 62 Prozent aller Neuinfektionen finden laut Gesundheitsamt aktuell im privaten Umfeld Familie und Freundeskreis statt. Gleichzeitig macht Behördenleiter Dr. Hierl inzwischen eine „gewisse Müdigkeit“ oder „Unwillen in Teilen der Bevölkerung“ aus, sich an die Hygiene- und Abstandsregeln zu halten. „Wir dürfen nicht riskieren, dass durch Unachtsamkeit, Unvernunft oder Leugnung der Realität die Infektionszahlen wieder durch die Decke gehen und so schweren Erkrankungen den Weg bereiten. Auch wenn die Impfungen in der Region schon weit fortgeschritten sind, so gibt es weiterhin eine sehr große Zahl vulnerabler Personen aufgrund Alters oder schwerer chronischer Grunderkrankungen.“
Das Gesundheitsamt beobachtet auch weiterhin viele Infektionen am Arbeitsplatz (zwölf Prozent).
Aktuell sorgt ein Corona-Ausbruch im Wendelstein-Käsewerk Bad Aibling für Aufmerksamkeit, wo im April zehn positive Fälle aufgetreten sind und in der Folge durch Reihentestungen sechs weitere Infizierte hinzukamen. Möglicherweise resultieren aus weiteren Ansteckungen aus diesem Umfeld auch die aktuell hohen Fallzahlen in der Stadt Bad Aibling mit +39 binnen einer Woche.
Gute Nachrichten gibt es aus den Kliniken, Pflege- und Behindertenheimen: Hier wurden in dieser Woche keine neuen Infektionserkrankungen gemeldet. Als Lichtblick sieht das Gesundheitsamt, dass kaum mehr Infektionen bei Bewohnern von Heimen auftreten. „Dies ist ein großer Erfolg der Impfungen in den Einrichtungen“, so Hierl.
Ausbrüche in
Kitas und Schulen
Weiterhin ereignen sich indes einzelne Fälle und Ausbrüche in Schulen und Kitas (1 Prozent; Details siehe Infobox). In dieser Woche erhielt das Gesundheitsamt fünf Meldungen von positiven Selbsttests: vier stammten aus Schulen (vier Schüler) und einer aus einem Kindergarten (Mitarbeiter). Davon sind insgesamt zwei mit positivem PCR bestätigt worden.
Überwiegend werden die Fälle laut Gesundheitsamt im Rahmen von Untersuchungen bei der Kontaktpersonennachverfolgung (circa 42 Prozent) und bei Testungen aufgrund von Symptomen (circa 38 Prozent) entdeckt. Etwa zwölf Prozent der Fälle werden im Rahmen von Reihentestungen aufgedeckt.
Fortschritte bei
den Impfungen
Weiter Fortschritte macht die Region bei den Impfungen: Insgesamt sind inzwischen 94260 Erstimpfungen und 24307 Zweitimpfungen erfolgt. Die Impfquote in der Region hängt indes weiterhin dem bayern- und bundesweiten Durchschnitt hinterher: mit 29,01 Prozent bei den Erstimpfungen und 7,48 Prozent bei den Zweitimpfungen (Bayern: Erstimpfung 32,1, Zweitimpfung 8,3 Prozent; Deutschland: Erstimpfung 31,5, Zweitimpfung 8,8 Prozent; Stand 6. Mai).
Die niedergelassenen Ärzte haben inzwischen einen beträchtlichen Anteil am Impferfolg: Sie führten von Ende März an bereits 24797 Erst- und Zweitimpfungen durch.