Rosenheim/Prien – Auf Hochtouren laufen die Ermittlungen der Kriminalpolizei Rosenheim sowie der Staatsanwaltschaft Traunstein gegen Stefan H., einen falschen Arzt, der in den Impfzentren Rosenheim und Karlsfeld gegen Entgelt beschäftigt war. Der 49-Jährige hat laut Polizei keine gültige Approbation als Arzt und hat sich durch seinen medizinischen Einsatz im Februar und März strafbar gemacht. Rund 1400 Patienten hat der angebliche Mediziner bei den Corona-Impfungen beraten oder die Spritze verabreicht.
Vernehmungen
persönlich
und per Post
Aktuell werden diese Impflinge als Zeugen befragt. Anhand der sichergestellten Unterlagen wurden die Zeugen ermittelt. Neben einigen persönlichen Vernehmungen erhalten die meisten Betroffenen ein Schreiben der Kriminalpolizei samt vierseitigem Fragebogen. Einer der Zeugen ist der Vater der Autorin. Über dessen Impftermin und Erfahrungen im Rosenheimer Impfzentrum gab es eine ausführliche Reportage samt Fotos.
„Angst aufzufliegen, hatte er wohl keine. Anders lässt es sich nicht erklären, dass er sich bereit erklärt hat, mit Foto und Namen in dem Bericht zu erscheinen“, sagt Josef Mischi, der überrascht von dem Schreiben der Kriminalpolizei war. Er muss zum einen generelle Fragen rund um den Impftermin, zu Medikationen und der Einverständniserklärung zur Impfung beantworten. Dann geht es an die Beschreibung des Impf-Prozederes.
Die Kriminalpolizei will unter anderem wissen: „Wie hat sich der ,Arzt‘ vorgestellt?“, „Welche Tätigkeiten hat dieser bei Ihnen vorgenommen?“, „Welchen Eindruck hatten Sie vom Arzt?“, „Wurden persönliche Unterlagen vor der Durchführung der Impfung mit/von dem Impfarzt durchgesehen?“, „Traten während oder nach der Impfung körperliche Beschwerden auf?“, „Konnten Sie bei dem ,Arzt‘ aus Ihrer Sicht fachliche Mängel oder Laienhaftigkeit feststellen?“.
Wie die Impfung von Josef Mischi abgelaufen ist, ist im Impf-Artikel vom März wie folgt dokumentiert: „… Ist der Film zu Ende, wird der Impf-Kandidat abgeholt und zur Impfstation gebracht. In diesem Raum sind drei Personen. Die erste Helferin nimmt die Papiere und Aufklärungsschreiben entgegen. Der Arzt, bei uns Dr. Stefan H., führt noch einmal ein Aufklärungsgespräch durch, fragt Medikamente und allergische Reaktionen ab. Derweil richtet Cäzilia Rott als medizinische Fachangestellte bereits alles her und desinfiziert den Arm von Josef Mischi. Der 84-Jährige hat sich für den linken Arm entschieden. Auch das wird vermerkt. Und sitzen will er, wenn der Piks kommt …“.
Im Impfzentrum Rosenheim wirkte Stefan H. von Anfang Januar 2021 bis 24. März an über 1300 Impfungen mit, wobei er jeweils die zu impfende Person aufklärte, aber die Verabreichung des Impfstoffs an eine medizinische Fachkraft delegierte. Eine eigenhändige Verabreichung von Impfstoff durch den Beschuldigten in Rosenheim ist bislang nicht bekannt. In Karlsfeld dagegen hat der falsche Arzt auch zur Spritze gegriffen.
Stefan H. befindet sich aktuell in Untersuchungshaft. Gegen den aus dem Landkreis München stammenden Mann kam auf Anzeige des Malteser Hilfsdienstes der Verdacht auf, dass der 49-Jährige über keine Zulassung als Arzt verfügt und seine Einstellung mittels einer gefälschten Approbationsurkunde erschlichen hat. Nach dem aktuellen Ermittlungsstand kam es bei den betroffenen Geimpften zu keinen gesundheitlichen Komplikationen, die nicht typische Nebenwirkungen einer Corona-Schutz-Impfung waren.
Verdacht auf Betrug,
Körperverletzung und
Urkundenfälschung
Es wird unter anderem wegen Verdacht der Urkundenfälschung, Betrug und Körperverletzung gegen Stefan H. ermittelt. Der Verdacht der Körperverletzung besteht, da der Beschuldigte nicht über die erforderliche Qualifikation als Arzt verfügt und damit bereits die (angeblich) ärztliche Mitwirkung an einer Impfung beziehungsweise die Verabreichung der Injektionen juristisch unter den Tatbestand der Körperverletzung fällt, auch wenn es zu keinerlei Schädigungen der Geimpften kam. Dem Beschuldigten droht eine Gesamtfreiheitsstrafe von bis zu 15 Jahren.