Rosenheim/Traunstein – Erstimpfungen an den Impfzentren werden in den kommenden Wochen Mangelware. Die Landratsämter in Rosenheim, Traunstein und Mühldorf haben übereinstimmend gemeldet, Erstimpfungen an den Impfzentren in den kommenden Wochen nur noch eingeschränkt vornehmen zu können.
Es werde verimpft, was verimpft werden könne. Das hatte Rosenheims Landrat Otto Lederer (CSU) den OVB-Heimatzeitungen zuletzt auf Anfragen geantwortet. Wie sich mit zunehmender Klarheit herausstellt, hakt es genau dort: an der Menge, die verimpft werden kann. Der Nachschub an Impfstoff an die Zentren fällt nicht groß genug aus, um Erstimpfungen im gewünschten oder notwendigen Umfang vornehmen zu können. Die Erstimpfungen werden daher in den kommenden Wochen stark zurückgehen. Zugunsten der Zweitimpfungen.
Konzentration
auf einen Termin
Ab Montag, 24. Mai, wird es eng. Ab diesem Tag wird der Impfstoff „vollumfänglich für Zweitimpfungen benötigt“, heißt es aus dem Landratsamt Traunstein. In den Impfzentren in Altenmarkt an der Alz und in der Chiemgau-Halle in Traunstein werden dann nach Angaben der Behörde durchschnittlich 5500 Zweitimpfungen pro Woche durchgeführt. Damit scheint das Kontingent weitestgehend aufgebraucht.
Man gehe aktuell davon aus, dass Erstimpfungen voraussichtlich bis in die Kalenderwoche 25 hinein – das bedeutet, bis über den 15. Juni hinaus – „nur in sehr geringem Umfang möglich sind“, heißt es in einer schriftlichen Antwort des Landratsamtes auf die Nachfragen der OVB-Heimatzeitungen.
Es ist der Termindruck, der die Impfzentren zur Bevorzugung der Zweitimpfungen und zu Einschränkungen bei den Erstimpfungen bewegt. Schließlich empfiehlt die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut (Stiko) für Biontech-Pfizer einen Abstand von sechs Wochen zwischen erster und zweiter Impfung.
„Jetzt müssen erstmal die Zweitimpfungstermine eingehalten werden“, sagt daher Christian Schwalm als Sprecher der Stadt Rosenheim, die federführend für das von Stadt und Landkreis gemeinsam getragene Impfzentrum an der Loretowiese ist. Da gebe es auch keinen Spielraum, betont der Sprecher: „Die Termine sind fest.“
Immerhin: Niemand, der noch einen Termin fürs erste Mal ergattert hat, muss um seine Dosis fürchten. Man habe sich darauf eingestellt und von vornherein weniger Termine vereinbart, heißt es wiederum übereinstimmend aus dem Rathaus der kreisfreien Stadt Rosenheim und dem Landratsamt in Traunstein.
Bestehende Termine
werden eingehalten
Der Schwund ist aber beachtlich. Rund 6500 Erstimpfungen wurden etwa in der vergangenen Woche im Rosenheimer Impfzentrum vorgenommen; ab kommender Woche soll die Zahl zunächst auf 2900 sinken, damit rund 7100 Menschen ihre dringend benötigte zweite Dosis Biontech-Pfizer empfangen können.
Es kommt offenbar weiterhin nicht so viel Stoff bei den Impfzentren an, wie gebraucht wird. Das Bundesgesundheitsministerium verweist auf die Zuständigkeit der Länder. Die Planung und Durchführung der Impfungen liege in deren Verantwortung.
„Die Länder organisieren und betreiben die Impfzentren und die mobilen Impfteams“, der Freistaat sei also die richtige Adresse. Nach Auskünften der Regierung von Oberbayern werden die Impfdosen gemäß Bevölkerungsanteil verschickt. Was in Bayern ankommt, weist die koordinierende Stelle am Landesamt für Gesundheit in Erlangen den Regierungsbezirken zu. Die Koordinierungsstelle an der Regierung von Oberbayern wiederum teilt diese Kontingente je nach Bevölkerungsanteil den Impfzentren zu. Nach den Worten von Staatsminister Klaus Hole-tschek (CSU) liegt der Zurückhaltung bei den Erstimpfungen in den kommenden Wochen ein Plan zugrunde.
Bayern habe, wie die anderen Bundesländer auch, auf eine hohe Impfrate an Erstimpfungen gesetzt, um möglichst vielen Menschen schon mit einer ersten Impfung einen gewissen Schutz zu geben. Gerade in den Wochen seit 5. April seien „nahezu ausschließlich“ Erstimpfungen durchgeführt worden. Die dazu fälligen Zweitimpfungen würden nun verabreicht, mit 1,1 Millionen Zweitimpfungen in ganz Bayern für die kommenden vier Wochen.
Engpässe bei
den Hausärzten
Die Corona-Erstimpfungen seien in Bayern weiterhin möglich, sagt Hole-tschek, sie würden aber schwerpunktmäßig durch niedergelassene Haus- und Fachärzte angeboten. Die bekommen aber nach wie vor viel weniger Impfstoff, als sie eigentlich verimpfen könnten. Das ergaben kürzlich Recherchen der OVB-Heimatzeitungen. Nicht genug, dass sie weit weniger Dosen erhalten, als sie für die Erstimpfungen vergeben könnten, klagten zuletzt zahlreiche Hausärzte darüber, die Dosen für die bereits längst vereinbarten zweiten Impftermine nicht zu erhalten. Wie berichtet, sagte eine Reihe von Ärzten bereits Termine ab.
Hausärzte in der Region Rosenheim erneuern daher ihre Kritik an der Zuteilung des Impfstoffs. Wie das ganze Verfahren ablaufe, sei einer Demokratie nicht würdig, sagt Dr. Nikolaus Klecker, Bezirksvorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbands mit Praxis in Rosenheim. Es sei „intransparent und nicht nachzuvollziehen.“