Irschenberg/Bruckmühl – Manchmal reichen schon wenige Sekunden, um den Lauf des Lebens drastisch zu verändern. Dominik Niggl aus Irschenberg kann diese Sekunden genau festmachen. Es war am 16. Januar, ein Samstag. Zusammen mit einem Freund hatte der 24-Jährige einen Ausflug zu den Durhalmer Almen bei Fischbachau gemacht.
Beim unbeschwerten Springen im Tiefschnee passierte es dann: Dominik schlug mit dem Kopf auf einen vom Schnee verdeckten Stein auf. Ein Knacken – und auf einmal war da kein Gefühl mehr. Per Rettungshubschrauber wurde er in die Unfallklinik nach Murnau geflogen. Diagnose: Bruch des sechsten Halswirbels – Dominik war vom Hals abwärts gelähmt.
Seine Schwester Magdalena wurde am selben Nachmittag noch telefonisch über den Unfall ihres Bruders informiert. Für die 26-Jährige, die als Erzieherin im Kindergarten arbeitet, ein unsagbarer Schock. „Mein erster Gedanke war: Nein, bitte nicht!“, erinnert sie sich. „Nicht mein kleiner Bruder.“
Denn Dominiks Unfall war nicht der erste Schicksalsschlag, den die junge Frau mit ihrer Familie wegstecken musste. 2015 starb ihre Mutter, und die damals 20-Jährige musste für ihren Bruder sowie die beiden Schwestern (heute 14 und 16) die Mutterrolle übernehmen. Dann verstarb 2019 auch ihr Vater nach langer, schwerer Krankheit. Magdalena und Dominik waren nun auf sich allein gestellt. Ihre beiden Schwestern leben mittlerweile bei ihrer Tante und ihrem Onkel. Und gerade, als ihr junges Leben wieder in normale Bahnen zurückkehrte, passierte Dominiks schwere Verletzung.
Eine schwere und
ungewisse Zukunft
Vor dem lebensfrohen jungen Mann, der gerne Motorrad fuhr, reiste und im elterlichen Haus mit Freude die Handwerkeraufgaben übernahm, liegt eine ungewisse, schwere Zukunft. Statt nach seiner Schulzeit in Bruckmühl, wo er noch viele Freunde hat, als gelernter Industriemechaniker im Sommer den Abschluss an der Technikerschule in München zu machen, wartet er auf eine Reha. Doch egal, wie gut diese auch verlaufen mag: Er wird zeit seines Lebens ein Pflegefall bleiben.
Und wieder ist seine große Schwester gefordert. „Wir wollen versuchen, ihm ein Leben zu ermöglichen, das er so selbstständig wie nur möglich bestreiten kann“, sagt sie. Der Plan: die Garage des väterlichen Hauses in Irschenberg so in eine Wohnung umzubauen, dass sie barrierefrei mit dem Rollstuhl zu befahren ist und Dominik möglichst viel über sein Handy ansteuern kann – das Licht an- und ausschalten, das Fenster öffnen und schließen, die Rollos bedienen. „Die Technik kann da viel helfen und einiges ausgleichen, aber das ist auch teuer.“ Zu teuer für die Geschwister, die zwar ein Dach über dem Kopf haben, aber dennoch nicht wissen, wie es weitergehen soll.
In ihrer Verzweiflung haben Dominik und Magdalena nun eine Spendenaktion gestartet. Ihre Hoffnung: Ein wenig Unterstützung bekommen, um eine kleine Perspektive zu haben. Nicht zuletzt ist da auch der Wunsch ihres Bruders, noch ein bisschen Selbstständigkeit zu behalten. „Für ihn wäre es ein Lichtblick. Seine Finger kann er leider nicht mehr bewegen, aber den Arm“, erzählt die große Schwester. „Damit kann er mit einem auf seine Faust gesteckten Touch-Stift das Handy bedienen. Das klappt immer besser.“
Auf jeden Fall wollen Magdalena Niggl und ihr Bruder Dominik kämpfen – wie es auch ihr Vater während seiner Krankheit getan hat. „Er hat uns gezeigt, was Stärke ist“, sagt sie. „Er ist für uns ein großes Vorbild.“ Umso mehr in dieser schweren Zeit.