Rosenheim – Die Infektionskurve sinkt, die Stimmungskurve steigt: Die kreisfreie Stadt Rosenheim lag am Freitag, 28. Mai, den fünften Tag in Folge unter 50. Damit könnten am Sonntag weitere Lockerungen wie die Öffnung der Außengastronomie für Gäste ohne zuvor absolvierten Test kommen. Sollte sich der Trend fortsetzen, dürften ab Dienstag Erleichterungen auch für den Landkreis folgen, etwa mit der Öffnung von Geschäften, entsprechende Hygienemaßregeln vorausgesetzt. Die Region Rosenheim ist keine Insel, auch bei den Nachbarn entspannt sich die Lage weiter. Im Landkreis Traunstein etwa (Inzidenz 45,1) blickt man auf mehrere Tage unter 50 zurück, auch hier gibt es demnächst Lockerungen.
Am gestrigen Freitag, 0 Uhr, lag die Sieben-Tages-Inzidenz für den Landkreis bei 36,0, für die Stadt bei 44,1. Das sind Werte, wie sie seit Anfang Oktober nicht mehr festgestellt worden waren. Am Dienstag wurde im Gesundheitsamt für den Landkreis Rosenheim keine einzige Infektion registriert.
Dr. Wolfgang Hierl, Leiter des Gesundheitsamtes, zeigte sich denn auch weiterhin erleichtert über den schnellen und stabilen Abwärtstrend. Allerdings beschleiche ihn ein „leichtes Unbehagen“, wenn er das Treiben etwa in den Fußgängerzonen sehe, sagte Hierl.
Britische Variante
dominiert Geschehen
Stabil erscheint die Lage auch mit Blick auf die besorgniserregenden Varianten des Coronavirus. Sie machen nach wie vor den größten Teil der Infektionen aus, im Mai lag ihr Anteil bei etwa zwei Dritteln. Bislang registrierte das Gesundheitsamt 2883 Fälle von VOC, wobei die britische Variante B.1.1.7 dominiert.
Nichts Neues gibt es bei den zwei Fällen der indischen Variante, die vergangene Woche festgestellt worden waren. „Bislang konnten unsere Ermittlungen keine Ursache für eine relevante Infektionsquelle ergeben“, hieß es dazu aus dem Landratsamt. Es seien aber auch keine Folgefälle bekannt geworden.
Der Rückgang der Infektionen ist sicherlich auch dem Fortgang der Impfkampagne geschuldet. Insgesamt sind seit Impfstart Ende vergangenen Jahres etwa 120300 Impfungen vorgenommen worden, vor allem im gemeinsamen Impfzentrum von Stadt und Landkreis Rosenheim auf der Loretowiese. 81100 davon waren Erstimpfungen, 39156 Zweitimpfungen.
Seit gut zwei Monaten werden Impfungen auch in Arztpraxen durchgeführt. Bis einschließlich Donnerstag verabreichten die niedergelassenen Ärzte bereits 50748 Erst- und Zweitimpfungen.
Belastungen für
Kliniken schwinden
Auch wenn die dritte Welle der Pandemie tatsächlich auszulaufen scheint, so sterben doch immer noch Menschen in Zusammenhang mit Covid-19. Zwei Tote verzeichnete das Gesundheitsamt vergangene Woche, insgesamt 511. Seit vergangenem Freitag wurden dem Gesundheitsamt 196 neue Fälle für die Region gemeldet, in der Woche zuvor waren es 302 gewesen. Bisher sind insgesamt 17496 Fälle von Covid-19 registriert (Landkreis: 13634, Stadt: 3862. 16103 Infizierte gelten als genesen. Die Entspannung zeichnet sich auch in den Krankenhäusern ab. 65 (vergangenen Freitag: 71) Covid-19-Patienten werden aktuell in Stadt und Landkreis stationär behandelt, 19 davon (20) auf einer Intensivstation.
Drei von vier Neuinfizierten seit April wurden in dem Altersbereich zwischen 15 und 59 Jahren festgestellt, nur 2 Prozent waren 80 Jahre und älter. Mit rund 260 Fällen war vor allem die Altersklasse zwischen 20 und 24 stark vertreten. Neben Rosenheim wurde lediglich für Bad Aibling noch eine zweistellige Zahl an Infektionen registriert (11).
Die Statistiken des Gesundheitsamtes machen auch deutlich, wo sich der Großteil der Infektionen abspielt: Über 70 Prozent der Menschen stecken sich im Kreise der Freunde und Bekannten sowie innerhalb der Familie an.
Während der Ferien steht der Nachwuchs nicht wie sonst unter Beobachtung, damit hängen die niedrigen Zahlen bei den Jungen zusammen. Lediglich bei der Kinderkrippe St. Laurentius in Ostermünchen (vier Fälle) und im Kindergarten St. Nikolaus (1) in Rosenheim gab es positive Tests.