Rosenheim – Um die Impfungen gegen das Coronavirus voranzutreiben, hat es in Rosenheim einen Astrazeneca-Impftag gegeben. Hunderte Menschen aus der Region haben sich am Samstag – ganz ohne Priorisierung – einen ersten Corona-Schutz im Impfzentrum geholt. Möglich gemacht hat das eine Sonderzuteilung von 500 Dosen des Wirkstoffs durch das bayerische Gesundheitsministerium.
Endlich der lang
ersehnte Piks
Hände desinfizieren, Fieber messen, ein Aufklärungsgespräch und schließlich der lang ersehnte Piks in den linken Arm: Für Marion Eisenschmid (50) aus Kiefersfelden hätte der Start ins Wochenende nicht besser beginnen können. „Ich habe mich schon die ganze Woche auf meine Impfung gefreut“, sagt sie. Nachdem sie einen Termin bei der Sonderimpfaktion ergattern konnte, habe sie etliche Leute angerufen, um die frohe Botschaft zu verkünden. Bedenken, dass sie mit einem Vakzin geimpft wird, das auf Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) in erster Linie an über 60-Jährige verabreicht werden soll, gab es für sie nicht. „Für mich ist Astrazeneca kein Impfstoff zweiter Wahl“, sagt sie.
30 Menschen
machen Rückzieher
Damit sie trotz ihres Alters mit Astrazeneca geimpft werden kann, braucht es laut der STIKO ein Aufklärungsgespräch. Das übernimmt in Marion Eisenschmids Fall die Krankenschwester Kristina Eisner. Die beiden Frauen tauschen sich aus und Eisner klärt ihrem Impfling über möglichen Risiken auf. An Marion Eisenschmids Entscheidung, sich impfen zu lassen, ändert das jedoch nichts.
Dass das nicht immer der Fall ist, zeigt das Beispiel von Edda Reuber. Die 52-Jährige kommt aus Bad Aibling und hat sich in den vergangenen Tagen bereits viele Gedanken über die bevorstehende Impfung gemacht. „Ich bin sehr aufgeregt“, sagt sie, während sie auf ihr Aufklärungsgespräch wartet. Sie weiß, was über den Impfstoff gesagt wird, weiß, dass ihr viele aufgrund ihres Alters und Geschlechts von einer Impfung mit Astrazeneca abraten würden. Angemeldet hat sie sich trotzdem. „Mir geht es weniger um die Freiheiten und mehr um meinen persönlichen Schutz. Ich habe Angst Corona zu bekommen“, sagt sie. Nachdem sie sich bereits auf zahlreiche Wartelisten hat setzen lassen, hat sie beschlossen, das Angebot des Sonderimpftags wahrzunehmen. Doch nach dem Aufklärungsgespräch mit der Ärztin über mögliche Risiken entscheidet sich die 52-Jährige letztendlich doch gegen die Impfung. „Ich traue mich jetzt nicht mehr“, sagt sie, kurz bevor sie sich wieder auf den Heimweg macht.
Insgesamt 30 Impflinge haben sich nach dem Aufklärungsgespräch gegen eine Impfung entschieden. Die Termine, die am Tag selbst nicht wahrgenommen wurden, seien laut dem Leiter des Impfzentrums Hans Meyrl sofort wieder im Registrierungsportal freigegeben worden. „Insgesamt konnten wir somit 490 Dosen verimpfen“, sagt er. Und das obwohl er sich zu Beginn der Aktion nicht einmal sicher gewesen sei, ob das Angebot aufgrund des schlechten Rufs des Impfstoffs tatsächlich angenommen werden würde. Mittlerweile weiß er, dass seine Sorgen unbegründet waren. „Innerhalb eines Tages waren alle Termine weg“, sagt er. Glücklich, dass sie trotz des Ansturms noch einen Termin bekommen haben, sind auch Harry Landmann (53) aus Flintsbach und Michael Pösl (39) aus Großkarolinenfeld. „Ich glaube, der Impfstoff Astrazeneca hat zu Unrecht einen schlechten Ruf“, sagt Landmann während er sich die Hände desinfiziert und anschließend seinen Personalausweis vorzeigt.
Lob für
professionelle Arbeit
Ähnlich äußert sich Michael Pösl nach seiner Impfung. Er habe sich sofort für einen Termin registriert, nachdem er von dem Impftag erfahren hat, und lobt die professionelle Arbeit der Mitarbeiter des Impfzentrums. So waren unter anderem 30 Mitarbeiter des Malteser-Hilfsdienstes im Einsatz, die für einen reibungslosen Ablauf auf den sechs Impfstraßen, die am Samstag in Betrieb waren, gesorgt haben.
Großteil war
unter 60 Jahre
Zufrieden über das Geleistete ist auch Hans Meyrl. „Wir ziehen ein sehr positives Fazit. 490 Impfungen sind ein gutes Ergebnis“, sagt er. Ihm und seinen Mitarbeiter sei bewusst gewesen, dass ein Großteil der Impflinge unter 60 Jahren alt sein werde. Schon allein deshalb, weil aufgrund der Priorisierung ein Großteil der über 60-Jährigen bereits geimpft sei.
Die erforderliche Zweitimpfung findet am Samstag, 4. September, statt. Dann werden sich auch Marion Eisenschmid, Michael Pösl und Harry Landmann wieder auf den Weg ins Rosenheimer Impfzentrum machen.