Notdürftig mit Tape repariert: So fuhr das Auto beim Giro d‘Italia den Rest des Rennens.
Kolbermoor – Abgerissene Seitenspiegel, Kratzer, Dellen – der Fuhrpark des Raublinger Radsport-Teams Bora-hansgrohe wird bei den Rennen mitunter arg in Mitleidenschaft gezogen. Nach zwei Unfällen bei großen Rundfahrten hatte zuletzt Sponsor Auto Eder Kolbermoor alle Hände voll zu tun, um die Fahrzeuge rechtzeitig zur Tour de France, die diesen Samstag startet, auf Vordermann zu bringen.
Die Autos sind ein wichtiger Bestandteil für das Profi-Team. Das weiß auch Jürgen Lechl, Fuhrparkleiter von Bora-hansgrohe: „In den Autos gibt es eine Funkverbindung zu den anderen Autos und zu den Fahrern. Dazu empfangen sie sowohl das Radio als auch das Fernsehsignal. Das ist extrem wichtig, dass das Team und der Sportliche Leiter da auf dem Laufenden gehalten werden. Ganz hinten am Peloton würde man sonst nicht sehen, was abgeht.“
Begleitfahrzeuge
mit viel Technik
Von diesen Autos besitzt das Team zehn Stück, fünf davon sind bei der Tour de France dabei. Jedes dieser Fahrzeuge ist innen genau gleich ausgestattet, sodass im Notfall jedes funktioniert. Schließlich kommt es bei so großen Rennen recht häufig zu Unfällen. „Es ist nicht so, dass unsere Fahrer nicht Autofahren können oder keine Acht geben“, lacht Lechl.
„Da geht es einfach immer sehr hektisch zu. Im Eifer des Gefechts passieren da schon mal Unfälle. Man sieht es ja im Fernsehen, wie dicht alle Autos und Motorräder hinter- und nebeneinander fahren. Auffahrunfälle oder Kratzer an den Seiten des Autos kommen dabei oft vor. Wenn es in einem Tunnel mal eng hergeht, dann fliegt halt mal ein Außenspiegel“, erklärt der 60-Jährige.
Erst vor kurzer Zeit passierten in kurzen Abständen zwei Unfälle, bei denen die Autos mehr abbekamen als nur einen Kratzer. „Beim Giro d‘Italia Ende Mai ist ein klassischer Auffahrunfall passiert. Das kommt bei solchen Rennen nicht unbedingt selten vor. Wenn da 30 oder 40 Autos so eng hintereinanderfahren und die vorderen plötzlich bremsen, dann ist es manchmal fast unmöglich so schnell zu reagieren“, beschreibt Lechl den Unfall. Nur zwei Wochen später bei der Dauphiné, der Generalprobe für die Tour de France, krachte es schon wieder. Dabei wurde fast die komplette Seite eines „race cars“ stark beschädigt.
Nach Unfällen oder auch nur kleinen Blessuren müssen die Autos immer wieder repariert werden. Auch die Bremsen und Reifen müssen viel öfter erneuert werden, als beim „normalen“ Autofahren. Dafür ist Auto Eder in Kolbermoor zuständig. „Meistens brauchen wir die Autos relativ schnell wieder, da das ganze Team darauf angewiesen ist“, sagt der Fuhrparkleiter. Im Vorfeld spielt die Organisation dabei eine wichtige Rolle. „Wenn ein Auto beschädigt ist, melde ich direkt den Schaden und wann wir es wieder brauchen. Dann wissen die Jungs bei Auto Eder Bescheid und können sich drauf einstellen. Das hat auch immer richtig gut funktioniert.“
Die Reparatur ist oft ein großer Aufwand, vor allem, wenn es schnell gehen muss. „Wir haben da über die Jahre ein spezielles Team gebildet. Die Kommunikation mit dem Fuhrparkmanager läuft immer gut. So können wir im Vorhinein die Teile bestellen. Die Mitarbeiter arbeiten dann oft länger und müssen improvisieren und schnell sein“, erläutert Willi Bonke, Geschäftsführer von Auto Eder Kolbermoor. „Wir helfen dem Team da sehr gerne, auch diesen Aufwand nehmen wir dafür gerne in Kauf. Ich verfolge die Rennen des Teams immer, wenn es möglich ist. Einerseits bin ich ein passionisierter Radsportfan und andererseits ist es toll, wenn wir zum Erfolg des Teams Bora-hansgrohe beitragen können.“
Heute, Samstag, startet die erste Etappe der Tour de France 2021 in Brest. Fünf „race cars“, ein VIP-Auto für Gäste und Sponsoren, einen großen Bus, einen Mechaniker-Truck, einen großen Transit für Material und einen Küchen-Truck hat das Team Bora-hansgrohe in Frankreich dabei. Die Mahlzeiten werden von einem eigenen Koch zubereitet und der Truck fährt von Etappe zu Etappe. Darin befinden sich eine Küche, ein Tisch und ein Fernseher.
Küchen-Truck
mit dabei
Lechl: „Das kann man sich vorstellen wie eine kleine Kantine.“ Im Truck wird gefrühstückt und vor dem Rennen die Besprechung gemacht. Danach werden die Fahrer mit dem Bus zum Start gebracht. „Darin gibt es einen Kühlschrank, eine Mini-Küche, Duschen und ein ausziehbares Bett.“
Bei der Tour gehen für das Raublinger Team mit Emanuel Buchmann und Nils Politt zwei deutsche Sportler an den Start. Ebenfalls jeweils zwei Fahrer sind aus Österreich – Lukas Pöstlberger und Patrick Konrad – und aus den Niederlanden – Ide Schelling und Wilco Kelderman. Zudem treten der Sprintspezialist Peter Sagan aus der Slowakei und der Italiener Daniel Oss an.
Die OVB-Heimatzeitungen begleiten das Team Bora-hansgrohe mit einem täglichen Podcast und Rennzusammenfassungen auf www.ovb-online.de.