Rosenheim – Der Inn ist einer der längsten und mächtigsten Alpenflüsse. 517 Kilometer zieht er sich durch die Schweiz, Österreich und Deutschland. Als Teil des Projekts „Innsieme“ hat der Umweltverband WWF (World Wide Fund for Nature) eine Kurzfilmserie über den Fluss gedreht. Das Drehteam war dafür auch in der Region.
„Rosenheim ist eine wichtige Gemeinde für den Inn“, sagt Pressesprecherin Lisa Reggentin vom WWF-Büro in Innsbruck. Die Organisation habe enge Kontakte zum Wasserwirtschaftsamt und dem Inn-Museum. In dessen Ausstellungsräumen fand auch die Eröffnungsveranstaltung des Projekts statt. Für die Dreharbeiten sind Reggentin und ihr Team dorthin zurückgekehrt.
Keine Exkursionen
und Diskussionen
Die Filme sind Teil des Projektes „Innsieme“. Es soll Menschen für die Probleme am Inn sensibilisieren. Ursprünglich hatte der WWF Diskussionsveranstaltungen und Exkursionen geplant. Aufgrund der Pandemie war das nicht möglich. „Wir haben uns überlegt, wie wir die Menschen auf andere Art erreichen können“, sagt Reggentin.
Das Ergebnis waren die Kurzfilme. Die Organisation verbreitet die Filme über den Youtube-Kanal des WWF-Österreich und über die „Innsieme“-Homepage. Die Serie hat zehn Episoden, in denen der Umweltverband den Inn in all seinen Facetten vorstellt und auf Probleme am Fluss hinweist.
„Es gibt einen ganz großen Handlungsbedarf und viele Menschen wissen nichts davon“, sagt Reggentin. Der Inn sei über weite Strecken massiv verbaut und habe dadurch seinen natürlichen Charakter verloren. Viele Tier- und Pflanzenarten fänden deshalb keinen Lebensraum mehr.
Auch der verbaute Hochwasserschutz sei problematisch, weil der Inn dadurch zu wenig Platz hat. Wenn es zu einem Hochwasser komme, seien diese Abschnitte zwar geschützt, das Hochwasser fließe aber einfach weiter und breite sich an anderen Stellen aus.
Um dem Inn wieder mehr Raum zu geben, müsste der Hochwasserschutz rückgebaut werden. Das fordert der WWF. Die Organisation will neue Uferstrukturen am Inn entwickeln und zum ursprünglichen Zustand zurückführen. „Wenn es mehr natürliche Ufer und Auwälder gäbe, könnte das Wasser dort versickern“, sagt Reggentin. Anstatt viele kleine Wasserkraftwerke in sehr kurzen Abständen zu bauen, sei es zudem sinnvoller nur ein großes Werk zu bauen.
Wenn alles unverändert bleibt, könnten in 50 Jahren Probleme mit der Trinkwasserversorgung entstehen. Durch den Klimawandel könnten die Menschen mehr von natürlichen Quellen abhängig sein. Je mehr negativer Einfluss auf das Ökosystem genommen werde, desto größer sei diese Gefahr laut Reggentin. Auf Probleme wie diese will der WWF mit dem Film aufmerksam machen.
Das Inn-Museum in Rosenheim sei dafür ein wichtiger Anlaufpunkt gewesen, weil Besucher dort viel über die Geschichte des Flusses erfahren können. Ausstellungsstücke wie historische Pletten, versunkene Fundstücke, Zeichnungen und Grafiken zeigen, welche Funktion der Inn früher hatte. Besonders für die Umweltbildung jüngerer Zielgruppen sei das wichtig. „Woher sollen sie sonst wissen, dass der Inn früher ein Wildfluss war und ganz anders aussah?“, sagt Reggentin.
Anna Hofberger-Gottenöf weiß, wie sehr sich der Fluss verändert hat. Seit sechs Jahren arbeitet sie im Inn-Museum. Für die Kurzfilmserie führte die Expertin das WWF-Team durch die Ausstellungsräume und den Außenbereich. „Die Dreharbeiten haben total Spaß gemacht“, sagt Hofberger-Gottenöf.
Große Bedeutung für
Freizeit und Erholung
Bei dem Rundgang sprach die Museums-Mitarbeiterin über die Rolle des Flusses. In Rosenheim habe er eine historische Bedeutung durch die Inn-Schifffahrt. Die Stadt sei dadurch groß und reich geworden. Aber auch heute bedeute er den Menschen viel – etwa als Freizeit- und Erholungslandschaft durch den Radweg entlang des Inns.
Doch auch Hofberger-Gottenöf betont, wie wichtig es ist, dem Inn mehr Platz zu geben: „Die Landschaft am Inn ist sehr dicht besiedelt.“ Das Rosenheimer Wasserwirtschaftsamt habe deshalb bereits im Jahr 2000 begonnen, eine Ausleitungsstrecke zu schaffen: Von Jettenbach im Landkreis Mühldorf bis Töging im Landkreis Altötting besteht der letzte frei fließende Flussabschnitt des Inns in Bayern.
Ein freier, weniger verbauter Fluss ist auch das Ziel der Filmreihe. Laut Reggentin müsse der Zustand des Inns von der Quelle bis zur Mündung verbessert werden. Das gelinge nur, wenn viele Gemeinden mitmachen.