Rosenheim/Brannenburg – Als „Wildmeister“, so lautet der Ehrentitel, den er als einer von wenigen Berufsjägern trägt, interessiert sich Sepp Hoheneder aus Brannenburg natürlich für Rotwild, für Gams und fürs Schwarzwild. Ehrensache. Aber Hoheneder kennt sich auch sonst in der Natur und vor allem in der heimischen Vogelwelt aus. Mehr noch, ein Vogel hat es ihm sogar besonders angetan: „Der Mauersegler. Weil der fast durchweg in der Luft lebt.“
Da schwingt etwas von der Freiheit mit, die sich auch Sepp Hoheneder genommen hat. Er ist ein Leben lang draußen unterwegs gewesen, und seit einem halben Jahrhundert auch beruflich. Langweilig ist ihm das offenbar nie geworden, er hat das Staunen nicht verlernt.
Wie wenige andere weiß er, dass man für Sensationen aus Flora und Fauna nicht bis ans Ende der Welt reisen muss. Es lohnt sich vielmehr, vor der Haustür anzufangen.
Hoheneder bringe seine Liebe zur Natur den Lesern der OVB-Heimatzeitungen nahe, in der Langzeit-Serie „Safari daheim“ berichtet er aus der heimischen Tierwelt. Und jetzt hat er sie zusammengefasst, zu einem Taschenbuch. Es heißt ebenfalls „Safari daheim“, erscheint im Chiemgauer Verlagshaus, und ist ab Montag, 12. Juli, in Buchhandlungen zu kaufen (Safari Daheim. Heimische Wildtiere in Bayern, viele Fotos, 224 Seiten, 14,80 Euro).
Es ist so etwas wie eine Zwischenbilanz eines Lebens für die Natur. Hoheneder kann sich kaum an eine Zeit ohne erinnern. „Bei mir waren keine Elvis-Presley-Poster im Zimmer gehängt“, erzählt er, „wir haben Federn gesammelt, Aquarium mit einheimischen Fischen gehabt, ein Herbarium eingerichtet, Blätter gepresst.“
Den jungen Sepp Hoheneder zog es an die heimischen Gewässer zum Fischen und in die Wälder. „Ich hab mit zwölf schon gewusst, dass ich Berufsjäger werde.“ Da man das aber nicht vor dem 18. Lebensjahr werden kann und Hoheneder nicht die ganze Zeit „Däumchen drehen konnte“, hat er Maurer gelernt. „Aber nicht weil ich wollte.“ Brauchen kann er die Ausbildung trotzdem, sein Haus zum Beispiel hat er selbst isoliert. Und jetzt hat er also selbst ein Buch geschrieben, „weil mich so viele Leute gefragt haben“. Hauptsächlich aus den Beiträgen für die OVB-Heimatzeitungen bestehend – aber mit mehr Arbeit verbunden, als er gedacht hätte, erzählt er mit einem Lachen.
Die Leser erfahren Originelles und Interessantes aus der Natur und Tierwelt. Manches Tier wird man vielleicht nach der Lektüre mit anderen Augen sehen. Die Ratte zum Beispiel; wer hätte gedacht, dass der Nager Zähne hat, die vom Härtegrad her einem Diamanten kaum nachstehen? Hoheneder, Berufsjäger mit Revier im Inntal, hat Spaß daran, solche Geschichten zu erzählen. Er hat aber auch einen Auftrag. Weil es die Menschen in den vergangenen Jahren verstärkt in die Wälder und in die Berge gezogen hat, ganz besonders seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie. Gleichzeitig aber ist viel Wissen abhandengekommen. Hoheneder bietet seit 30 Jahren einen Jagdkurs an, und den besuchen auch Menschen, die gar nicht unbedingt jagen wollen. „Da gehen auch Leute rein, die sich einfach in der Natur auskennen wollen.“
Und denen kann er dann als begeisterter und guter Kenner auch der Vogelwelt Geschichten wie die vom erwähnten Mauersegler erzählen. Dass der sich zum Paaren wie auch zum Schlafen in die Lüfte emporschwingt. „2000 Meter hoch steigt er auf und verbringt fliegend die Nacht“, staunt Hoheneder. Wie gesagt, es gibt noch viel zu entdecken, und das ganz ohne große Reisen.
Michael Weiser