Die Rückkehr der Fischotter

von Redaktion

Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts wurde er gnadenlos gejagt, vor allem sein Pelz war begehrt: der Fischotter. Mit ihm beschäftigt sich die 109. Folge der OVB-Serie „Safari daheim“.

Rosenheim – Dank zahlreicher Naturschutzmaßnahmen und einem strengen Schutzstatus kehrt der Fischotter nun zurück. Er unterliegt dem Bundesjagdrecht und hat seit 1968 ganzjährige Schonzeit.

Ein ausgewachsener Fischotter hat eine Körperlänge von 80 bis 95 Zentimetern, seine Schwanzlänge beträgt 40 bis 45 Zentimeter. Er erreicht ein Körpergewicht von acht bis zwölf Kilogramm. Oberseits hat sein Fell eine glänzend hellbraune Färbung, Bauch und Kehle sind stets heller und grauweiß gefärbt. Beim Tauchgang werden die kleinen Ohren und die Nase verschlossen.

Verborgenes Leben
in der Dämmerung

Die stämmigen, kurzen Läufe sind mit fünf-zehigen krallenbewehrten Pfoten versehen, die mit Schwimmhäuten verbunden sind. Der Kopf ist abgeflacht. Nase, Augen und Ohren liegen auf einer Linie, sodass der Fischotter den Kopf nur wenige Zentimeter aus dem Wasser heben muss, um die Umwelt durch Riechen, Sehen und Hören wahrzunehmen.

Der Fischotter ist typischer Vertreter der Wassermarder und führt ein sehr verborgenes Leben, das sich meist in der Dämmerung oder nachts abspielt. In naturnahen Lebensräumen, in denen er nicht gestört wird, kann man ihn auch tagsüber jagend oder aber auch zum Beispiel auf einem umgefallenen Baum sich sonnend antreffen. Keine andere Marderart ist so an das Wasser angepasst wie der Fischotter. Trotzdem ist er nicht nur im Wasser zu Hause. Hundert Meter Uferstreifen bezieht er mehr oder minder in sein Jagdgebiet mit ein. 70 Prozent seiner Beute sind zwar Fische, aber auch Frösche, Kröten, Enten, Bisamratten, Reptilien, Vögel, Mäuse, Krebse und Muscheln werden nicht verschmäht. Und von den ungarischen Jägern wurde mir bestätigt, dass Fischotter immer wieder Fasane erbeuten.

Im Wasser ist der Fischotter in seinem Element. Hier kann er seinen überaus wendigen, stromlinienförmigen Körper ausspielen. Bis zu acht Minuten kann er sich tauchend unter Wasser halten.

Der Fischotter kennt keinen Winterschlaf und keine Winterruhe. Er muss also auch bei eisiger Witterung auf die Jagd gehen. Sein schlanker Körper ist interessanterweise nicht mit einer isolierenden Fettschicht ausgestattet wie zum Beispiel bei Eisbären oder Seelöwen. Dafür hat ihn die Natur mit einem einmaligen Hightech-Fell ausgestattet: einem sehr dichten Deckhaar, kombiniert mit einer ungewöhnlichen Struktur von Unterhaaren, die sich wie Reißverschlüsse ineinander verzahnen. Dieses Haarkleid besitzt auf einem Quadratzentimeter 60000 Haare. Zum Vergleich: Der Mensch hat circa 250 Kopfhaare pro Quadratzentimeter. Es sorgt dafür, dass der Fischotter durch dieses dichte Haargeflecht isolierende Luftbläschen zurückhält und dadurch kein Wasser eindringen kann. Somit bleibt die Haut trocken und der Körper erleidet keinen Wärmeverlust.

Sein Stoffwechsel läuft stets auf Hochtouren. Um diesen „Motor“ am Laufen zu halten, braucht er täglich bis zu einem Kilogramm Nahrung. Als Nahrungsopportunist ernährt er sich von dem, was er am einfachsten erbeuten kann. An Fließgewässern beginnt seine Jagd immer gegen die Fließrichtung. Mit bis zu sagenhaften 12 km/h begibt er sich auf die Verfolgung von Fischen. Wenn dann keine natürlichen Verstecke vorhanden sind, ist es um diese geschehen.

Auch wenn er zuerst kranke und schwache Fische fressen sollte, kann er in nicht natürlichen Gewässern erhebliche Fischverluste verursachen. Als besonders gravierend stellt sich das bei einem Überangebot von Fischen in der Teichwirtschaft heraus. Die Wirkung ist ähnlich wie bei Geflügelstallungen auf Marder, die solange zubeißen, bis die letzte Henne ausgeflattert hat. Auch beim Fischotter erwacht der Beutetrieb und er schleppt jeden Fisch an Land, dem er habhaft wird.

Entscheidend für den Fischotter bei der Wahl seines Lebensraumes sind Gewässer mit genügend Nahrungsangebot und vielen ufernahen Versteckmöglichkeiten. Fuchs- oder Dachsbaue in Ufernähe werden genützt, ebenso ausgeschwemmte Löcher, Uferunterspülungen, unter Wurzeln alter Bäume aber auch selbst gebaute Baue. Solche Baue können im Ufer sowohl über der Wasserlinie, als auch unter der Wasserlinie beginnen. Eine einfache, schräg nach oben verlaufende, über der Hochwasserlinie liegende Röhre endet in einem ausgepolsterten Kessel, der durch einen zusätzlichen Schacht verbunden sein kann, der als Belüftung, aber auch als Notausgang dient.

Wasser-Revier bis
zu 40 Kilometer lang

Die Reviergröße kann immens unterschiedlich sein. Bis zu 40 Kilometer Gewässerlauf bei Rüden und 20 Kilometer bei Fähen sind nicht ungewöhnlich. Die Reviere von beiden können sich dabei überlappen. Jeder Otter nutzt dabei bis zu 25 und mehr Verstecke in seinem Revier. In seinem Territorium nützt er feste Ein- und Ausstiege und Pässe.

Frühestens im zweiten Lebensjahr, oft erst im dritten, werden Fischotter geschlechtsreif. Die Ranzzeit kann ganzjährig sein, die Hauptpaarungszeit ist jedoch Februar/März. Nach einer Tragzeit von 60 bis 63 Tagen bringt die Fähe ein bis vier Junge zur Welt, die erst mit einem Monat die Augen öffnen.

Die Hauptgefahr für den Fischotter droht durch den Straßenverkehr, so sind zum Beispiel in den vergangenen fünf Jahren drei Fischotter zwischen Kiefersfelden und Fischbach unter die Räder gekommen. Ebenso gefährlich ist die Berufsfischerei, wenn sie mit Reusen betrieben wird. Ein erwachsener Fischotter hat ansonsten keine natürlichen Feinde. Wenn er die Jugendzeit überlebt hat, beträgt die durchschnittliche Lebenserwartung in freier Wildbahn neun bis zehn Jahre, in Gefangenschaft bis zu 22 Jahre.

Das Buch zur Serie

„Safari daheim“ gibt es jetzt auch als Buch: erschienen im Chiemgauer Verlagshaus und in allen Buchhandlungen zu kaufen („Safari daheim“. Heimische Wildtiere in Bayern, viele Fotos, 224 Seiten, 14,80 Euro).

Artikel 11 von 11