Rosenheim – Soll der Landkreis im Rahmen eines zweijährigen Versuchsprojektes an den weiterführenden Schulen kostenlos Artikel zur Damenhygiene bereitstellen? Bei zwei Gegenstimmen beantwortete der Kreistag einen entsprechenden Antrag der Linken mit einem klaren Nein. Er folgte damit einem einstimmigen Empfehlungsbeschluss des Kreisausschusses. Die Linke hatte darüber hinaus ins Auge gefasst, das kostenlose Anbieten solcher Artikel auf Rathäuser und weitere öffentliche Gebäude auszudehnen, falls der Modellversuch positive Erkenntnisse liefere.
Landrat Otto Lederer (CSU) begründete seine ablehnende Haltung unter anderem mit dem Hinweis, bisher sei ihm von den Schulen kein Bedarf für eine solche Maßnahme gemeldet worden. Kreisrätin Janna Miller (Bündnis 90/Die Grünen) wollte sich mit einer glatten Ablehnung nicht anfreunden. „Es gibt sehr unangenehme Notsituationen für junge Frauen. Da sollten wir als Sachaufwandsträger der Schulen solche Hygieneartikel zur Verfügung stellen. Miller warb für eine Kompromisslösung, der Landrat lehnte eine Suche nach einer solchen jedoch rundweg ab. „Ohne Zustimmung des Antragstellers können wir das nicht machen“, sagte er vor dem Hintergrund, dass der einzige Kreisrat der Linken der Sitzung nicht beiwohnte.
Mary Fischer (Freie Wähler) verwies darauf, dass die Menstruation in manchen ethnischen Gruppen noch immer ein Tabuthema sei und Mädchen deshalb in der Schule plötzlich in arge Nöte geraten könnten. Sie sprach sich dafür aus, den Schulen einen gewissen Betrag für derlei Hygienebedarf zur Verfügung zu stellen und eine Verteilung in Zusammenarbeit mit der Jugendsozialhilfe zu organisieren. Hans Loy (CSU) pflichtete Fischer bei und plädierte für eine „pragmatische Lösung“. – „Da brauchen wir keinen Kreistagsbeschluss, das geht auf dem Verwaltungsweg“, meinte der Kreisrat. An der ablehnenden Haltung des Kreistags gegenüber dem Antrag der Linken änderte das nichts.Norbert Kotter