Spanien-Urlauber bringen Delta mit

von Redaktion

Corona-Lage Ausbruch mit zwölf Folgefällen – Varianten auf dem Vormarsch

Rosenheim – Die Corona-Lage in der Region Rosenheim bleibt entspannt – mit lediglich 16 Neumeldungen im Wochenverlauf (Vorwoche +20) und einer Sieben-Tage-Inzidenz im einstelligen Bereich. Sorge bereitet Dr. Wolfgang Hierl, Leiter des Staatlichen Gesundheitsamtes Rosenheim, weiter die Delta-Variante. Insbesondere, da sich die Mutation nun auch im Fall zweier Reiserückkehrer aus Barcelona/Spanien bestätigt hatte, die nach ihrer Heimkehr insgesamt zwölf Folgefälle nach sich gezogen hatten.

Die nachträgliche Sequenzierung der Positiv-Tests der beiden Spanien-Rückkehrer hatte den Verdacht bestätigt: Hier war die hochansteckende Delta-Variante im Spiel. Insgesamt zwölf Folgeinfektionen konnte die Behörde ermitteln, davon sieben Fälle in Privathaushalten, drei Fälle in einem Fußballverein anlässlich eines Public Viewings am 19. Juni sowie zwei Fälle an zwei Arbeitsplätzen.

Hierl: Hohes
Ausbreitungspotenzial

Die beiden „Quell-Fälle“, wie sie das Gesundheitsamt bezeichnet, waren am 16. Juni aus Barcelona zurückgekehrt. „Die Erfahrungen mit den bislang wenigen bestätigten Fällen in der Region Rosenheim zeigen uns eindrücklich, welch hohes Ausbreitungspotenzial die Delta-Variante in der Gesellschaft hat“, sagt Hierl.

Wie der Behördenleiter das Robert-Koch-Institut (RKI) zitiert, sei anzunehmen, dass es sich bei knapp zwei Dritteln der PCR-bestätigten SARS-CoV-2-Fälle um eine Infektion mit der Delta-Variante und bei einem Drittel um eine Infektion mit Alpha handelt. In der Region entfielen zuletzt sechs der 16 neuen Fälle auf die Delta-Variante.

Gute Nachrichten gibt es in Sachen Quarantäne: Vollständig Geimpfte oder Genesene sollen bei Erstkontakt zu einem Delta-Fall künftig wieder von der Quarantänepflicht ausgenommen werden. Dieser neuen Empfehlung des RKI schließt sich nun auch das Rosenheimer Gesundheitsamt an.

Infektionsübertragungen ereignen sich weiterhin überwiegend im privaten Umfeld, das 38 Prozent, und der Freizeit, das 13 Prozent der bekannten Infektionsursachen ausmacht. Aus medizinischen Einrichtungen und dem Arbeitsplatz wurden in dieser Woche keine neuen Fälle gemeldet. Als Lichtblick sieht das Gesundheitsamt, dass seit Langem kaum mehr Infektionen bei Bewohnern von Heimen auftreten. Etwa sechs Prozent sind Infektionsübertragungen in Schulen und Kitas. Zuletzt war ein Fall (6. Juli) an der Berufsschule II Rosenheim aufgetreten. Für die Kontaktpersonen hat das Gesundheitsamt Quarantäne angeordnet.

Die Fälle wurden laut der Behörde überwiegend entdeckt bei Reihentestungen (44 Prozent), Testungen im Rahmen der Kontaktpersonennachverfolgung (rund 25 Prozent) und aufgrund des Auftretens von Symptomen (rund 13 Prozent).

Sorgen bereitet Behördenleiter Hierl die zunehmende Impfmüdigkeit in der Region, die sich seit Kurzem bemerkbar macht (wir berichteten). Mit Stand 8. Juli wurden in Stadt und Landkreis Rosenheim durch das Impfzentrum sowie die Arztpraxen 159763 Erstimpfungen und 118534 Zweitimpfungen durchgeführt, was einer Impfquote von 49,1 beziehungsweise 36,4 Prozent entspricht. Damit liegt die Region weiter deutlich unter dem bayerischen (56 beziehungsweise 40,2 Prozent) und dem deutschen (57,9 beziehungsweise 41,5 Prozent) Durchschnitt.

Hierl: „Die laut RKI für eine Herdenimmunität aufgrund der Dominanz der Delta-Variante zwingend notwendige Durchimpfungsrate mit einer vollständigen Impfung gegen das Coronavirus von mindestens 85 Prozent der Zwölf- bis 59-Jährigen und 90 Prozent der über 60-Jährigen ist in der Region noch meilenweit entfernt. Ich rate daher dringend allen Personen, die ein Impfangebot erhalten und bei denen nicht eine medizinische Kontraindikation nach wissenschaftlichen Kriterien besteht, den Impftermin auch wahrzunehmen. Wir dürfen uns nicht täuschen lassen, es werden sich alle Personen, die nicht geimpft sind oder die Infektion nicht schon durchgemacht haben, an dem Virus anstecken.“

Solidarität mit den
Jüngeren zeigen

Hierl weiter: „Kein Mensch kann sicher sein, dass bei ihm nicht eine schwere Verlaufsform der Infektion auftritt oder langwierige und belastende Folgesymptome durch Long-Covid verbleiben. Wir müssen sicherstellen, dass vor allem die Kinder und Jugendlichen, für die keine Impfindikation oder Zulassung der Impfstoffe besteht, durch eine hohe Impfrate der Erwachsenen geschützt werden, gerade wenn im Herbst dann der Schulbetrieb im Präsenzunterricht wieder starten soll.“

Der Behördenleiter ergänzt: „Es ist jetzt an der Zeit, dass die Erwachsenen Solidarität mit den Jüngeren zeigen und wir ein Stück von dem an die Gruppe zurückgeben, die bislang für die Vulnerablen in der Gesellschaft massive Einschränkungen in Kauf genommen hat. Diese Impfung ist gerade nicht nur eine persönliche Angelegenheit, sondern wir alle haben eine Verantwortung für die ganze Gesellschaft.“

Die Gesamtzahl der Covid-Fälle stieg für Stadt und Landkreis zuletzt auf 17878 (Stand 8. Juli; Landkreis: 13938, Stadt: 3940). Im Verlauf der vergangenen Woche kamen keine weiteren Covid-Todesfälle hinzu (gesamt 529).

Die Zahl der Covid-19-Patienten in den Kliniken in Stadt und Landkreis Rosenheim bleibt auf einem stabilen Niveau mit 35 (Vorwoche: 36), davon befinden sich fünf Patienten (Vorwoche: 6) auf Intensivstation.

Artikel 8 von 11