Impfwillig, aber ausgebremst

von Redaktion

Warum eine Bad Endorferin noch immer auf Terminangebot wartet

Rosenheim – Eine spontane Entscheidung: Mit seiner Partnerin Caroline Gatheri war der Bad Endorfer Hans Fritz im Rosenheimer Impfzentrum – ohne Termin. „Durch unsere beiden kleinen Töchter, die im Kindergarten und in der Grundschule vielen Kontakten ausgesetzt sind, fühlen wir uns nicht ohne Ansteckungsrisiko. Und so setzten wir uns aufgrund der Meldung in den OVB-Heimatzeitungen, dass es zu viel Impfstoff und zu wenig Impfwillige gibt, kurzerhand aufs Fahrrad und radelten nach Rosenheim, um uns unter die Impfwilligen am Impfzentrum zu gesellen“, berichtet Hans Fritz, wie die spontane Idee zustande kam.

Höflich
zurückgewiesen

Seine Hoffnung: Auch ohne Registrierung werde seine Lebensabschnittsgefährtin mit offenen Armen empfangen. Doch mitnichten: Ohne Anmeldung im bayerischen Impfportal wurde Caroline Gatheri höflich, aber bestimmt wieder zurückgeschickt. Gleich am Anfang seien beide mit der Begründung zurückgewiesen worden, ohne Einladung könne man sie nicht vorlassen. Der Versuch, mit dem Leiter des Impfzentrums zu sprechen, sei ebenso wenig von Erfolg gekrönt gewesen wie ein Telefonat mit dem Landratsamt. Auch dort habe man Fritz, der schon zweifach geimpft ist, erklärt, seine Frau müsse sich zunächst registrieren.

Erst seit gestern ist es möglich, auch ohne Anmeldung bei Bayerns Impfzentren eine Injektion zu erhalten. Insofern war Fritz‘ Versuch in der Vorwoche ein wenig verfrüht. Und „zu viel Impfstoff“ wie der Bad Endorfer vermutet, halte das Impfzentrum auch gar nicht vor, wie die Stadt auf Anfrage mitteilt: „Derzeit können so viele Impfdosen bestellt werden, wie tatsächlich auch verimpft werden können.“ Rund 500 seien dies derzeit pro Tag. Diese Resonanz wertet das Impfzentrum als eher gering, weshalb die Einrichtung während der vergangenen Woche, darunter am Samstag, an drei Tagen geschlossen blieb. Das Zelt neben der Inntalhalle bleibt trotzdem bis mindestens 16. August stehen, da an diesem Tag nochmals alle 15 Impfstraßen benötigt würden, wie die Stadt schildert.

Stadt appelliert
an die Bürger

Dennoch bleibt der Appell seitens der Stadt, sich impfen zu lassen, möglichst auch weiterhin mit Termin. Wer spontan erscheine, müsse womöglich mit längeren Wartezeiten rechnen. „Aus diesem Grund wird seitens des Impfzentrums mit Nachdruck dazu geraten, weiterhin die vorgezogene Registrierung und die Terminvereinbarung zu nutzen. Dadurch wird eine Impfung mit einem überschaubaren zeitlichen Aufwand möglich“, sagt die Stadt. Bislang seien jedoch kaum Impfwillige ohne Termin erschienen.

Für Caroline Gatheri und ihren Partner Hans Fritz muss diese Aufforderung wie Hohn klingen. Denn bereits an jenem Montag Anfang Juli, nachdem sie unverrichteter Dinge wieder nach Hause radeln mussten, machten sich beide daran, einen Termin zu sichern. Bislang warten sie jedoch noch immer auf die Einladung. „Obwohl uns gesagt wurde, dass es ganz schnell Termine gibt.“

Dafür kann die Stadt Rosenheim freilich wenig, denn für die Registrierung und die Terminvergabe zeichnet der Freistaat Bayern verantwortlich. Für Hans Fritz wiederum bleibt unbegreiflich, dass die Impfprozedur in anderen Ländern deutlich einfacher gestaltet ist. Darunter in den Vereinigten Staaten, wo man mitunter nicht einmal das Fahrzeug verlassen müsse und durch das Autofenster geimpft werde.

Sonderimpftage für alle ab zwölf Jahren

Der Landkreis bietet, neben der weiterhin bestehenden Möglichkeit einer Impfung im Impfzentrum oder bei niedergelassenen Ärzten, ab dem 1. August Sonderimpftage für alle ab zwölf Jahren in vier Gemeinden an. Die Sonderimpfaktionen finden jeweils von 9 bis 16 Uhr an den folgenden Tagen statt:

•1. August: Prien am Chiemsee, in der Aula der

Franziska-Hager-Mittelschule sowie im Wartesaal auf dem Hafengelände der Chiemsee-Schifffahrt.

•2. August: Wasserburg, Badria-Halle (Alkorstraße 14).

•6. August: Raubling, in der Gemeindehalle

(Rosenheimer Straße) und

Kolbermoor, im Mareissaal (Rosenheimer Straße).

Geimpft wird mit dem Vektor-Impfstoff von Johnson & Johnson, der für Personen ab 18 Jahren geeignet ist; hierbei ist nur eine Impfung erforderlich.

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