Halfing/Obing – Es hört nicht auf: Am Mittwoch kam es in der Region wieder zu heftigen Unwettern. Besonders hart getroffen hat es dieses Mal die Gemeinde Halfing und deren Umgebung. Dort kam zu den Regenfällen auch noch orkanartiger Wind, der den Halfinger Kirchturm so sehr beschädigte, dass Einsturzgefahr droht. Am späten Nachmittag kam die Nachricht, dass das Ortszentrum in einem Radius von 150 Metern um den Kirchturm geräumt wird. Betroffen: Unter anderem 50 Personen in einem Hotel, die das Gebäude verlassen mussten.
Fachstatiker
hinzugezogen
In und um Obing (Landkreis Traunstein) vernichtete der Sturm ganze Wälder, die Feuerwehr verbuchte über 70 Einsätze, Landwirte und örtliche Baufirmen packten mit an, um wenigstens die groben Schäden schnell zu beseitigen. Im Laufe des Nachmittags kamen Wehren aus dem südlichen Landkreis zur Unterstützung hinzu.
Das Landratsamt Rosenheim hatte mittags die Koordination der Einsätze übernommen. Und sofort nach der Schreckensmeldung zum Halfinger Kirchturm einen Statiker zu Begutachtung dort hingeschickt. Am späten Nachmittag wurde dann aufgrund der besonderen Bauweise des Kirchturms noch ein Fachstatiker hinzugezogen, teilte Ina Krug, Sprecherin des Landratsamtes, mit. Von dessen Einschätzung würde letztlich abhängen, ob die rund 200 Anwohner, die zunächst in ihren Häusern bleiben durften, ebenfalls aus der Sicherheitszone mit einem Radius von rund 150 Metern gebracht würden.
Zudem drohte in Halfing eine Werkstatt einzustürzen, nachdem deren Dach davongeflogen war. Auch Rathaus und Pfarrheim erlitten nach ersten Erkenntnissen erhebliche Schäden. Rund 100 Haushalte waren noch am Abend ohne Strom.
In Halfing waren so viele Bäume umgeknickt, dass die Rettungskräfte Mühe hatten, an ihre Einsatzorte zu gelangen, wie der Halfinger Feuerwehrkommandant Wolfgang Stangl sagte. Sowohl die Ortsdurchfahrt als auch die Staatsstraße 2360 Richtung Amerang waren gesperrt. Das Staatliche Bauamt teilte am Nachmittag mit, dass die Sperrung der Staatsstraße 2360 vermutlich bis in die Morgenstunden des Donnerstags andauern werde.
Im benachbarten Höslwang wurden die Dächer dreier Wohnhäuser und das Dach eines Bauernhofes beschädigt. Die Straße zwischen Sonnering und Höslwang war laut Krug gesperrt. Außerdem lag eine Stromleitung auf einer Länge von etwa 150 Metern am Boden. Ein Vertreter des Energieversorgers wurde sofort über den Schaden informiert. Bis Freitag ist aufgrund der Schäden der Golfplatz gesperrt, wie der Höslwanger Club via Instagram mitteilte. Zudem musste auf Gut Immling die gestrige Abendveranstaltung abgesagt werden, nachdem der zweite Rettungsweg durch Bäume unpassierbar geworden war.
In Obing (Landkreis Traunstein) vernichtete das Wetter nach Angabe eines Augenzeugen ganze Wälder. Überall lagen Bäume quer über die Straßen, die ein Durchkommen nahezu unmöglich machten. Und wo es nicht die Bäume waren, war es das Wasser, das auf den Straßen stand. Häuser wurden von umstürzenden Bäumen beschädigt oder die Dächer vom Sturm abgedeckt, Keller liefen voll.
Ab 13 Uhr gingen bei der Integrierten Leitstelle Traunstein (ILS) die Notrufe im Minutentakt ein. Zu allem Übel fiel laut ILS in Obing der Strom großflächig über längere Zeit aus. Die Feuerwehren in der Region waren mit Unterstützung der heimischen Landwirte und Bauunternehmer zum Teil mit schwerem Gerät im Dauereinsatz und arbeiteten alle rund 70 Einsätze nach Priorisierung ab. Über Personenschäden war bis Redaktionsschluss nichts bekannt.
Ein paar Kilometer weiter westlich war beidseits des Inns in Schechen und Vogtareuth eine kleinere Gewitterzelle unterwegs. Schechens Bürgermeister Stefan Adam, in Personalunion Feuerwehrkommandant in Pfaffenhofen, war bis gegen 16.30 Uhr im Einsatz. „Im Vergleich zu dem, was in Halfing und Obing los war, war es bei uns harmlos“, sagt er. Ein etwa einstündiger Stromausfall, vollgelaufene Keller und ein kurzfristig unter Wasser stehender Friedhof, dramatischer sei es nicht gewesen. „Aber ich habe es noch nie erlebt, dass so schnell so viel Wasser auf der Straße stand.“
Bäume kreuz und
quer auf der Straße
Auf der anderen Innseite waren im Gemeindegebiet Vogtareuth eher die Bäume das Problem, sie lagen so kreuz und quer auf der Staatsstraße 2359. Der Abschnitt bei Straßöd musste längere Zeit gesperrt werden. Auch aus Söchtenau gingen im Laufe des Nachmittags zahlreiche Notrufe ein. Informationen über etwaige Schäden in der Gemeinde waren bis Redaktionsschluss indes nicht bekannt.