Rohrdorf – Im Paradies der Almen hat für ihn der Wolf nichts zu suchen: Ruhestandspfarrer Georg Gilgenrainer aus Rohrdorf macht sich für die Almwirtschaft stark und will wolfsfreie Gebiete. In einem Brief an die Staatsregierung fordert er Prämien für erlegte Wölfe.
Der Wolf in den Bergen, ein Geschöpf, das nach etlichen Rissen von Nutztieren polarisiert. Nun hat der ehemalige Pfarrer von Höhenmoos (Gemeinde Rohrdorf), Georg Gilgenrainer, ein weiteres Kapitel in dem Konflikt zwischen Wolfs-Befürwortern und Almbauern aufgeschlagen.
Offener Brief an
Markus Söder
In einem offenen Brief an Ministerpräsident Markus Söder, Landtagspräsidentin Ilse Aigner und Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber greift der Geistliche, der auch Jäger und auf einer Alm aufgewachsen ist, den Bund Naturschutz an und spricht von nahezu religiöser Wolfs-Verehrung. Er fordert das Ausweisen von „wolfsfreien Gebieten“, Jäger sollten hier für jeden erlegten Wolf eine Prämie erhalten, wie es sie schon beim Schwarzwild gibt.
Der Ruhestandspfarrer sieht wegen der Wolfsansiedlung die gesamte Almkultur in Gefahr: „Es nützt gar nichts, gerissene Tiere zu ersetzen.“ Kein Bauer halte hier Vieh, wenn Wolfs-Gefahr droht. Almen, die nicht mehr bewirtschaftet werden, verlören den Charakter. Nöte und Sorgen der Almbauern würden zu wenig ernst genommen. Die proklamierten Wolfs-Schutzzäune wirken auf Gilgenrainer zynisch: „Leichter wird eine Hängebrücke zum Mond gebaut, als dass alle Almen wolfssicher eingezäunt werden können.“
Schutzzäune bleiben aber für Uwe Friedel, Wolfs-Experte beim Bund Naturschutz (BN), eine der Lösungen im Herdenschutz. Es kommen dabei auch keine Maschendrahtzäune zum Einsatz, sondern 90 Zentimeter hohe Netzzäune oder unter Strom stehende Litzenzäune. „Dass dies funktioniert, zeigen Projekte in den Pyrenäen oder in Rumänien.“ Friedel sieht aber auch die Herausforderungen an die Bauern, die das Einzäunen mit sich bringt, schon allein wegen der Topografie. Die Zäune müssen tief genug sein, damit das Raubtier nicht unten durchschlupft.
Doch beim Thema Wolf müsse sachlich debattiert werden, „was anderes bringt uns bei der Diskussion nicht weiter“. Friedel zeigt Verständnis für die Nöte der Almbauern. „Doch was bringt es, wenn in einem Gebiet fünf, zehn Wölfe geschossen werden und dann andere wieder einwandern. Auf null wird nicht klappen. Aus fachlicher Sicht ist Abschuss keine Lösung.“ Zudem sei dies aufgrund der rechtlichen Situation auch gar nicht möglich, der Wolf – er ist eben streng geschützt, ein Abschuss wäre eine Straftat, auch wenn es ein Bestreben gibt, „diesen Schutz zu ändern“.
„Schutz-Paragraf“
soll fallen
Der Ruhestandspfarrer indes, der sich für die Almbauern starkmacht, betont im Schreiben: „Der Schutz-Paragraf“ für den Wolf muss weg. Mit großer Erleichterung hätten die Almbauern 1882 den Abschuss des letzten Wolfes in Bayern aufgenommen. Danach hätten sie ihre Almen Tag und Nacht beweiden können. „Die Wolfs-Verehrer sind gerade dabei, die über Jahrhunderte gewachsene Almwirtschaft zu zerstören“, schreibt der Geistliche. Markus Christandl